Ahnenforschung: Familienchronik umfasst 1.000 Seiten. Die größte Leidenschaft des Kematners Josef Tatzberger ist die Ahnenforschung.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 23. November 2019 (03:45)
Seit 19 Jahren erstellt Josef Tatzberger Familienchroniken. Mehr als 12.000 Seiten hat er bereits zusammengetragen. „Es ist meine größte Leidenschaft! Denn ich habe festgestellt, wer forscht, erweitert seinen Horizont“, sagt er.
Doris Schleider-Höderl

Begonnen hat alles damit, dass Josef Tatzberger vor 19 Jahren mit seinem Bruder im Elternhaus zusammensaß. „In diesem Gespräch ging es um die Firmpatin meines Bruders. Wir wussten beide nicht mehr so genau, woher ihr Vater abstammte“, berichtet Josef Tatzberger. „Daher versprach ich meinem Bruder, der Sache nachzugehen und zu recherchieren. Das hat mich so fasziniert, dass ich mich dazu entschloss, meinen gesamten Vorfahren väterlicher- und mütterlicherseits nachzuspüren.“

Allein an der Chronik der Familie Tatzberger, die mehr als 1.000 Seiten umfasst, arbeitete der seit 2004 pensionierte Elektriker (73) ganze drei Jahre. „Aber es hat sich gelohnt! Es war allerdings gar nicht so einfach, aber mit Hartnäckigkeit und Akribie habe ich es geschafft, an alle erforderlichen Daten zu kommen“, erzählt er stolz.

„Ich bin kilometerweit in die Pfarreien gefahren, um mir diese anhand der Matriken ausheben zu lassen. Dank des Internets ist es heute erheblich leichter, fündig zu werden, weil sehr viel bereits online verfügbar ist.“

Ahnenforschung für Freunde und Bekannte

Natürlich sprach sich die neue Leidenschaft des Kematners bald herum und Freunde sowie Bekannte traten an ihn heran, ob er nicht auch für sie Chroniken verfassen könnte. „Freilich hat mich da der Ehrgeiz gepackt. Vor allem ist es hoch interessant, was da alles zutage kommt, wenn man nachforscht“, sagt der Ahnenforscher.

„Bei meiner eigenen Familienchronik kam ich darauf, dass mein Großvater neun Geschwister hatte. Das hat er mir nie erzählt. Aber ich habe über alle neun etwas gefunden! Väterlicherseits stammen wir von Randegg ab. Ich habe dann Aufzeichnungen, zurückgehend bis 1606, ausfindig gemacht. In Randegg gibt es auch eine Erhebung namens Tatzberg, davon leitet sich mein Familienname ab. Ohne Nachforschungen hätte ich das nie erfahren. Forschen heißt, seinen Horizont zu erweitern.“

„Bei meiner eigenen Familienchronik kam ich darauf, dass mein Großvater neun Geschwister hatte. Das hat er mir nie erzählt.“Josef Tatzberger

Rund ein halbes Jahr arbeitet Tatzberger im Schnitt an der Erstellung einer Familienchronik, die bis zu mehr als 600 Seiten umfassen kann. Ausgehend von jedem einzelnen Familienmitglied wird die Chronik aufgebaut. Neben Daten gibt es auch viele Fotos und Dokumente, die ein anschauliches Bild abgeben. „Ich gestalte alles selbst und am Ende gibt es dann die Chronik in gebundener oder digitaler Form auf CD. Mittlerweile habe ich an die 12.000 Seiten an Material auf meinem PC gespeichert und jederzeit abrufbar.“

Für ihn sei diese Tätigkeit mehr als bereichernd. Bereits als kleiner Bub galt Tatzberger als wissbegierig. „Ich habe erst eine Ruhe gegeben, wenn ich eine Antwort erhalten habe“, berichtet er lachend. „Diese Hartnäckigkeit ist mir bis heute geblieben.“

Sie scheint für das Erstellen von Chroniken, die sich mitunter nicht so einfach gestalten lassen, gut zu sein. Gerade eben hat Josef Tatzberger wieder eine Chronik zum Binden zur Lebenshilfe Aschbach gebracht. „Ich denke, es wird nicht allzu lange dauern, bis ich wieder auf Recherche gehe.“