Pläne spalten die Geister in Waidhofen/Ybbs. FUFU will neben Bäumen auchbberuhigte Zonen für mehr Aufenthaltsqualität.

Von Christian Eplinger und Leo Lugmayr. Erstellt am 08. April 2021 (04:09)

Die künftige Gestaltung der Waidhofner Innenstadt sorgt weiter für Gesprächsstoff. Nachdem zuletzt die SPÖ mit ihren Plänen für eine Begegnungszone im gesamten Innenstadtbereich vorgeprescht war, zog nun die Liste FUFU nach. Sie will die Stadt als „Aufenthaltsraum für Menschen und nicht als Lagerplatz für Autos“ entwickeln.

Neben der auch von allen Parteien angedachten verstärkten Begrünung der Innenstadt wünscht sich Martin Dowalil vor allem mehr verkehrsberuhigte Zonen, um den zur Verfügung stehenden Raum „fair“ zu verteilen. „Es ist nicht primär die bessere Erreichbarkeit, die Kaufkraft bringt, sondern ein Maßnahmenpaket bestehend aus Aufenthaltsqualität, Sitzgelegenheiten, Begrünung zur Reduzierung von Hitzeinseln, Barrierefreiheit, Witterungsschutz und Autofreiheit“, sagt Dowalil.

Vor allem der Obere Stadtplatz hat es der Liste FUFU angetan. „Hier gibt es bereits reichlich Gastronomie, den Wochenmarkt, Landeskindergarten sowie ein medizinisches Versorgungsangebot – allesamt Dienstleister, die von einer Begegnungszone profitieren würden“, ist Dowalil überzeugt. Dass für den von ihm geplanten Grün- und Mehrzweckstreifen 25 von den zur Verfügung stehenden 70 Autoparkplätzen weichen müssten, sieht er als geringes Problem.

„Das Parkdeck Pfarrgarten und das Parkhaus Schlosscenter sind in unmittelbarer Nähe und hätten auch in Spitzenzeiten genügend Kapazitäten“, erklärt Dowalil und erneuert gleichzeitig seine Forderung auf eine Anhebung der Parkgebühr in der gesamten Innenstadt von 50 Cent auf 1 Euro pro Stunde.
„Parkplätze zu verlieren, wäre aktuell fatal“

Auf allzu viel Gegenliebe bei der regierenden Waidhofner Volkspartei stößt Dowalil mit seinen Plänen allerdings nicht. Fritz Hintsteiner, WVP-Stadtrat und Obmann des Ausschusses für Umwelt, Nachhaltigkeit und Wohnen, kann zwar der Begrünung der Innenstadt auch etwas abgewinnen, differenziert aber: „Wir arbeiten seit geraumer Zeit an einem Konzept, die Verbindungsachse zwischen Unterem und Oberem Stadtplatz, den Freisingerberg, mit Bäumen zu begrünen“, sagt Hintsteiner.

Dabei sollen drei bis fünf Bäume gepflanzt werden, wobei der Vorplatz zum Harreither-Haus sich für eine ausladende Baumkrone gut eignet. „Wir werden aber im Sinne der Innenstadtgeschäfte darauf achten, dass keine Parkplätze verloren gehen. Das wäre gerade in der aktuellen Corona-Zeit, wo die Geschäfte unter Druck stehen, fatal.“

Ein gutes Parkplatzangebot gehört für eine wettbewerbsfähige Innenstadt dazu, empfindet auch Margit L. Watzinger, stellvertretende Stadtmarketing-Obfrau. Sie kenne zwar die Pläne von Martin Dowalil nicht im Detail, plädiere aber dafür, das Beneder-Projekt zu verfolgen und nicht verschiedenste Pläne parallel aufzuwerfen. „Wir haben eine lebendige Innenstadt, in der das Zusammenspiel zwischen Wirtschaft, Konsumenten und Stadtpolitik auch in puncto Parkplätzen, Parkgebühren und Schanigärten eigentlich gut funktioniert. Die Stadt ist nicht nur Bühne, sondern auch Wohn- und Wirtschaftsraum“, sagt Margit Watzinger.

Auch für Bürgermeister Werner Krammer (WVP) hat der Obere Stadtplatz aktuell nicht die Priorität Nummer eins. Vor allem will er keine Schnellschüsse. „Ein Stadtzentrum lebendig zu halten, bedeutet, viele Aspekte zu berücksichtigen. Das ist ein sensibles System mit vielen Akteuren, das in einer sorgfältigen Balance gehalten werden muss“, sagt Krammer, der mit genau diesen Akteuren jede Idee und jeden Schritt diskutieren will. Dazu habe man auch mit Ernst Beneder einen „äußerst kompetenten Stadtplaner“, mit dem die Stadt seit Jahren die Innenstadt ständig weiterentwickle.

„Gemeinsam mit ihm und dem Stadtmarketing haben wir hier daher auch die nächsten Schritte zur Steigerung der Aufenthaltsqualität festgelegt“, erklärt der Stadtchef. Am Oberen Stadtplatz ist im aktuellen Stadtprojekt von Beneder die Schaffung eines Brunnens vorgeschlagen. Das brauche aber noch detaillierte Planungen. „Die Prioritäten der Stadt liegen derzeit auf anderen Bereichen, darauf sollten wir uns jetzt konzentrieren“, sagt Bürgermeister Krammer.