Glanzvolle Premiere der Schlosshofspiele Waidhofen/Ybbs

Erstellt am 13. Juli 2022 | 04:36
Lesezeit: 3 Min
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Susanne Leonhartsberger, Julia Pechgraber, Manuela Walcher (1. Reihe, von links), Paul Konecny, Hanno Frangenberg, Thomas Krall, Max Bernreitner, Regisseurin Uschi Nocchieri und Christoph Hagen (2. Reihe, von links) begeisterten das Premiere-Publikum.
Foto: Lugmayr
Ken Ludwigs Broadway-Stück „Othello darf nicht platzen“ wurde von Uschi Nocchieri mit der Volksbühne realisiert.
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Am Freitag, 8. Juli, erlebte das Boulevardstück „Othello darf nicht platzen“ durch die Waidhofner Volksbühne im Schlosshof eine glänzende Premiere. Premiere? Ja und nein. Denn schon im November hatte die Laienbühne das Stück im Plenkersaal gegeben. Jedoch war damals gleich nach der Premiere Corona allen Plänen und weiteren Aufführungen in die Parade gefahren, sodass es bei einer einzigen Aufführung blieb.

Zweiter Versuch? Nein auch nicht, vielmehr neuer Versuch, denn wer das Glück hatte, beide Premieren zu sehen, merkte, dass in der Sommerinszenierung an manchen Schrauben gedreht worden war. Also doch eine Premiere.

Traditionell tritt Volksbühne-Obmann Alexander Riess, bevor er den Mimen die Bühne überlässt, zum Prolog vor das Publikum. Und dieser war ernster als gewohnt. Denn aus dem Internet hatten die Volksbühne Vorwürfe erreicht, sich mit der Einfärbung der beiden Othellos des „Blackfacings“ schuldig zu machen. „Keine Herabwürdigung, keine rassistischen Ressentiments, keine Vorurteile gibt es bei uns dazu. Sondern allein dem Stück und den Opernrollen wollen wir gerecht werden“, sagte Riess.

Auf der Bühne überboten sich in der Folge jedenfalls die Laiendarsteller und Darstellerinnen. Paul Konecny gab den hypernervösen Operndirektor in all seiner Pracht und Herrlichkeit. Seinen Assistenten Max stellte Christoph Hagen mit Pfiff und Witz, aber auch mit Herz und viel Emotion dar.

Schlichtweg eine Wucht war Thomas Krall als Sängerstar. Zum Fürchten gut und zum Bewundern heftig erfüllte Manuela Weber die Rolle dessen Gattin Maria.

Mit Susanne Leonhartsberger hat Regisseurin Uschi Nocchieri eine gute Wahl getroffen. Die Amstettnerin schwadronierte stilsicher die aufgedrehte Sängerin, die mit allen Mitteln und ganzem Körpereinsatz ihre Karriere voranzutreiben versucht.

Köstlich und schauspielerisch beachtlich Hanno Frangenberg in der Rolle des Vorsitzenden der Cleveland Opera. Pfiffig, frech und eloquent würzte Max Bernreitner als Page das sonst so spießbürgerliche Metier.

Und dann war da noch Julia Pechgraber, die kurzfristig für die verletzungsbedingt ausgefallene Katharina Reitbauer eingesprungen war. Das war alles andere als einfach und eine große Vorgabe, war doch Reitbauer in der November-Vorstellung hymnisch gelobt worden. Julia Pechgraber erreichte sozusagen aus dem Stand und auf ihre individuelle Weise das gleiche hohe Niveau als Charakterdarstellerin. Sicherlich die Entdeckung der Saison!

Summa summarum: köstlich, unterhaltsam, intelligent und mit so manchem Stachel in der Inszenierung. Denn Uschi Nocchieri schafft mit den Waidhofnern, was für eine Regisseurin einer Laienbühne die zu höchst liegende Latte ist: Sie bündelt mit cleverer Regie ein Oktett an Individualisten zu einer wirklich beachtlichen Gesamtleistung. Absolut sehenswert mit Unterhaltungsgarantie!

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