Kematens Bürgermeisterin: „Firmen-Absiedlung wäre großer Verlust“

Erstellt am 24. Juni 2022 | 05:15
Lesezeit: 8 Min
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Bürgermeisterin Juliana Günther (ÖVP) möchte alles, was möglich ist, tun, damit die Firma IFE in Kematen bleibt. Einer Umwidmung der Wopfinger-Schottergrube auf Grünland steht sie skeptisch gegenüber.
Foto: Kössl
Kematens Bürgermeisterin Juliana Günther (ÖVP) über die Firma IFE, das Aus für den Upcycling-Park und Vandalismus.
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NÖN: Die Corona-Pandemie hat die letzten zweieinhalb Jahre bestimmt. Wie ist die Lage derzeit in Kematen?

Bürgermeisterin Juliana Günther: Wir sind wieder zur Normalität zurückgekehrt, auch was die Kultur-Veranstaltungen betrifft. Die letzten zweieinhalb Jahre waren für alle anstrengend – besonders natürlich für das Krankenhaus-Personal, aber auch für die Jugendlichen, die regelrecht eingesperrt waren und zu keiner Veranstaltung gehen konnten. Ich hoffe sehr, dass die Pandemie im Herbst nicht mehr zurückkommt. Und wenn etwas kommt, dann hoffe ich, dass der Verlauf mild ist.

Das zweite große globale Thema, das auch die Region beschäftigt, ist der Ukraine-Krieg. Sind in Kematen Menschen aus der Ukraine untergebracht?

Günther: Wir haben zwei Familien mit Kindern in privaten Quartieren untergebracht. Für diese Familien ist das natürlich schlimm. Die Väter sind eingerückt, die Familien zerrissen, so wie wir das von Erzählungen aus dem zweiten Weltkrieg von unseren Vorfahren mitbekommen haben. Nun geschieht das hautnah in unmittelbarer Nähe. Dieser Krieg ist so nahe an uns dran, dass man Nachbarschaftshilfe leisten muss. Menschen, die flüchten, müssen aufgenommen werden. Wenn jemand noch eine Unterkunft zur Verfügung hat, soll er sich bitte bei der Gemeinde melden. Wir haben auch eine Gemeindewohnung, die man noch füllen könnte.

Ein großes Gemeindeprojekt, das derzeit am Laufen ist, ist der Bau eines neuen Wasserhochbehälters am Kreuzstöcklberg. Wie weit ist man da?

Günther: Der Bau geht zügig voran. Bis Herbst wollen wir fertig sein. Dieser Hochbehälter fasst zwei Mal 700 Kubikmeter Wasser. Die Gemeinde wird ja mit Waidhofner Wasser versorgt. Wenn wir jetzt einen Wasserrohrbruch haben, so haben wir nur Reserven für einen halben Tag. Nach Abschluss dieses Projekts sind wir auf der sicheren Seite. Das ist ein zwei Millionen-Euro-Projekt und eine wichtige Investition in die Zukunft unserer Infrastruktur.

Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Breitbandversorgung. Wie ist da der Stand?

Günther: Da sind wir gerade dabei, bei den letzten Häusern die Anschlüsse herzustellen. Bis auf zwei kleine Stränge haben wir in Kematen nun eine flächendeckende Glasfaserversorgung. Da sind wir sicher eine der ersten Gemeinden in ganz Niederösterreich. Die offenen zwei Stränge werden im Herbst erledigt.

Welche Wohnprojekte sind derzeit am Laufen?

Günther: Derzeit wird viel gebaut in Kematen. Hinter der Gemeinde entsteht eine neue Siedlung und auch im Heidebereich wird heftig gebaut. Hinter dem Unimarkt baut die Firma Pöchhacker gerade einen weiteren Wohnbau. Nächstes Jahr soll ein weiterer Wohnbau errichtet werden. Kematen hat eine hohe Wohnqualität. Wir liegen zwar an der Bundesstraße, aber gleich daneben haben wir den Heidewald, den Schneerosenweg und das Naturbad.

Wie schaut es mit der Nahversorgung im Ort aus?

Günther: Da sind wir sehr gut ausgestattet. Die Gemeinde hat ja das Schanzerhaus und das Dannerhaus im Ortszentrum übernommen. Da wollen wir im unteren Bereich Geschäftsräumlichkeiten realisieren und oben überlegen wir ein Ärztezentrum mit Fachärzten und Therapeuten. Großen Bedarf gäbe es an einem Hautarzt.

Ein großes Thema ist auch in Kematen der Ausbau der Radwege. Die touristische Radverbindung von Amstetten nach Waidhofen soll künftig ja durch Kematen gehen. Wie weit ist man da?

Günther: Da der Ybbstalradweg künftig auf Kematner Seite geführt und hier eine Anbindung an den Mostviertel-Radweg geschaffen werden soll, brauchen wir eine neue Radbrücke über die Ybbs. Auf unserer historischen Brücke ist ein Zubau nicht möglich. Eine Bundesförderung für dieses Projekt haben wir bereits. Derzeit sind wir mit den zuständigen Stellen am Land NÖ in Verbindung, um auch hier eine Förderung für dieses Projekt zu bekommen. Parallel dazu laufen die Planungsarbeiten. Die Arbeiten sollen noch heuer beginnen, 2023 soll die Brücke dann stehen. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, dass wir vor allem die Jugend aufs Rad befördern. Wir haben ja den Bahnhof in Hilm auf der anderen Seite der Ybbs, da macht es Sinn, diesen mittels Radweg an Kematen anzuschließen.

