Juliana Günther: „Investitionen machen sich bezahlt“. Kematens Bürgermeisterin Juliana Günther (ÖVP) über Wirtschaftspark, den neuen Caritas-Standort, Wohnen und die angedachte Radbrücke.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 15. Mai 2019 (05:00)
Kössl
Bürgermeisterin Juliana Günther ist bereits seit 2005 im Amt. Bei der Gemeinderatswahl 2020 wird sie wieder als Spitzenkandidatin für die Kematner ÖVP ins Rennen gehen.

NÖN: Frau Bürgermeister, der Wirtschaftspark Kematen galt lange Zeit als Vorzeigeprojekt interkommunaler Zusammenarbeit. Jetzt wird die Gesellschaft aufgelöst. Was ist der Grund dafür?

Bürgermeisterin Juliana Günther: Meine zentrale Forderung war, dass Kematen als Standortgemeinde ein 50-prozentiges Mitbestimmungsrecht in der Gesellschaft bekommt. Schließlich haben wir auch den Staub und den Lärm, während die anderen Gemeinden diesbezüglich keine Umweltbelastungen zu tragen haben und unter dem Slogan „Schöner Wohnen“ gegen eine drohende Abwanderung propagieren. Alle 21 anderen Mitgliedsgemeinden und die ecoplus haben sich aber zum Ausstieg aus der Gesellschaft entschieden und Kematen war dagegen chancenlos. Diese Wirtschaftspark GmbH entstand ursprünglich ja, um die dort geplante Aluminiumschmelzanlage zu verhindern. Spätestens mit dem Bahnanschluss dort hätten die Verträge neu aufgesetzt werden müssen.

Wie geht es nun mit dem Wirtschaftspark weiter?

Günther: Die anderen Gemeinden haben nun einmal einen Gemeinderatsbeschluss gefasst, dass sie aussteigen wollen. Die Gemeinde Kematen hat dagegengestimmt. Grundsätzlich können wir uns vorstellen, den Wirtschaftspark zu übernehmen – aber nur lastenfrei und nicht mit irgendeiner Haftung. Eine Übernahme darf für Kematen keinen Nachteil bringen.

Ist noch Platz im Wirtschaftspark oder denkt man schon über eine Erweiterung nach?

Günther: Eine kleine Fläche ist noch frei. Da kann aber höchstens ein Lagerplatz entstehen. Eine Erweiterung wäre schon möglich, hängt aber von der künftigen Konstellation des Wirtschaftsparks ebenso ab wie von der Entwicklung der Wirtschaftslage generell. Auch die Frage, wann der angedachte vierspurige Ausbau der Bundesstraße kommt, spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Wie sieht es mit den Erweiterungen der Firmen voestalpine Precision Strip GmbH und Knorr-Bremse GmbH in der Gemeinde aus?

Günther: Bei der voestalpine ist die Erweiterung im Wirtschaftspark gerade am Laufen. Die Knorr-Bremse hat ihren Mitarbeiterstand zuletzt von 250 auf 300 aufgestockt, möchte aber bis 400 aufstocken. In Kematen hätte das Unternehmen eine gute Möglichkeit zur Erweiterung, die Fläche wäre da. Auch die Verkehrsanbindung wäre ideal. Derzeit weiß man aber nicht, ob der Standort Kematen bleibt.

Für den Charles-Vögele-Shop konnte nach dem Konkurs bereits ein Nachfolger gefunden werden.

Günther: Ja, das Geschäft bleibt. Da kommen eine Bipa-Filiale und ein Modegeschäft rein. Wie lange das dauert, ist aber eine andere Frage.

Ein großes Infrastruktur-Vorhaben in der Gemeinde ist die Erweiterung der Wasserversorgungsanlage. Wie weit ist man da?

Günther: Derzeit laufen die Arbeiten Richtung Höfing und Hausleiten und wird der Ringschluss Richtung Abetzdorf gemacht. Nächstes Jahr soll Stritzelhof folgen. Dann soll ganz Kematen mit dem guten Wasser aus Waidhofen versorgt sein.

Die Bevölkerungszahlen in Kematen sind in den letzten Jahren steigend. An was liegt das?

Günther: Kematen hat zwar die Durchzugsstraße, aber seitlich davon gibt es wirklich schöne Plätze – vom Naturbad über den Heidewald bis zum Kreuzstöckl-berg. Auch im Fremdenverkehrsbereich und bei der Infrastruktur ist mit dem Schneerosenweg und dem Sportzentrum viel passiert. Wir haben außer- dem eine neue Schule, die top ist, einen renovierten Kindergarten und das Zentrum kem.A[r]T. Wir haben in den letzten Jahren viel in die Infrastruktur investiert, das macht sich jetzt bezahlt.

