Bürgermeisterin Zebenholzer: „Bei Betriebsgebiet braucht es Spagat“

Erstellt am 17. Juni 2022 | 06:55
Lesezeit: 7 Min
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Hollensteins Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer ist mit dem Ergebnis der Fragebogenaktion im Großen und Ganzen zufrieden. 70 Prozent der Gemeindebürger goutieren die Entwicklung des Ortes in den letzten fünf Jahren.
Foto: Kössl
Hollensteins Ortschefin Manuela Zebenholzer (SPÖ) über einen möglichen neuen Gewerbepark, Unimarkt und Fragebogenaktion.
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NÖN: Die letzten zweieinhalb Jahre waren von der Corona-Pandemie bestimmt. Wie ist die Lage zurzeit in Hollenstein?
Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer:
Derzeit halten wir bei sechs Infizierten. Wir hatten aber schon eine Phase, wo wir gar keine Fälle mehr hatten. Nun geht es leider wieder los.

Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung? Die Corona-Maßnahmen und die Impfpflicht haben sehr polarisiert. Hat sich das wieder etwas gelegt?
Zebenholzer:
Ich denke schon, dass sich das mit dem Nachlassen der Maßnahmen wieder etwas gelegt hat. Wenn man aber in manchen Diskussionen Corona anspricht, dann polarisiert das nach wie vor. Die Situation an sich ist nach wie vor nicht zufriedenstellend. Man muss jetzt abwarten, was der Herbst bringt. Die letzten zweieinhalb Jahre waren jedenfalls sehr intensiv und haben zu Veränderungen im Mindset der Bürger geführt. Nun werden auch andere Themen viel kritischer gesehen. Grundsätzlich ist es ja gut, wenn mehr hinterfragt wird, was mir aber auffällt, ist, dass nun zuerst das Negative gesehen wird.

Ein zweites globales Thema, das bis in die Region ausstrahlt, ist der Ukraine-Krieg. Sind in Hollenstein Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht und wie schaut es mit deren Betreuung aus?
Zebenholzer:
Wir haben relativ bald nach Kriegsausbruch eine Familie und zwei Mütter mit ihren Kindern bei uns in Hollenstein gehabt, die über private Kontakte gekommen sind. Die Familie ist geblieben und mittlerweile in einer Gemeindewohnung untergebracht. Der Sohn besucht die Schule in Hollenstein und die beiden Elternteile sind ins Berufsleben eingetreten. Als die Leute gekommen sind, haben wir als Gemeinde geschaut, dass wir sie gut unterstützen und integrieren. Es gibt noch einige Hollensteiner, die sich als mögliche Unterkunftsgeber zur Verfügung stellen. Falls wir also noch jemanden zugeteilt bekommen, sind wir bereit.

Ein großes Projekt in der Gemeinde ist der Hochwasserschutz. Wie liegt man da im Zeitplan?
Zebenholzer:
Sehr gut. Der erste Teil im Bereich des Sportplatzes wurde bereits fertiggestellt und ist aktiviert. Wenn das nächste Hochwasser kommt, sind wir zuversichtlich, dass wir in diesem Bereich sicher sind. Im Zentrum sind die Arbeiten auch schon weit fortgeschritten. Der Beginn des letzten Bauabschnitts mit dem Pumpwerk in Kleinhollenstein ist für den Sommer geplant.

Für wann ist die Fertigstellung angedacht?
Zebenholzer:
Die sollte eigentlich noch heuer erfolgen, ganz sicher ist das aber nicht. Zum einen ist die Beschaffung von Baumaterial derzeit schwierig, zum anderen gibt es nun eine rund dreimonatige Verzögerung beim Murenschutzprojekt Gallenzen, das mit dem Hochwasserschutzprojekt zusammenhängt. Diese Verzögerung nutzen wir aber gleich dazu, das Wildbachprojekt beim Aubodenbach in Kleinhollenstein zu starten. Dieser Bach ist äußerst relevant für den Hochwasserschutz an der Ybbs. Wir können den Damm an der Ybbs nämlich erst schließen, wenn die Verbauung des Aubodenbachs steht. Im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres sollen Hochwasserschutz und Murenschutz abgeschlossen sein.

Die Bauarbeiten beim Unimarkt schreiten voran. Wann soll der in Betrieb gehen?
Zebenholzer:
Anscheinend im September.

Bei dem Projekt gab es einigen Gegenwind. Ist das das noch ein Thema oder ist die Akzeptanz mittlerweile gegeben?
Zebenholzer:
Das kann ich schwer einschätzen. Die einen freuen sich, dass die Nahversorgung gesichert ist. Die anderen sehen den Nahversorger im Ort dadurch gefährdet. Ich gehe aber davon aus, dass durch dieses Projekt viel Kaufkraft im Ort bleibt. Es ist ja schon jetzt so, dass viele auswärts einkaufen. Da hoffe ich, dass es dann ein Umdenken gibt und man zuhause einkauft.

Wie schaut es im Wohnbereich in Hollenstein aus?
Zebenholzer:
Wir sind bei den Einwohnerzahlen relativ stabil. Ich hoffe aber natürlich immer auf Zuzug. Dabei ist der Wohnraum ganz zentral. Baugrundstücke haben wir noch am Luss. Wahrscheinlich nächstes Jahr wird die Siedlung Amstetten dann einen weiteren Wohnbau errichten. So weit ich weiß, sind diese neuen Wohnungen aber schon wieder fast alle vergeben.