Daneben ist auch eine Schnellverbindung für den Alltagsradverkehr angedacht. Wie weit ist dieses Projekt?

Günther: Hier muss die Route noch festgelegt werden. Dieser Radweg braucht ja eine entsprechende Breite. Das ist freilich eine große Herausforderung. Aber Herausforderungen machen mich stärker. Ich werde dafür kämpfen, dass wir diesen Radweg und die Radbrücke bekommen. Für unsere Umwelt ist das ganz wichtig.

Die Firma IFE spielt mit dem Gedanken, aus Kematen abzusiedeln. Wie schwer würde das die Gemeinde treffen?

Günther: Für die Gemeinde wäre das ein sehr großer Verlust, nicht zuletzt, was die Kommunalsteuereinnahmen angeht. Die IFE ist ja einer der größten Betriebe in der Gemeinde. Momentan sind da ca. 380 Mitarbeiter beschäftigt. Wir werden jedenfalls alles, was möglich ist, tun, damit die IFE in Kematen bleibt. Erweiterungsmöglichkeiten hätten wir und auch die Verkehrsanbindung ist gut.

Letztes Jahr gab es heftige Diskussionen um den geplanten Upcycling-Park in der Wopfinger-Schottergrube in der Forstheide. Aufgrund der Widerstände wurde das Projekt am Standort wieder verworfen. Gibt es neue Pläne des Unternehmens, was auf dem Areal passiert?

Günther: Das Areal steht nach wie vor frei. Das angesprochene Projekt wäre zu nahe an der Wohnsiedlung gewesen. Die Anrainer dort sind durch die Schottergrube schon sehr wegen Lärm und Staub verunsichert, dieses Projekt wäre eine zusätzliche Belastung gewesen. Als Gemeinde haben wir den Auftrag, auf die Bewohner zu schauen und diese einzubinden.

Von Anrainerseite und der SPÖ kam danach die Forderung, das Areal wieder in Grünland rückzuwidmen und zu renaturieren. Ist das ein Thema?

Günther: Diese Fläche ist schon seit Jahrzehnten ein Betriebsgebiet. Schon damals, als die Gemeinde noch unter SPÖ-Führung war. Ein Betriebsareal rückzuwidmen wäre für die Gemeinde nicht ideal. Ich bin eher dafür, dass sich hier Betriebe ansiedeln, die keinen Lärm oder Staub erzeugen, und dass man Grünflächen einbaut bzw. Dächer grün gestaltet. Was die Meinung der Opposition und der Anrainer betrifft, so haben wir hier in Kematen eine gute Zusammenarbeit. Ich glaube, wir können uns alles ausreden und auf dieser Basis will ich auch weiterarbeiten.

Ist die geplante Hundefreilaufzone bereits abgeschlossen?

Günther: Die Hundefreilaufzone ist bereits fertig und soll im Juli in Betrieb gehen. Auch der Fitnessparcours beim Sportplatz wird heuer im Sommer fertiggestellt und die Skateranlage wurde bereits erneuert. Da wurde viel umgesetzt, das die Gemeinde lebenswerter macht.

Eine Zeit lang gab es in Kematen Probleme mit Vandalismus. Hat sich das mittlerweile wieder gelegt?

Günther: Leider kommt das noch immer vor. Erst unlängst wurden im Naturbad der Spülkasten runter gerissen und Bänke umgestellt. Diese Jugendlichen denken nicht nach, wenn sie etwas ruinieren, aber das kostet alles viel Geld. In Kematen versuchen wir mit den Jugendlichen zu reden und zu diskutieren, aber einen gewissen Personenkreis haben wir nicht erreicht.

Wie weit sind die Gespräche mit den Grundbesitzern für die geplante Umfahrung Richtung Biberbach bei der Firma Mondi.

Günther: Diese Gespräche sind noch zu führen. Das ist jetzt ein wenig in den Hintergrund gerückt, weil uns der Hochbehälter dazwischengekommen ist. Wenn der fertig ist, werden wir die Verhandlungen wieder aufnehmen. Da geht es ja auch um die Straße Richtung Kreuzstöcklberg, die recht kaputt ist. Und auch der Kanal und der Gehsteig müssen zum Teil erneuert werden.

Ein großes Zukunftsprojekt ist der Umbau des Gemeindeamtes. Wann soll das in Angriff genommen werden?

Günther: Das Gemeindeamt soll barrierefrei gestaltet werden. Die Planungen laufen. Ich hoffe, dass sie nächstes Jahr abgeschlossen sind.

Welche Projekte sind derzeit noch am Laufen?

Günther: Als Präventivmaßnahme für den Fall eines Blackouts in der Gemeinde wurde kürzlich im Gemeindevorstand die technische Umrüstung sämtlicher Kanal-Pumpwerke beschlossen, damit der Kanalbetrieb durch externe Stromeinspeisung aufrechterhalten bleibt. Außerdem wird die B 121 zwischen der Kematner Brücke und dem Kreisverkehr nach Allhartsberg von Mitte Juli bis Mitte August saniert. Während der Asphaltierungsarbeiten wird die Straße in der Nacht und am Wochenende gesperrt sein. Der Verkehr wird dann über Allhartsberg umgeleitet. Ja, in der Gemeinde Kematen geschieht immer viel. Wir haben immer große Ziele, bei uns geht es nur vorwärts. Und wir gehen auf die Probleme der Bürger ein.

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