Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 04. Oktober 2018, 03:00

von Lisa Hofbauer

Wirtschaft 2050: Ökonom Fred Luks zu Gast in Waidhofen. Der Ökonom und Autor Fred Luks legte pointiert seine Ansichten zur Wirtschaft der Zukunft dar.

Raphael Kößl, Jürgen Tatzreiter, Elisabeth Austaller und Manuel Teufl (v.l.) vom Verein Wirtschaft 2050 dankten Fred Luks (Mitte) für den interessanten Vortrag, der für viele Denkanstöße sorgte.  |  Lisa Hofbauer

„Eines gleich vorweg: Ich habe keine Lösung. Ich bin der Überzeugung, kein Mensch weiß und kann wissen, wie die Wirtschaft im Jahr 2050 aussieht. Und ich finde, gerade das gibt Anlass zur Hoffnung.“ Mit diesen Worten eröffnete Fred Luks die diesjährige Vortragsreihe Wirtschaft 2050 im Plenkersaal.

Der Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien lieferte mit seinen Ausführungen zum Thema „Wirtschaft im Ausnahmezustand?“ einige Denkanstöße. Klimawandel, Digitalisierung, Wachstumsgrenzen, Nachhaltigkeit und schließlich auch der titelgebende Ausnahmezustand waren die Schlagwörter, entlang derer der pointierte Vortrag aufgebaut war.

„Wie wir derzeit leben, geht es sich nicht aus“, sagte Luks. „Wenn man über die Wirtschaft im Jahr 2050 redet, muss man sich zunächst den Ernst der Lage klarmachen. Unsere Rhetorik derzeit tendiert allerdings dazu, Dinge kleinzureden.“

„Ich bin der Überzeugung, dass niemand weiß, wie die Wirtschaft in Zukunft aussieht. Und das gibt Anlass zur Hoffnung.“Vortragender Fred Luks

Seiner Ansicht nach stößt man, versucht man nachhaltig zu wirtschaften, an Wachstumsgrenzen. „Es ist ein faszinierender Widerspruch: Einerseits sieht das Klimaabkommen von Paris eine radikale Schrumpfung des CO -Ausstoßes vor. Andererseits will man aber wirtschaftliches Wachstum weiter forcieren. Man nimmt an, dass man gleichzeitig wirtschaftlich wachsen und ökologisch reduzieren kann. Ich glaube aber, das geht sich nicht aus“, führte Luks aus.

Dies führe die Wirtschaft in einen Ausnahmezustand: „Man sieht anhand der derzeitigen Eskalationsprozesse im klimatischen und auch im politischen Bereich, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher. Das führt aber zu einer komplizierten Paradoxie: Einerseits müssen wir unseren Lebenswandel komplett umbauen. Zu der Veränderungsnotwendigkeit kommt aber auch die Notwendigkeit der Verteidigung: Wenn wir unsere Demokratie erhalten wollen, müssen wir sie verteidigen. Das heißt, wir müssen das verteidigen, was wir eigentlich auch umbauen wollen.“

„Einfluss des Einzelnen wird überschätzt“

Für besonders viel Diskussionsstoff sorgten Luks’ Ansichten zur Rolle des Einzelnen im Hinblick auf den Klima- und Umweltschutz. „Ich glaube, dass das Verhalten der Konsumenten und Konsumentinnen überschätzt wird. Einzelinitiativen sind gut und sollen auch nicht aufhören. Mit ihnen macht man die Welt ein Stück besser, man rettet sie jedoch nicht“, führte Luks aus.

Seiner Ansicht nach führe eine Überschätzung der Verantwortung des Einzelnen dazu, dass die Debatte rund um den Klimawandel entpolitisiert werde. „Solange sich die Rahmenbedingungen nicht verändern, stellt sich die Frage, warum man das Konsumverhalten ändern sollte“, sagte der Wirtschaftskritiker. Doch die Konsumenten müssen sich dem derzeitigen „Ausnahmezustand“ nicht völlig ausgeliefert sehen: „Meiner Meinung nach ist es am effektivsten, wenn sich Menschen dafür einsetzen, dass die Rahmenbedingungen geändert werden.“

Den zunächst doch relativ ernüchternd anmutenden Vortrag beendete der Referent dann aber doch noch mit einem Hauch Optimismus: „Man darf sich von einer pessimistischen Perspektive nicht einschüchtern lassen. Der Optimismus des Willens ist das, was zählt – und auch, wenn es kompliziert ist“, meinte Luks. „Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, dass es positive politische Überraschungen gibt – und das ist die Hoffnung.“