Ein wesentlicher Faktor für Zuzug im ländlichen Raum ist auch eine schnelle Internetverbindung. Wie weit ist man mit dem Glasfaserausbau in der Gemeinde?
Zebenholzer:
Über die Glasfaser Ybbstal GmbH sind wir gerade dabei, das Gebiet am hinteren Königsberg auszubauen. Das soll bis Ende Juni abgeschlossen sein. Im Ort bauen wir über unseren Licht- und Kraftvertrieb sukzessive aus. Und dann gibt es im ländlichen Raum noch Einzellagen, die noch zu erschließen sind. Da sollen noch Projekte ausgearbeitet werden.

Für 2022 war auch angedacht den Kindergarten auszubauen, um die Kleinkindbetreuung vom Vereinsheim dorthin zu verlegen. Wird das umgesetzt?
Zebenholzer:
Das hätten wir geplant gehabt. Wir sind da aber jetzt etwas auf die Bremse gestiegen, weil zurzeit die Förderkulisse im Hintergrund etwas unklar ist. Wir werden das Projekt erst im nächsten Jahr umsetzen. Die Tagesbetreuungseinrichtung im Vereinsheim wird deshalb um ein Jahr verlängert.

Landtagsabgeordneter Anton Kasser hat letzte Woche im NÖN-Interview festgehalten, dass es keine Intention von Landesseite mehr gebe, die Fachschule Unterleiten an den Standort Hohenlehen zu übersiedeln. Sind Sie erleichtert?
Zebenholzer:
Das ist sehr positiv. Wie es geheißen hat, die Fachschule Unterleiten werde zusperren, waren wir zunächst natürlich geschockt. Wir haben uns dann sehr für den Schulstandort starkgemacht. Wenn man sieht, was den Mädchen hier beigebracht und auf den Lebensweg mitgegeben wird, dann ist das so wesentlich, dass man das einfach erhalten sollte. In Grunde gehören die Fachschulen Unterleiten und Hohenlehen ja bereits zusammen. Ich hoffe aber, dass sie weiterhin individuell an den jetzigen Standorten weiterarbeiten können.

Wie sieht es bei der Schaffung neuer Betriebsgebiete aus? Hier wurden vor zwei Jahren potenzielle Flächen festgelegt.
Zebenholzer:
Wir würden gerne das Betriebsgebiet Steinhaufen vor Kleinhollenstein weiterentwickeln. Da beschäftigen wir uns mittlerweile sehr intensiv damit. Da soll es ein Kooperationsprojekt mit der Wirtschaftspark Ybbstal GmbH geben. Diese Woche haben wir da noch einen Termin mit dem Denkmalschutz, der über die Fläche drüberschauen möchte. Man vermutet, dass auf dem Grund mal ein altes Haus gestanden haben könnte. Wenn dem so ist, wird man aber auch hier Lösungen finden.

Gibt es schon Interessenten, die sich in diesem neuen Betriebsgebiet ansiedeln möchten?
Zebenholzer:
Ja, wir haben zwei Interessenten. Ein Hollensteiner Betrieb möchte sich hier erweitern, ein anderer möchte sich in der Gemeinde ansiedeln. Natürlich ist die Schaffung eines neuen Betriebsgebiets wegen der Bodenversiegelung ein heikles Thema, aber für so eine kleine Gemeinde wie Hollenstein ist es total wichtig, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Deshalb braucht es hier einen Spagat. Wir können in der Betriebsgebietentwicklung ja auch entsprechende Wünsche hinsichtlich der Ökologie äußern, wie das auch im neuen Gewerbepark Kreilhof in Waidhofen passiert ist.

Welche Projekte hat die Gemeinde in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit am Laufen?
Zebenholzer:
Mit dem Naturpark NÖ Eisenwurzen, dem Umweltdachverband und den Bundesforsten sind wir gerade dabei, Maßnahmen zu setzen, um unser Moor auf der Promau nachhaltig zu erhalten. Mit dem Umweltdachverband haben wir auch gerade Flächen für Wildbienen und Schmetterlinge angelegt, wo diese auch mit Schautafeln präsentiert werden sollen. Das Schlagwort hier ist einfach: Bewusstseinsbildung zu schaffen für unsere vorhandenen Naturschätze. Außerdem starten wir beim geplanten Kleinwasserkraftwerk Königsberg in die Umsetzungsphase. Gerade in Zeiten wie diesen ist das eine absolut sinnvolle Investition zur grünen Stromerzeugung.

Zuletzt waren die Bürger aufgefordert, sich mittels Fragebogen zur Gemeinde zu äußern und Vorschläge einzubringen. Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis und wie geht es nun weiter?
Zebenholzer:
Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. Wir haben 134 komplett ausgefüllte und 88 teilausgefüllte Fragebögen zurückbekommen. Am Samstag wurde die Auswertung der Bevölkerung präsentiert. Als nächsten Schritt werden wir nun aus den Ergebnissen Kernthemen herausarbeiten und Schwerpunkte festlegen, um ein Leitbild für die Gemeinde zu erstellen. Dabei stellt sich die Frage, was wir umsetzen können und mit welchen Projekten wir anfangen. Was mich als Bürgermeisterin sehr freut, ist, dass 70 Prozent mit der Entwicklung in der Gemeinde in den letzten fünf Jahren zufrieden sind und nur knapp 13 Prozent eher nicht. Ich freue mich schon auf viele gute Impulse, die wir setzen können.

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