Studie: Oma appt am Tablet. FH St. Pölten untersuchte, wie man Senioren an Tabletnutzung heranführen kann.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 29. November 2020 (15:07)
Johanna Redelsteiner (links) und eine weitere Gleißer Seniorin beim Fachsimpeln über ihr Tablet. Beide sind von der Nutzung des Geräts überzeugt.
Redelsteiner

Johanna Redelsteiner lebt in Gleiß und hat ihr Tablet seit sieben Jahren in Verwendung. Dieses hat sie zum 75. Geburtstag von ihrer Familie als Gemeinschaftsgeschenk erhalten. Um ihr Interesse an dem elektronischen Gerät zu wecken, wurden Fotos der Enkerl und aus Redelsteiners eigener Vergangenheit daraufgespielt. Enkelsohn Jakob Fischer ging Johanna Redelsteiner beim Erlernen der neuen Technik per Telefon und durch regelmäßige Besuche zur Hand.

Im Rahmen einer Studie des Departments Soziale Arbeit an der Fachhochschule St. Pölten, die von Redelsteiners Sohn Christoph, der dort Professor für Sozialarbeit ist, geleitet wurde, schilderte die Pensionistin ihre Erfahrungen mit dem Tablet. „Tablets sind eine Kulturtechnik, die insbesondere ältere Menschen lernen sollten“, ist Christoph Redelsteiner überzeugt. „Sie sichern Zugang zu Informationen, bieten Vernetzungsmöglichkeiten und stellen die Integration sicher.“

Die Forschungsfragen, die im Rahmen der Studie gestellt wurden, waren, wie man Senioren und deren Angehörige dazu motivieren kann, Tablets zur Alltags- und Kommunikationsgestaltung zu verwenden, und welche Erfahrungen die Beteiligten im Rahmen des Einführungsprozesses dieser neuen Technologie machen. Dabei sah die Studie vor, dass die Enkelkinder den Seniorinnen bei der Einschulung halfen und danach ihre Omas anhand eines teilstandardisierten Fragebogens interviewten.

Mittlerweile über 1.000 Fotos am Tablet

Und die Meinung Johanna Redelsteiners über ihr Tablet fiel durchwegs sehr positiv aus: Durch dieses ist sie insbesondere mit ihren vier Enkelkindern und ihren zwei Kindern und deren Partnern gut über WhatsApp vernetzt. Somit kann Redelsteiner auch immer auf den Reisen der Familie mit dabei sein, ohne selbst ins Flugzeug oder ins Auto steigen zu müssen – Bilder und Kurzvideos nehmen Redelsteiner und ihren Ehemann mit in den Familienurlaub. Auch die Verwendung des Internets wurde für die Seniorin bereits zum Alltag.

Infos werden recherchiert – besonders spannend findet die Sonntagbergerin das Überprüfen des Wetters mithilfe von Online-Livekameras in den Bergen und manchen Regionen Europas. Mittlerweile befinden sich auch über 1.000 selbst gemachte Fotos am Tablet der Seniorin. Entscheidend für den Erfolg bei der Anwendung der Technologie waren sowohl Geduld als auch entsprechende Unterstützung zu Beginn der Nutzung. Insbesondere in der Coronazeit hat sich das Tablet bewährt.

Über ihre Erfahrungen berichtete die Gleißer Seniorin nicht nur dem Forschungsteam der Fachhochschule St. Pölten, sondern auch in einem Interview mit dem Ö1-Mittagsjournal.

Bericht von Gastautor Samuel Redelsteiner