Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 09. November 2018, 04:00

von Lisa Hofbauer

Warten auf Asylbescheid: „Verstehe die Behörden nicht“. Seit fünfeinhalb Jahren wartet die Familie Babayan auf einen positiven Asylbescheid und das Recht, arbeiten zu dürfen.

Auch bei Events wie dem kulinarischen Nachmittag des Vereins Mit-Menschen helfen Kristina (l.) und Dzhamila Babayan (Mitte) – am Bild mit Rosa Mstoyan, Gjavit Shabanaj und Ulli Schauer (v.l.) – stets tatkräftig mit.  |  Roswitha Bramauer

„Ich verstehe die Behörden in Österreich nicht“, sagt Saido Babayan. Der Ukrainer ist im Jahr 2013 mit seiner Frau, seinen Eltern sowie seiner Schwester und deren Familie nach Österreich geflohen, weil sie in der Ukraine Probleme mit dem dortigen Geheimdienst hatten. Nach über fünf Jahren muss die Familie jedoch nach wie vor auf einen positiven Asylbescheid warten.

Saido Babayans Eltern haben bislang noch gar keinen, seine Schwester bereits einen negativen Bescheid bekommen. Saido selbst erhielt vor Kurzem seinen zweiten negativen Bescheid und hat nun das humanitäre Bleiberecht beantragt. „Ich hoffe wirklich, dass die Behörden sehen, dass ich hier gut integriert bin, und ich deshalb doch noch eine Aufenthaltsgenehmigung bekomme“, sagt Saido Babayan.

Eine Ablehnung des humanitären Bleiberechts würde für ihn, seine Frau Kristina und ihre beiden Kinder bedeuten, dass sie zurück in die Ukraine müssen – und das obwohl sie hier in den letzten fünfeinhalb Jahren bereits ein Leben aufgebaut, viele Freunde gefunden, gut Deutsch gelernt und auch schon eine Arbeitsbewilligung haben. Auch beide Kinder des Ehepaars wurden bereits in Österreich geboren.

„War immer froh, wenn ich etwas zu tun hatte“

Auch Saidos Schwester, Dzhamila Babayan, und ihr Mann Rustam Khudoyan müssen noch auf einen positiven Asylbescheid warten. „Am schlimmsten ist es für mich, untätig herumsitzen zu müssen und nichts arbeiten zu dürfen“, sagt Rustam Khudoyan. Momentan erledigt er einige Arbeiten für die Gemeinde, bei der Asylwerber geringfügig für vier Euro pro Stunde beschäftigt werden können. „Auch mit dem Dienstleistungsscheck können wir Asylwerber stundenweise arbeiten, aber wie finde ich jemanden, der mir da Arbeit gibt? Ich wäre schon sehr froh, wenn ich eine Arbeitsbewilligung hätte“, meint Rustam. „Deshalb war ich auch immer dankbar, wenn Ulli mich gefragt hat, ob ich irgendwo helfen kann, weil ich dann etwas zu tun hatte.“

Und auch Ulli Schauer vom Verein Mit-Menschen war „immer froh, auf die Hilfe von Familie Babayan zählen zu können.“ Sie hat gemeinsam mit einem engagierten Team vor einigen Jahren das Sachspendenzentrum in Raifberg, bei dem Bedürftige kostenlos Dinge für den täglichen Gebrauch finden konnten, aufgebaut.

Tatkräftige Mithilfe im Spendenzentrum

„Damals habe ich auch die Familie Babayan kennengelernt und bald haben Dzhamila, Rustam und Saido tatkräftig bei den Transporten und weiteren Tätigkeiten mitgeholfen“, berichtet Schauer. „Bis zur Schließung des Spendenzentrums haben die drei jede Woche circa zehn Arbeitsstunden investiert und damit vielen anderen Flüchtlingen und Waidhofnern geholfen“, sagt sie. Da Schauer derzeit in Karenz ist, übernahm Dzhamila heuer die komplette Verantwortung für das Spendenlager in Waidhofen.

Doch nicht nur im Spendenzentrum half Dzhamila tatkräftig mit, sie begleitete auch viele Flüchtlinge zum Arzt oder zu Behörden, um dort zu übersetzen. „Nur für meinen Mann habe ich nie übersetzt, damit er selber die Sprache lernt – und jetzt spricht auch er schon gut Deutsch“, lacht sie. „Glücklicherweise fällt mir das Lernen einer neuen Sprache leicht. Ich bin mit vier verschiedenen Sprachen aufgewachsen. Meine Muttersprache ist jesidisch. In der Ukraine habe ich Ukrainisch, Russisch und später auch Armenisch gelernt.“ Und mittlerweile spricht Dzhamila auch fließend Deutsch.

Seit fünf Jahren muss die Familie Babayan – am Bild Saido, Kristina und Dzhamila Babayan und Rustam Khudoyan (v.l.) – bereits auf einen positiven Asylbescheid warten.  |  Roswitha Bramauer

Was bleibt, ist also einmal mehr das bange Warten auf einen positiven Asylbescheid und die damit einhergehende Unsicherheit, ob die Familie das Leben, das sie hier bereits aufbauen konnte, behalten darf. Auch Ulli Schauer hofft, dass die Familie Babayan bald positive Nachrichten von der Asylbehörde bekommt. „Ich habe die Familie als zuverlässige, kommunikative, anpackende und ehrliche Leute kennengelernt, die ich auch persönlich sehr schätze“, sagt Ulli Schauer. „Deswegen bedaure ich ihre unsichere Lage sehr und wünsche mir, dass die ganze Familie einen positiven Asylstatus erhält.“