Ybbstaler Experten: „Sprache des Hundes lernen“. Landesrat Waldhäusl plant verpflichtende Beratungen und Schulungen für alle Hundebesitzer. Hundeexperten aus dem Ybbstal begrüßen diese geplanten Maßnahmen.

Von Julia Zacher. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:03)
Ein unzertrennliches Team: Klangraum-Intendant Thomas Bieber mit Hündin Amy bei einer Donauausfahrt.
privat

Die geplanten Maßnahmen stoßen bei Hundeexperten der Region auf großen Zuspruch. „Es ist gut, wenn sich Leute mehr Gedanken machen, bevor sie sich einen Hund zulegen“, sagt Hundespezialistin Sabine Offenberger, Obfrau des Tierschutzvereins Ybbstal. Verpflichtende Beratungsgespräche vor dem Hundekauf erachtet sie daher als sinnvoll: „Man hat den Hund dann vielleicht 15 Jahre, in denen man sich um ihn kümmern muss. Da muss man im Vorfeld überlegen: Welche Hunderasse passt überhaupt zu mir? Was mache ich im Urlaub, oder wenn ich einmal krank bin?“

Ihr ist es wichtig, dass sich Menschen der Verantwortung bewusst sind, die man mit einem Tier übernimmt. „Viele werden sich durch solche Vorgaben wohl bevormundet fühlen, aber ein Beratungsgespräch ist ja keine Prüfung. Wenn man die Zeit dafür nicht aufwenden will, ist es vielleicht besser, sich doch keinen Hund zu nehmen.“ Auch einen Sachkundenachweis hält sie für eine gute Idee.

„Man hat ein Lebewesen, das von einem abhängig ist und für das man sorgen muss. Was ist Schlechtes daran, mehr Infos dazu zu bekommen? Für das Rad oder das Auto macht man ja auch einen Führerschein.“ Sorgen, dass aufgrund der neuen Regelungen vielleicht mehr Hunde in Tierheimen landen könnten, hat sie nicht. Vielmehr ist sie zuversichtlich, dass durch derartige Maßnahmen weniger unüberlegte Entscheidungen für einen Hund getroffen und dadurch weniger Tiere später wieder abgegeben werden.

„Das Hauptproblem sind wir. Man muss die Leute schulen, nicht die Hunde ändern.“„Tierflüsterer“ Heiko Steinmann

Auch Natascha Fahrnberger, die als diplomierte Tiertrainerin und tierschutzqualifizierte Hundetrainerin unter anderem im Mensch-Tier-Zentrum „Humani“ in Opponitz tätig ist, begrüßt die geplanten Maßnahmen. „Man kann durch ein Beratungsgespräch schon vor Anschaffung eines Hundes klären, ob die nötigen Voraussetzungen für die Haltung gegeben sind, worauf in der Erziehung geachtet werden soll und welche Rasse passend ist.“ Sie könne den Wunsch nach einem Hund gut verstehen, „allerdings muss man sich bewusst sein, was ein Hund braucht – was sind seine Bedürfnisse, wie kommuniziert und lernt er, was kommt finanziell auf einen zu und wer kümmert sich um ihn, wenn man krank ist, auf Urlaub fährt oder arbeiten muss?“

„Grundlage für ein angenehmes Leben“

Mehr Informationen im Vorfeld sieht Fahrnberger als Chance auf ein harmonisches Zusammenleben und ein besseres Miteinander – nicht nur mit dem eigenen Hund, sondern auch mit anderen Hundebesitzern und Hunden. „Meines Erachtens wird dadurch auch die Sicherheit erhöht. Gemeinsam mit einem Trainer kann ich mir die Hundesprache so gut es geht aneignen und so bereits bevor etwas passiert meinen Hund lesen, auf ihn eingehen und richtig reagieren.“ Sowohl das Beratungsgespräch als auch der Sachkundenachweis seien, so Fahrnberger, daher „eine gute Grundlage für ein angenehmes und schönes gemeinsames Leben – für Hund und Halter“.

Dass auch einige Hotelgäste von besserer Ausbildung „ihrer“ Menschen profitieren könnten, bestätigt Claudia Oberländer, die in Ybbsitz das Hundehotel „Anders!“ betreibt. „Viele Probleme in der Hundehaltung ließen sich vermeiden, wenn sich die Besitzer im Vorfeld genauer informieren würden.“ Auch sie befürwortet die Maßnahmen, weist aber darauf hin, dass auf eine sorgfältige Auswahl der Referenten etwa für Sachkundenachweise geachtet werden müsse. „Die Trainings müssen wirklich erfahrene Leute leiten. Auf Abrichteplätzen geht es oft nur darum, wie man den Hund am besten gefügig macht.“ Viel wichtiger sei es, dass Menschen die Sprache des Hundes und damit seine Bedürfnisse besser verstehen lernen.

Dazu kommt Heiko Steinmann aus Bad Hersfeld (D) zweimal im Jahr nach Ybbsitz und bietet im Hundehotel Seminare zum Umgang mit Hunden an. Der „Tierflüsterer“ setzt sich seit Längerem in Deutschland für Maßnahmen zur besseren Information und Ausbildung von Hundehaltern ein. „Ich finde es sehr fortschrittlich, dass man sich hier Gedanken darüber macht“, sagt Steinmann. „Das Problem ist, dass solche Maßnahmen in vielen Ländern versucht wurden, aber oft im Schnellschussverfahren, und dann nicht richtig funktioniert haben.“ Es sei daher notwendig, dass sich sachkundige Gremien mit der Entwicklung der Maßnahmen auseinandersetzen.

Er verweist auf das in den Niederlanden gut funktionierende Modell, das bereits bei den Züchtern ansetzt: „Diese sind dafür verantwortlich, Hunde nur nach einem Beratungsgespräch abzugeben, und keine Hunde an Menschen zu verkaufen, die nicht dafür geeignet sind.“

Wenn Hunde sich nicht richtig verhalten, liege das nicht an den Hunden: „Das Hauptproblem sind wir“, sagt Steinmann. „Den Leuten muss gesagt werden, wie sie sich dem Hund gegenüber vernünftig verhalten. Man muss die Leute schulen, nicht die Hunde ändern.“

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