„Beziehungen auf Augenhöhe gestalten“. Im Jahr 2015 mussten Nisren Hiswani und ihre Familie vor dem Krieg in Syrien flüchten. In Waidhofen fand man ein Zuhause.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 18. August 2018 (05:00)
Nisren Hiswani kam 2015 mit ihrem Mann Rakan und ihren Söhnen Mosab und Duaam (vorne, v.l.) nach Österreich.
Pfarre

„Ich werde es den Menschen in Österreich nie vergessen, was sie uns Gutes getan haben“, sagt Nisren Hiswani. Sie ist 2015 mit ihrem Mann Rakan und ihren Söhnen Mosab (damals sieben Jahre) und Duaam (damals neun Jahre) aus Homs geflüchtet.

„Die Entscheidung, aus Syrien wegzugehen, fiel uns nicht leicht. Ich habe als Arabisch-Lehrerin gearbeitet und Rakan hatte eine gute Anstellung in einer Ölfirma“, erzählt Nisren Hiswani. „Als aber die Bomben und Raketen immer mehr wurden, war die Angst um unser Leben zu groß und wir entschieden uns schweren Herzens, Syrien zu verlassen.“

Mittlerweile konnte sich die Familie, dank der Hilfe von Roswitha Bramauer und vielen weiteren Ehrenamtlichen, in Waidhofen gut einleben. „Wir hatten das Glück, Österreicher kennenzulernen, die uns am Anfang sehr unterstützt haben“, freut sich Nisren Hiswani. Rakan hat eine Anstellung bei der Firma FUSO bekommen und engagiert sich bei der Feuerwehr Zell. Nisren selbst hat Deutschkurse bis zum Niveau B2 gemacht.

„Ich achte die österreichischen Traditionen und freue mich, wenn auch ich mit den Bräuchen meiner Kultur respektiert werde.“Nisren Hiswani

Auch Roswitha Bramauer ist erfreut, dass sich die Familie so gut einleben konnte. „Als im Jahr 2015 so viele Geflüchtete zu den Deutschkursen in der Pfarre gekommen sind und kaum ein Wort Deutsch konnten, dachte ich, es würde sehr lange dauern, bis die Menschen wirklich selbst ihr Leben hier gestalten können“, sagt Bramauer. „Und jetzt haben schon viele eine Arbeit gefunden und können sich gut verständigen.“

In ihrer Anfangszeit wurde die syrische Familie tatkräftig von Roswitha Bramauer unterstützt.
Pfarre

Nisren hingegen ist derzeit noch auf Arbeitssuche. „Das ist sehr schwierig für mich, da ich keinen Führerschein habe. Außerdem glaube ich, dass es manche Leute nicht so gerne sehen, dass ich ein Kopftuch trage“, sagt sie. Für sie ist das Kopftuch aber ein wichtiger Bestandteil der muslimischen Kultur. „Ich würde mir wünschen, dass wir uns da gegenseitig respektieren. Ich achte auch die Traditionen und Bräuche, die es in Österreich gibt.“

Diskussionsrunde am 1. September

„Ich kenne viele, die sich freuen würden, wenn Österreicher positiv auf sie zukommen würden“, sagt Roswitha Bramauer. „Aus den Beziehungen, wo einer die Rolle des Helfenden und der andere die des Hilfesuchenden hat, sollen langsam Beziehungen auf Augenhöhe wachsen.“

Um derartige Beziehungen zu schaffen, laden Bramauer, Barbara Modre und Sissi Weichselbaum am 1. September, 14 Uhr, ins Jugendzentrum Bagger ein. „Wir besprechen, wie sich die gegenseitige Verständigung noch verbessern kann, wie man gemeinsam die Freizeit gestalten kann und welche Visionen und Pläne wir für die Zukunft teilen“, sagt Bramauer.