Demo gegen kürzere Bahn . Demonstranten wollen Erhalt der Citybahnstrecke in der jetzigen Form.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 11. Dezember 2019 (04:34)
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An die 130 Demonstranten fanden sich am Samstag zu den mittlerweile neunten Klimaprotesten in Waidhofen ein. Zentrale Forderung war der Erhalt der Waidhofner Citybahn auf ihrer bisherigen Strecke.
Kössl

Bei der letzten Waidhofner Klimademo in diesem Jahr stand am Samstag der regionale öffentliche Verkehr im Fokus: Rund 130 Demonstranten, darunter auch Mitglieder der Vereine Pro Ybbstalbahn und Club 598, forderten lautstark den Erhalt der Citybahn.

Wie die NÖN berichtete, soll die Waidhofner Stadtbahn mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 nur mehr zwischen dem Hauptbahnhof und dem Vogelsang verkehren – dafür allerdings im Halbstundentakt. Die Haltestellen Kreilhof und Gstadt fallen künftig weg.

„Die Zukunft gehört der Schiene“, sagte Pro-Ybbstalbahn-Obmann Thomas Vielhaber vor den Demonstranten. Geht es nach den Bahnfreunden, so soll die jetzige Strecke der Citybahn belassen werden und der Bahnhof Gstadt zu einem Verkehrsknotenpunkt ausgebaut werden. Die Buslinien aus dem Oberen und Kleinen Ybbstal sollen dann in Gstadt enden und die Fahrgäste auf eine mittels Akku oder Wasserstoff betriebene Citybahn umsteigen. Mehr als 19.000 Busfahrten durch die Stadt und 263.000 Kilogramm CO würde man dadurch einsparen, hielt Vielhaber fest.

Streckenverkürzung nochmals überdenken

Um ihr Anliegen zu untermauern, schickten die Protestanten sowohl an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko als auch an Bürgermeister Werner Krammer und den Waidhofner Gemeinderat Briefe, in denen sie forderten, die beschlossene Verkürzung der Citybahn für drei Jahre auszusetzen und das Vorhaben noch einmal zu überdenken.

Grund für die Verkürzung der Stadtbahnstrecke ist ein geplantes Betriebsgebiet zwischen dem Bahnhof Gstadt und der Siedlung Kreilhof. Die Citybahn möchte die Stadt in diesem Bereich deshalb weghaben. „Wir sind mehrere Aufschließungsvarianten durchgegangen und zu dem Schluss gekommen, dass ein Betriebsgebiet hier mit der Citybahn wirtschaftlich nicht zu erschließen wäre“, sagt Bürgermeister Krammer. „Das hängt auch mit den Zufahrten zusammen, die durch die Eisenbahnkreuzungen stark eingeschränkt wären.“

Teile der frei werdenden Bahntrasse sollen außerdem für einen durchgängigen Radweg auf Waidhofner Seite bis Gstadt genutzt werden. Eine Grobplanung und eine grobe Kostenschätzung für dieses Projekt gebe es bereits, sagt der Stadtchef.

Seitens der Landesverkehrsgesellschaft NÖVOG, welche die Citybahn betreibt, betonte man stets, dass man mit der Streckenverkürzung dem Wunsch der Stadt entspreche. Erst kürzlich wurde in einer Aussendung betont, dass die Stadt durch die Verkürzung profitiere, indem die frei werdenden Flächen Betriebsgründe und eine bessere Anbindung an den Ybbstalradweg ermöglichen würden.

NÖVOG startet Interessentensuche

Vergangene Woche erschien nun in mehreren österreichischen Tageszeitungen ein Inserat, in dem die NÖVOG einen Interessenten für den 2,5 Kilometer langen Citybahn-Abschnitt zwischen der Hammerschmiedstraße und Gstadt sucht. Gefragt ist ein Infrastrukturbetreiber, der die Strecke mit allen Bestandteilen gegen ein „angemessenes Entgelt“ ins Eigentum übernimmt und die Strecke im Sinne des Eisenbahngesetzes als öffentliche Eisenbahn weiterbetreibt. Interessenten haben nun drei Monate Zeit, ein verbindliches Angebot abzugeben. Voraussetzung für die Einstellung der Bahnstrecke sei nach Paragraf 28 des Eisenbahngesetzes eine Interessentensuche, heißt es seitens der NÖVOG. Ob sich jemand melde, sei derzeit nicht absehbar. Wenn sich niemand melde, erfolge die eisenbahnrechtliche Einstellung des Streckenabschnittes.

Damit wäre dann für die Stadt der Weg frei für das geplante Betriebsgebiet ohne Bahngleise sowie die Radanbindung auf Waidhofner Seite Richtung Ybbsitz.