Großauftrag für die Berliner U-Bahn. Knorr-Bremse-Tochter IFE rüstet neue U-Bahn-Fahrzeuge für Berliner Verkehrsbetriebe aus. Service- und Wartungsvertrag läuft über 32 Jahre.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 07. April 2021 (04:30)
Knorr-Bremse sichert sich einen Großauftrag über die Ausstattung von bis zu 1.500 neuen U-Bahn-Wagen für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).
BVG, BVG

Der deutsche Knorr-Bremse-Konzern, Weltmarktführer für Bremssysteme sowie weitere Systeme für Schienen- und Nutzfahrzeuge, hat den Zuschlag für seinen bisher größten Multi-System-Auftrag in seiner Zusammenarbeit mit Stadler erhalten.

Das Unternehmen wird für den Schweizer Schienenfahrzeughersteller 606 neue U-Bahn-Wagen für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit Brems-, Einstiegs- und Klimasystemen ausstatten. Bei Einstiegs- und Klimasystemen gelingt Knorr-Bremse damit der Ersteinstieg in das Metro-Segment von Stadler Deutschland. Die Lieferungen für den Basisauftrag sollen im vierten Quartal 2021 starten und Ende 2026 abgeschlossen sein.

Im Rahmen dieses Multi-System-Auftrags wird die Knorr-Bremse-Tochter IFE aus Kematen an der Ybbs Einstiegssysteme an Stadler Deutschland liefern und über 32 Jahre für die Ersatzteilversorgung sowie digitale Wartungsservices verantwortlich sein.

„Der Auftrag ist der bisher größte und langfristigste in unserem Unternehmen.“ Jürgen Wilder, Vorstandsmitglied der Knorr-Bremse AG

Der Rahmenvertrag der BVG beinhaltet weitere Optionsabrufe, sodass sich das Gesamtausrüstungsvolumen auf bis zu 1.500 Wagen belaufen kann. Der Auftragswert für den Knorr-Bremse-Konzern liegt für Erstausrüstung und Service im unteren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

„Der Auftrag ist mit seinem Volumen und seiner Relevanz ein Riesenerfolg für unser Unternehmen und der bisher größte und langfristigste Auftrag für Knorr-Bremse von Stadler“, kommentiert Jürgen Wilder, Mitglied des Vorstands der Knorr-Bremse AG und verantwortlich für die Division Systeme für Schienenfahrzeuge. „Aufbauend auf der langjährigen Zusammenarbeit zwischen der BVG, Stadler und Knorr-Bremse freuen wir uns, diese wegweisende Investition in die neue Generation der Berliner U-Bahn Wirklichkeit werden zu lassen“, sagt Wilder.

Die Ausstattung der Fahrzeuge aus dem Metro-Segment von Stadler bedeutet für Knorr-Bremse in mehrfacher Hinsicht eine Behauptung und Stärkung seiner Marktposition im europäischen Wettbewerbsumfeld.

IFE wird erstmalig mit Einstiegssystemen in U-Bahnen von Stadler Deutschland vertreten sein. „Für unsere Konzernmarke IFE, Weltmarktführer für Einstiegssysteme für Schienenfahrzeuge, ist dies einer der größten Aufträge ihrer Unternehmensgeschichte. Mit unserer Technologie bieten wir dem Betreiber ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit, Komfort und Sicherheit über den gesamten Produktlebenszyklus“, erläutert Peter Radina, Mitglied der Geschäftsführung der Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH.

Konkret werden für die neuen Fahrzeuge weiterentwickelte Einstiegssysteme des Typs RLS von IFE eingesetzt, die sich bei der U-Bahn-Flotte der BVG bereits in vorangegangenen Bauserien anderer Fahrzeughersteller als höchst zuverlässige Schwenkschiebetürsysteme bewährt haben. Die Systeme werden mit moderner Einklemmerkennung und LED-Beleuchtung auf den Türflügeln ausgestattet und tragen zu zügigem, sicherem und barrierefreiem Zu- und Aussteigen bei. Das Angebot von hoch innovativen und gleichzeitig diensterprobten Technologien hatte sich insgesamt bei der Vergabe als ein entscheidender Faktor erwiesen.

Insgesamt wird Knorr-Bremse über 32 Jahre Ersatzteile für die Technologien liefern und das Obsoleszenzmanagement für den Lieferanteil des Konzerns übernehmen. Durch diese Maßnahmen bleiben die gelieferten Systeme über die Vertragsdauer einsatzfähig, die ungewollte Abstellung von Fahrzeugen wegen Nichtverfügbarkeit von Komponenten wird vermieden und ein langes Betriebsleben der Züge ermöglicht. Mittels datengetriebener, zustandsorientierter Wartung (Condition Based Maintenance) werden zudem zunächst bei den Einstiegssystemen die Verfügbarkeit erhöht und die Betriebskosten durch effiziente Wartungszyklen optimiert.

Mit der Anschaffung von bis zu 1.500 Wagen – inklusive Optionen – wird der existierende U-Bahn-Fuhrpark der BVG über das kommende Jahrzehnt sukzessive erneuert und erweitert werden können, um perspektivisch steigenden Passagierströmen und dem wachsenden Bedürfnis nach schneller und effizienter Mobilität Rechnung zu tragen. Über den beauftragten Basisabruf hinaus kann Knorr-Bremse – sofern die Option gezogen wird – Stadler zwischen dem ersten Quartal 2026 und bis Beginn 2031 mit Technologien für bis zu 894 weitere Wagen beliefern.