Wirbel um Sager von FPÖ-Spitzenkandidat

Aktualisiert am 18. Januar 2022 | 18:01
Lesezeit: 4 Min
Josef Gschwandegger
Josef Gschwandegger
Foto: Kössl
Josef Gschwandegger gab bei Wordrap an, zuletzt Hitlers "Mein Kampf" gelesen zu haben - ÖVP fordert Rücktritt.
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Im Vorfeld der am 30. Jänner in Waidhofen a. d. Ybbs stattfindenden Gemeinderatswahl hat ein Sager von FPÖ-Spitzenkandidat Josef Gschwandegger für Aufregung gesorgt. Im Rahmen eines Wordraps der "Bezirksblätter" hatte der Lokalpolitiker ursprünglich angegeben, als letztes Buch Adolf Hitlers "Mein Kampf" gelesen zu haben. Gschwandegger fühlte sich zunächst falsch zitiert, räumte dann aber ein, die Hetzschrift "vor längerer Zeit gelesen" zu haben.

Im Rahmen des "Bezirksblätter"-Wordraps waren die Spitzenkandidaten der am 30. Jänner antretenden Parteien u.a. über Freizeitaktivitäten und Lieblingslieder befragt worden. In der Kategorie "Gelesen" antwortete Gschwandegger laut dem Medienbericht mit: "Das letzte Buch, das ich gelesen habe war 'Mein Kampf'." Auf erneute Nachfrage der Bezirksblätter erklärte der FPÖ-Politiker am Dienstag: "Ich habe 'Mein Kampf' schon vor längerer Zeit gelesen. Ich lese generell wenig, vielleicht ein Buch im Jahr."

Seitens der FPÖ Niederösterreich gab es am Dienstagnachmittag vorerst keine Stellungnahme zu den Äußerungen Gschwandeggers. Auf Anfrage meldete sich Bernhard Ebner, Landesgeschäftsführer der ÖVP Niederösterreich, zu Wort. "Wenn es um die Ablehnung des Nationalsozialismus geht, gibt es bei allen politischen Parteien in unserem Land Konsens. Es kann deshalb nur eine Konsequenz geben: Den sofortigen Rücktritt von Josef Gschwandegger als Spitzenkandidaten der FPÖ Waidhofen a. d. Ybbs."

Weitere Waidhofner Spitzenkandidaten reagierten über Social Media

Kössler
Werner Krammer (WVP)
Foto: Magistrat

Die Spitzenkandidaten von WVP, SPÖ und Liste FUFU für die Waidhofner Gemeinderatswahl meldeten sich via Social Media zu Gschwandeggers Lektüre zu Wort. „Tut mir leid, Josef Gschwandegger: ‚Mein Kampf‘ als zuletzt gelesenes Buch geht gar nicht“, postete Bürgermeister Werner Krammer (WVP) auf Facebook.

SPÖ-Vizebürgermeister Armin Bahr mit dem Buch für Gschwandegger © Bahr
SPÖ-Vizebürgermeister Armin Bahr mit dem Buch für Gschwandegger.
Foto: Bahr

SPÖ-Vizebürgermeister Armin Bahr forderte Gschwandegger via Social Media auf: „Lernen‘s Geschichte!“ Außerdem postete er ein Foto von sich mit einem Buch über österreichische Zeitgeschichte und fügte an: „Nachdem der Spitzenkandidat der FPÖ Waidhofen als letztes Buch ‚Mein Kampf‘ gelesen hat, habe ich ihm nun neuen Lesestoff besorgt. Ganz ehrlich, das geht gar nicht! Oder will man mit so einem Mist provozieren?! Einfach unpackbar und untragbar!“

Kössler
Spitzenkandidat der Liste FUFU Martin Dowalil
Foto: Kössl

„Josef Gschwandegger, du bist die unappetitlichste Figur die ich kenne“, äußerste sich der Waidhofner Stadtrat und Spitzenkandidat der Liste FUFU Martin Dowalil auf Facebook dazu. „Soll jeder seinen Wahlkampf gestalten wie er will, aber das geht eindeutig zu weit. Hoffentlich müssen wir uns nicht mit solchen Unmenschen wie dir im selben Sitzungszimmer wiederfinden.“

Gschwandegger äußert sich in einer FPÖ-Aussendung zu den Anschuldigungen

In einer von der FPÖ am Abend ausgesendeten Stellungnahme spricht Gschwandegger von Falschmeldungen und Anschuldigungen, die er auf das Schärfste zurückweise. „Offensichtlich will man wieder einmal eine Woche vor einer Wahl in Niederösterreich mit Dreck werfen, um von den tatsächlichen Problemen – Stichwort Coronachaos – die Bürger abzulenken und versucht, eine Geschichte hochzuziehen, die keine ist“, wird Gschwandegger zitiert. „Das ist, wenn auch kein neues, dafür ein umso durchschaubareres Manöver. Ich habe das besagte Buch nicht und auch nie besessen. Der Versuch, mir hier einen Strick zu drehen, mag eine Woche vor einer Wahl aus der Sicht des erklärten politischen Gegners verständlich sein, ist aber dennoch unrühmlich und abscheulich.“

Wichtig sei ihm in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass er „die unfassbaren Menschheitsverbrechen und Gräueltaten der hinter diesem Buch stehenden Ideologie zutiefst ablehne.“

Gschwandegger selbst war für die NÖN bisher nicht erreichbar.

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