Die Wirtschaft als Donut. Beim elften Protest stand die Forderung nach alternativen Wirtschaftsformen im Zentrum.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 12. Februar 2020 (04:34)

Der 29. Juli 2019 – das war der Tag, an dem die Weltbevölkerung im Vorjahr alle natürlichen Ressourcen, die die Erde innerhalb eines Jahres produzieren kann, verbraucht hat. Seit diesem sogenannten „Welterschöpfungstag“, der 2019 so früh kam wie nie zuvor, lebten die Menschen von den Vorräten der Zukunft – also quasi auf Kredit bei der Erde. Erstmals Thema wurde der Welterschöpfungstag Anfang der 70er-Jahre. Damals noch Mitte Dezember anberaumt, verbrauchte die Bevölkerung die Ressourcen immer schneller – und der Welterschöpfungstag verlegte sich immer weiter nach vorne im Jahreskreis.

Um diesem massiven Ressourcenverbrauch Einhalt zu gebieten, benötige es „ein Umdenken in der Wirtschaft“, lautete der Tenor der Waidhofner Klimaaktivisten, die am Samstag wieder für den Klimaschutz auf die Straße gingen. „Wirtschaft ohne Wachstumszwang“ – so lautete die zentrale Forderung beim elften Protestzug durch die Stadt. „Jedes Jahr schaffen wir einen neuen Rekord an Bio-Lebensmitteln, an zugelassenen E-Autos – aber leider auch an verbrauchten Ressourcen“, sagte Raphael Kößl vom Organisatorenteam. „Wir brauchen dringend ein Umdenken in unserer Lebensweise.“

Kößl ging unter anderem auch auf das Konzept der Postwachstumsökonomie des deutschen Ökonomen Niko Paech ein. Dessen Credo – „Souverän ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht“ – könne man nur unterstreichen, sagte Kößl. „Der Punkt ist der, dass in einem begrenzten System wie der Erde nichts unendlich wachsen kann“, sagte Kößl.

Dies zeigte auch Georg Wagner, der den anwesenden Demonstranten anschaulich näherbrachte, warum exponentielles Wirtschaftswachstum – also eine Wirtschaft, deren Leistung sich ständig verdoppelt – nicht zukunftsfähig ist.

Forderung: Alternative Ökonomien entwickeln

„Wenn unsere Wirtschaft mit ihrem derzeitigen Ressourcenverbrauch weiter so wächst, führt das unweigerlich zur Katastrophe“, sagte Kößl. Es sei denn, man schaffe es noch rechtzeitig, diese Katastrophe abzuwenden, indem man alternative Wirtschaftsformen entwickle. „Dazu muss man in Forschungsprogramme investieren, die sich damit beschäftigen, wie wir unsere Ökonomie anders gestalten können“, so Kößl. „Die Veränderung wird kommen – wir können uns aussuchen, ob wir einen ‚Change by Disaster‘ haben wollen, oder doch lieber einen ‚Change by Design‘.“

Eine alternative Wirtschaftsform stellte Hermann Wagner vor: Er ging auf die Donutökonomie von Kate Raworth ein, die die Wirtschaft als einen Donut, und nicht als eine immer wachsende Kurve imaginiert. Diesen Darlegungen entsprechend, sponserte die Konditorei Piaty Donuts für alle Klimaaktivisten – die unter den Anwesenden gerecht verteilt werden mussten.