Kulturpreis-Träger Bieber will „mit Musik berühren!“. Hornist und Klangraum-Intendant Thomas Bieber erhielt den begehrten „a:bua“ für Kultur des Jahres 2020. „Ich wollte immer Programme machen, die die Besucher berühren.“

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 05. Februar 2021 (05:07)
In seiner Freizeit genießt Thomas Bieber die Natur in seiner Heimatstadt Waidhofen. Am Ybbsufer findet er etwa auch Morcheln, die der begnadete Koch in der Küche zu veredeln weiß.
Bieber

NÖN: Sie haben den Kulturpreis der Stadt Waidhofen, den sogenannten a:bua für Kultur, erhalten. Sie haben mit den Vienna Horns weltweit Erfolge gefeiert. Wie wichtig ist da der Kulturpreis einer Kleinstadt?

Thomas Bieber: Der Begriff Kleinstadt trifft auf Waidhofen nicht zu. (lacht) Ich freue mich außerordentlich, weil ich es als Auszeichnung für mein Kulturprogramm sehe. Ich wollte immer Programme machen, die die Besucher berühren. Auch für die Künstler sind wir so etwas wie eine Heimat für kurze Zeit.

Was sehen Sie heute als Ihre wichtigsten Schritte und Erfolge in Ihrer Laufbahn als Musiker?

Bieber: Die vielen Konzerte mit Art of Brass Vienna, wir haben wahrscheinlich alleine in Japan an die 100 Konzerte gespielt, viele Konzerte wurden auch auf TV aufgezeichnet. Mit der Gründung der Vienna Horns und den darauffolgenden CDs haben wir das Wiener Horn auf der ganzen Welt bekannt gemacht. Unsere YouTube-Ausschnitte der letzten CD-Produktion sind millionenfach angeklickt, die letzte CD wurde von der Int. Horn Society (USA) in ihrer Kritik als die beste jemals existierende Hornensemble-CD bezeichnet. Allerdings habe ich mich aus dem aktiven Musikerleben vor einigen Jahren zurückgezogen. Seit 2014 bin ich Orchestermanager der Vereinigten Bühnen Wien, beide Tätigkeiten – künstlerisch und organisatorisch – hätten mich überfordert.

Seit fast 20 Jahren bereichern Sie das Waidhofner Kulturprogramm mit Ihren Veranstaltungen. Da gehört Mut dazu, das in einer Stadt abseits der Kulturmetropolen zu machen. Wären Sie da nicht manchmal lieber in Salzburg, Linz oder Wien?

Bieber: Ich bin in Waidhofen sehr glücklich. Wir haben unter den Künstlern einen sehr guten Ruf, auch die großen Namen treten gerne bei uns auf, in manchen Jahren haben wir bis zu 12 oder 13 Stunden Sendezeit in Ö1, wahrscheinlich auch deshalb, weil wir oftmals Vorreiter darin sind, neue außergewöhnliche Musikerinnen und Musiker nach Österreich zu bringen. Das Schönste daran ist jedoch, frei gestalten zu können.

2020 war ein tolles Programm, rentieren konnte es sich wohl nicht angesichts der durch Corona ausgedünnten Konzertsäle. Wie sehen Sie als Veranstaltungsprofi die Konzertszene 2021 und 2022?

Bieber: Ich kann derzeit leider gar keine Prognose abgeben, wie es weitergehen wird. Was mich traurig stimmt – die Opern- und Konzerthäuser haben perfekte Covid-Konzepte, bis heute gibt es keinen Hinweis auf eine Ansteckung in einer Vorstellung. Trotzdem bleiben sie geschlossen. Oder man lässt kurzzeitig eine Öffnung zu, mit der Einschränkung, dass Besucher um 20 Uhr zu Hause sein müssen.

Sie haben unter dem Motto „Zurück am Platz“ das größte Kulturevent des Jahres in der Region im Stadion organisiert. Dorthin kam die Kultur in diesem Konzert zwar an dem Sommerabend, der Herbst war aber wieder schwierig.

Bieber: Ich denke, es war wichtig, ein Zeichen zu setzen. Man hat auch gesehen, dass es bei den Besuchern eine unglaubliche Sehnsucht nach Kultur gab. Im Herbst waren wir mit den vorgegebenen Beschränkungen fast immer ausverkauft, nur die letzte Veranstaltung musste abgesagt werden. Wir holen sie im Frühjahr nach.

Gibt es schon konkrete Pläne für den Klangraum Waidhofen?

Bieber: Ja, nachdem wir uns derzeit vorwiegend zu Hause aufhalten müssen, wird das Motto mit dem Begriff Biedermeier spielen. Die Reduktion großer Werke auf kleine Besetzungen, Kammermusik und Liederabende werden im Mittelpunkt stehen. Wir starten in Waidhofen (hoffentlich) am 23. April mit einer jungen, wunderbaren Sängerin, die soeben die Bühnen der Welt erobert – Katharina Konradi.