Mehr Grünland in Forstheide. Bürgerinitiativen fordern Stopp der Bodenversiegelung. Umwidmung im Gemeinderat auf der Agenda.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 10. September 2021 (15:15)

Einen Upcycling Park wollte die zur Baumit-Gruppe gehörende BIO-Brennstoff GmbH in einer Schottergrube der ebenfalls zum Unternehmen gehörenden Firma Wopfinger entlang der B 121 in Kematen errichten. Mittels einer neuen Technologie sollte im Ybbstal in der weltweit ersten Anlage dieser Art aus Salzschlacke, die bei der Aluminiumproduktion bislang übrig blieb, durch Verbrennung hochwertiger Tonerdezement hergestellt werden. Nach massiver Kritik der Anrainer an dem Projekt, welcher sich auch die SPÖ Kematen anschloss, zog das Unternehmen Anfang Juli jedoch die Bremse. Man wolle nicht Spielball parteipolitischer Interessen werden, hielt der Eigentümer der Baumit-Gruppe Robert Schmid fest und kündigte an, das Projekt lieber an einem anderen Standort, vorzugsweise in Nieder- oder Oberösterreich, umsetzen zu wollen. Hinsichtlich des Standorts Kematen wolle man einmal die Entwicklung der nächsten Tage und Wochen abwarten, hieß es. Die NÖN berichtete.

Ende der Vorwoche teilte das Unternehmen nun mit, dass die Resonanz auf die Standort-Ausschreibung für den Upcycling Park Anfang Juli sehr positiv ausgefallen sei. 18 Standorte aus Nieder- und Oberösterreich hätten ihr Interesse an der Verwirklichung des Industrieprojekts bekundet. Eine Entscheidung über die weitere Vorgehensweise werde in den nächsten Wochen fallen. Was den Standort Kematen betrifft, so habe man hier seit der Pressekonferenz Anfang Juli keine weiteren Aktivitäten mehr gesetzt, heißt es auf Nachfrage der NÖN.

„Ich kann einer Firma, wenn sie einen Baugrund gekauft hat, diesen nicht einfach wieder rückwidmen.“ Bürgermeisterin Juliana Günther (ÖVP)

Die Realisierung des Projekts in Kematen dürfte somit endgültig vom Tisch sein. „Ich habe gehört, dass das Projekt wieder zurückgezogen wird“, sagt Bürgermeisterin Juliana Günther (ÖVP) und hält fest: „Wir stehen jedenfalls hinter der Bevölkerung. Wenn ein Betrieb in der Gemeinde etwas errichten möchte, dann muss der Gemeinderat das freigeben.“

Angst vor neuen Industrieprojekten

Erleichtert darüber, dass der Upcycling Park nicht in Kematen umgesetzt wird, zeigen sich die Anrainer. Auch die Bürgerinitiativen „Entscheide mit“ und „Rettet die Forstheide“ begrüßen diese Entscheidung. Dennoch macht man sich Sorgen, dass die ausgebeuteten Schottergruben in der Forstheide bald wieder für andere Industrieanlagen ins Gespräch kommen könnten.

Aufgrund der Klimakrise sei hier ein Umdenken dringend nötig, heißt es in einer Aussendung. Es sei an der Zeit, der Natur diese Flächen zurückzugeben, sagt Eva Mayer von „Rettet die Forstheide“ und verweist auf einen Behördenbescheid der Bezirkshauptmannschaft Amstetten aus dem Jahr 2011, welcher für das Abbauareal der Firma Wopfinger Renaturierungsmaßnahmen nach dem Schotterabbau vorschreibt. Leider sei dieser Bescheid bis dato umgangen worden, obwohl den Anrainern seitens der Firma Wopfinger damals im Rahmen der Behördenverhandlung am Gemeindeamt Kematen mit einem Plan ein wunderschönes Feuchtbiotop zugesichert worden sei, heißt es. Mit einem Brief forderte die Bürgerinitiative die Kematner Bürgermeisterin und alle Gemeinderäte kürzlich auf, sich für einen Stopp weiterer Bodenversiegelungen in der Forstheide und für Rückwidmungen und Renaturierungen im Schotterabbaugebiet starkzumachen. „Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem selbst Versicherungsgesellschaften klarstellen, dass die Klimakatastrophe neben menschlichem Leid und Sachschaden auch eine unvorstellbar teure Angelegenheit ist“, schreiben die Naturschützer. „Die Frage ist nun: Worin soll investiert werden, weiter in eine sichere und lebenswerte Zukunft für die Bevölkerung der Gemeinde oder in die Aufarbeitung der Schäden, die entstehen werden?“

„Wir sind sehr darauf bedacht, die Bodenversiegelung in der Gemeinde gering zu halten“, sagt ÖVP-Bürgermeisterin Juliana Günther. „Ich lasse mir aber den Baugrund nicht einfach so nehmen. Die gegenständliche Fläche der Firma Wopfinger ist schon seit Jahrzehnten als Baugrund gewidmet. Diese Widmung erfolgte lange vor meiner Zeit als Bürgermeisterin. Ich kann einer Firma, wenn sie einen Baugrund gekauft hat, diesen nicht einfach wieder rückwidmen. Wenn die Bürgerinitiative darauf besteht, dass hier wieder Natur sein soll, dann soll sie das Grundstück kaufen.“ Nichtsdestotrotz soll die Rückwidmung des Wopfinger-Areals von Bauland auf Grünland in der nächsten Sitzung des Kematner Gemeinderats (einen Termin gab es zu Redaktionsschluss noch nicht) thematisiert werden. Schon bei der letzten Sitzung Anfang Juli hatte die SPÖ einen dahingehenden Dringlichkeitsantrag eingebracht. Dieser wurde jedoch von der ÖVP-Mehrheit abgelehnt.

Bei der nächsten Gemeinderatssitzung wird es die SPÖ nun neuerlich versuchen. Ortschefin Günther gab gegenüber der NÖN an, den SPÖ-Antrag auf die Tagesordnung nehmen zu wollen. Das Abstimmungsverhalten werde man in der ÖVP-Fraktion noch besprechen.

„Auch wenn der Park nun so gut wie vom Tisch ist, wir wollen nicht, dass die Firma Wopfinger in Zukunft mit einem neuerlichen Projektvorhaben für den Standort kommt“, sagt Kematens SPÖ-Obmann Kurt Kaindl. „Wir wollen, dass die damals vorgeschriebene Renaturierung der Schottergrube umgesetzt wird. Außerdem geht es uns darum, generell eine Lösung zu finden, um die Heide zu retten.“

Über die weitere Bewirtschaftung der Schottergrube in Kematen werde erst Auskunft gegeben, nachdem eine finale Entscheidung zur Standortauswahl für den Upcycling Park gefallen sei, heißt es seitens der Baumit-Gruppe gegenüber der NÖN.