Wie sieht es mit dem Wohnangebot in der Gemeinde aus?

Günther: Wir haben eine rege Bautätigkeit – sowohl im Wohnungsbau als auch bei Einfamilienhäusern. Die Nachfrage war noch nie so groß wie jetzt. Wir haben im Zentrum von Kematen aber auch wirklich alles vor Ort, da braucht man zum Einkaufen nicht ins Auto steigen.

In welchem Bereich bewegt sich der Quadratmeterpreis?

Günther: Der liegt momentan bei 60 bis 65 Euro im Zentrum. In der Heide ist es ein bisschen günstiger.

Anfang des Jahres wurde die Volksschule nach dem großen Umbau eröffnet. Wie bewährt sich das neu gestaltete Gebäude im Schulalltag?

Günther: Sehr gut. Die Schule wurde fertig renoviert und der 60 Jahre alte Trakt weggerissen. Wir haben ein motiviertes Lehrerteam und eine entsprechende Schülerzahl. Wir sind überglücklich, dass das passt.

Seit September gibt es in Kematen eine Kleinkindbetreuung. Wie wird dieses Angebot angenommen?

Günther: Das erste Jahr ist natürlich etwas schwierig. Wir konnten hier aber sehr gutes Personal finden und es gibt – wie im Kindergarten und der Volksschule auch – gesundes Essen. Die Kinder sind hier wirklich sehr gut aufgehoben. Derzeit haben wir fünf Kinder und wir sind bereits dabei, den Bedarf für das kommende Schuljahr zu eruieren. Die Nachfrage ist sehr groß.

Wie weit ist die geplante Radbrücke über die Ybbs zwischen Kematen und Allhartsberg?

Günther: Diese Brücke ist Teil eines durchgehenden Radwegprojekts von Amstetten bis Waidhofen. Dafür gibt es bereits einen ungefähren Plan, zuerst müssen aber alle Gemeinden einmal ihr Okay geben. In Kematen haben wir bereits einen Grundsatzbeschluss im Gemeinderat gefasst. Und dann brauchen wir noch die Zusage, dass hier Landes- und EU-Gelder fließen. So eine Radfahrer- und Fußgängerbrücke von der 4. Straße über die Ybbs wäre aber aus touristischer Sicht natürlich ganz großartig für uns. Unsere historische Ybbsbrücke ist für einen eigenen Fahrradstreifen ja zu schmal und ein Anbau ist nicht machbar.

Wie weit ist man bei der Umfahrung der Firma Mondi Richtung Biberbach?

Günther: Jetzt haben wir einmal die Wasserversorgung forciert, aber das wird vielleicht heuer noch ein Hauptthema werden.

Konnte man sich mit den Grundeigentümern bereits einig werden?

Günther: Man ist sich näher gekommen, aber man muss die Unterschriften noch einholen. Da wird es sicher noch mehrere Gespräche geben. Es handelt sich hier um ein Monsterprojekt, das für die Kematner Bevölkerung aber sicherlich von Vorteil ist.

Die Caritas war zuletzt auf der Suche nach einem neuen Standort. Gibt es hier bereits eine Lösung?

Günther: Ja, die Caritas bekommt am Areal der Firma Bachner Brunnenbau einen neuen Standort. Noch diese Woche wird übersiedelt. Der bisherige Caritas-Standort im betreubaren Wohnprojekt der GEDESAG wurde einfach zu klein, da die Caritas bei den Mitarbeitern doch sehr aufgestockt hat. Der Betreuungsbedarf steigt auch in Kematen und die Caritas macht hier eine sehr gute Arbeit.

Welche Projekte sind noch für heuer angedacht?

Günther: Beim Bauhof ist die Errichtung eines Nebengebäudes geplant. Das ist ganz wichtig, weil das jetzige Gebäude einfach zu klein wird. Ein Zukunftsprojekt ist dann der Umbau des Gemeindeamtes. In dem Gebäude ist einfach alles sehr verwinkelt und auch der Eingangsbereich gehört barrierefrei gemacht.

Nächstes Jahr stehen Gemeinderatswahlen an. Werden Sie wieder mit der ÖVP für das Bürgermeisteramt kandidieren?

Günther: Ja, ich werde mich wieder der Wahl stellen. Das wurde im zuständigen Gremium bereits beschlossen. Meine Parteikollegen wollen, dass ich weitermache. Wir freuen uns auch über jeden, der sich hier einbringen möchte. Es gibt noch viele Sachen, die in Kematen erledigt werden müssen.

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