Innenstadt. Geschäften. Ziel: Mehr Innenstadtbewohner.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 25. Februar 2014 (23:59)
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Keine Leerstände: Die Waidhofner Geschäftslokale sind alle gefüllt. Potenzial sieht man beim Wohnen, die Stadtbewohner sollen mehr werden.
Von Andreas Kössl

WAIDHOFEN / Freude herrschte vergangene Woche bei einem von der Stadt Waidhofen anberaumten Pressegespräch. Der Grund: Während die meisten Städte Niederösterreichs mit der Abwanderung von Geschäften aus dem Zentrum zu kämpfen haben, konnte man in der Stadt der Türme die Geschäftsflächen in der Innenstadt gegenüber dem Jahr 2006 erweitern. Das gelang außer in Waidhofen landesweit nur noch in Tulln und Korneuburg.

Belegt wird diese Entwicklung von einer Kaufkraftstromanalyse, welche das Marktforschungsinstitut CIMA im Auftrag der Wirtschaftskammer NÖ zwischen 2006 und 2013 durchgeführt hat. „Trotz Abwanderung ist die Kaufkraft massiv gestiegen“, freut sich Bürgermeister Wolfgang Mair.

Verkaufsfläche um 14 Prozent gestiegen

Noch im Jahr 2005 standen in der Waidhofner Innenstadt ein Viertel aller Innenstadtgeschäfte (rund 2.400 Quadratmeter) leer. Damals schrillten bei den Stadtverantwortlichen die Alarmglocken, nicht zuletzt, weil auch die Landesausstellung in der Stadt der Türme vor der Tür stand. Ein Miet- und Pachtzuschuss wurde eingeführt und gemeinsam mit dem Stadtmarketing und der Einsetzung eines Innenstadtkoordinators die Kräfte erfolgreich gebündelt.

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Im Jahr 2013 gab es im Zentrum nur mehr 500 m Leerflächen. Mittlerweile sind alle Geschäftslokale in der Waidhofner Innenstadt voll. Rund 30 neue Betriebe haben sich angesiedelt, 18 Betriebe wurden erweitert oder übersiedelten.

Die Verkaufsfläche ist um rund 14 Prozent gestiegen. Während zwischen 2006 und 2013 20 Millionen Euro an Kaufkraft verloren gingen, konnte man im selben Zeitraum 25 Millionen an Kaufkraft dazugewinnen. Das ergibt somit ein Plus von fünf Millionen an Kaufkraftzuwachs. „Wir konnten einen negativen Kaufkraftsaldo ins Positive umdrehen. Das ist neben Waidhofen nur noch Melk gelungen“, erläutert Mair.

Verschönerungsmaßnahmen der Innenstadt wesentlicher Faktor 

Dieser Erfolg habe viele Väter, so der Bürgermeister weiter. „Das ginge nicht, wenn die Geschäftsleute nicht so agieren würden, dass die Leute gerne in die Stadt zum Einkaufen kommen.“ Auch die im Zuge der Vorbereitung auf die Landesausstellung durchgeführten Verschönerungsmaßnahmen der Innenstadt seien dabei ein wesentlicher Faktor gewesen. Mair verweist auf die Renovierung der Alten Post und des André-Hauses durch die Familie Forster sowie auf das Ärztezentrum im ehemaligen Museumsgebäude. Dieses sei ein wichtiger Frequenzbringer für die Innenstadt geworden – ebenso wie der Waidhofner Wochenmarkt. Auch Einkaufsnächte und diverse Aktionen des Stadtmarketings würden zum großen Erfolg beitragen.

Ein weiterer Grund für den Erfolg sei, dass man Einkaufszentren auf der grünen Wiese stets eine Absage erteilt habe, führt Mair weiter aus. „Stattdessen haben wir auf die Stärken der Innenstadt gesetzt. Hier hat man kurze Wege und attraktive Geschäfte“, so der Stadtchef. Auch das neue Parkraumsystem habe zur Steigerung der Kaufkraft beigetragen. Indem Parkplätze in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt geschaffen wurden, habe man die Wege dorthin kurz halten können. „Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Behörden funktioniert gut“, stößt Wirtschaftsstadtrat Kurt Hraby ins selbe Horn. Eine „qualitative Befüllung“ der Verkaufsflächen sei gelungen. „Es ist uns gelungen, uns gegen die Konkurrenz auf der grünen Wiese und den E-Commerce durchzusetzen“, freut sich auch Stadtmarketing-Obmann Fritz Hölblinger. „Die Innenstadt ist das Herz von Waidhofen, sie gilt es zu fördern“, ist Hölblinger überzeugt und Innenstadtkoordinator Johann Stixenberger ergänzt: „Waidhofen hat ein vernünftiges Maß an Verkaufsflächen, so findet kein Verdrängungswettbewerb statt.“

Ziel: 1.000 Bewohner in Innenstadt 2020

Ambitioniert sind die Ziele, was das Wohnen in der Innenstadt betrifft. Hier strebt man eine Steigerung der derzeit 550 Stadtbewohner auf 1.000 im Jahr 2020 an. „Was das Wohnen in der Innenstadt betrifft, so haben wir großes Potenzial“, sagt Stixenberger. „Es muss uns aber noch gelingen, dieses Bewusstsein bei den Besitzern von Stadthäusern zu wecken. Es ist wichtig, dass die Hausbesitzer an Waidhofen glauben und mietfähige Bausubstanz schaffen.“ Allein im letzten Jahr seien zehn Stadthäuser hergerichtet worden. Vonseiten der Stadt gibt es Unterstützung für die Hausbesitzer. Über das Waidhofner Planungsbüro w30 gibt es die Möglichkeit eines kostenlosen Erstgesprächs über Planungsmöglichkeiten von Innenstadthäusern.

Auch ein sogenannter „City Check“ wurde im Zuge CIMA-Studie durchgeführt. Dabei wurden Faktoren wie Stadtbild, Gesamteindruck, Sauberkeit, Angebotsmix sowie Informations-Leitsystem für Pkw und Fußgänger von Kunden beurteilt. Waidhofen konnte dabei die beste Note im Mostviertel erzielen.


Zahlen & Fakten

  • Kaufkraft-Volumen: 56,8 Mio.
  • Eigenbindungsquote: 66 %
  • 23 % Abfluss nach Amstetten
  • Zunahmen im Bereich E-Commerce
  • Kaufkraftzufluss: 24,9 Mio. 
  • 111 Einzelhandelsbetriebe
  • Gesamtverkaufsfläche: 15.500 m2
  • Flächenentwicklung +14%;
  • 45% der Verkaufsflächen in Innenstadt (7.000 m2)