Erstellt am 13. Januar 2017, 05:33

von Leo Lugmayr

Heuras im NÖN-Gespräch: Schule gemeinsam gestalten. Der Präsident des NÖ Landesschulrates Johann Heuras fordert als Schulfächer Medienkompetenz, politische Bildung und Ethik, und dass Schule Freude am Entdecken fördert.

Der Präsident des NÖ Landesschulrates Johann Heuras initiierte Diskussionsrunden „Gemeinsam Schule gestalten“ unter anderem in Amstetten.  |  Lugmayr

NÖN: Sie haben niederösterreichweit fünf öffentliche Veranstaltungen zum Thema „Gemeinsam Schule gestalten“ initiiert. Braucht denn Schule Werbung?

Johann Heuras: Schule braucht Verständnis und Wertschätzung. Das war der Hintergrund, warum ich in allen fünf Bildungsregionen gemeinsam mit dem Bildungswissenschaftler Stefan Hopmann von der Universität Wien zu den Veranstaltungen geladen habe. Erstmals habe ich dazu neben Lehrern, Direktoren und Eltern auch Bürgermeister und Vertreter derb Gemeinden eingeladen. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Kommunalpolitik noch mehr in die Bildung einbringen soll.

Es geht um die beste und wertvollste Ressource für die Zukunft: unsere Kinder.

Über Forderungen der Bildungspolitik

Es vergeht kein Jahr, ohne dass die Bildungspolitik neue Forderungen an die Schulen stellt. Ist das sinnvoll?

Genau darum geht es: Was die Pädagogen heute mehr denn je brauchen, sind Klarheit, Perspektive und eine erkennbare Linie. Ständige Verunsicherung durch immer wieder neu angesagte und in der Folge abgesagte Änderungen ist kontraproduktiv für einen zielgerichteten Bildungsbetrieb. Dabei ist die Aufgabe klar: Es geht um die beste und wertvollste Ressource für die Zukunft: unsere Kinder. Die Bildung der Jugend ist kein beliebiges Experimentierfeld. Es wird viel zu viel an der Schule herumgedoktert, anstatt Schule in Ruhe arbeiten zu lassen.

Was macht denn aus Ihrer Sicht die Grundlagen der Bildung aus?

Grundlage muss zu allererst Persönlichkeitsbildung sein. Ich fordere konkret die Einführung der Pflichtgegenstände Medienkompetenz und politische Bildung für alle Schüler der 7. und 8. Schulstufen an allgemeinbildenden höheren Schulen genauso wie an Neuen Mittelschulen. Ohne dem kommt niemand in einem verantwortungsvoll geführten Leben aus. Weiters fordere ich die ersatzweise verpflichtende Einführung eines Ethikunterrichts für all jene, die nicht am Religionsunterricht teilhaben wollen. Es kann doch nicht so sein, dass junge Leute ihre Schule abschließen, ohne sich philosophischen Fragen, ethischen Fragen und den Fragen der Weltreligionen gestellt zu haben.

Im Mostviertel und im Bezirk Amstetten wird Schulautonomie so gelebt, wie sie sein soll.

Über die Schul-Situation

Das kostet Geld, wenn man Fächer zusätzlich einführt. Wie wollen Sie das finanzieren?

Um diese Debatte werden wir nicht herumkommen. Tatsache ist, dass im OECD-Durchschnitt die Länder 3,8 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Schule ausgeben und Österreich dafür nur 3,2 Prozent aufwendet. Die Differenz auszugleichen, hieße zusätzlich zwei Milliarden Euro pro Jahr in die Schulen zu stecken. Ich weiß, dass das sehr viel Geld ist, aber dann sind wir erst Durchschnitt und noch immer nicht Spitze. Wenn Österreich von sich behauptet, mangels Rohstoffen vom geistigen und kulturellen Kapital zu leben, sollte man danach streben, bei Bildungsinvestitionen Spitze sogar zu sein.

Wie sehen Sie die Situation der Schulen im Bezirk Amstetten?

Im Mostviertel und im Bezirk Amstetten wird Schulautonomie so gelebt, wie sie sein soll. Es wird viel Engagement in die Bildung von autonomen Profilen investiert. Würde Schule in den Ballungszentren so funktionieren wie im Mostviertel, bräuchte man keine Bildungsdiskussion. Hier wird über weite Strecken großartig gearbeitet. Trotzdem ist das Stimmungsbild zum Thema Schule schlecht. Und genau das war der Grund, warum ich gemeinsam Stefan Hopmann zur Veranstaltungsreihe „Gemeinsam Schule gestalten“ geladen habe. Das verfolgte drei Ziele: Erstens wollen wir das Stimmungsbild zum Thema Schule verbessern, zweitens gemeinsam mit Eltern und Gemeinden Schule stärken und drittens klarstellen, dass Schule kein Spaßbetrieb ist. Wir müssen darauf pochen, dass Schule nicht zum Betreuungsbetrieb verkommt, sondern ein Ort ist, wo Freude am Erfolg, Freude am Neuen und Freude am wissenschaftlichen Entdecken sowie an der Entwicklung der eigenen Fähigkeit und der eigenen Persönlichkeit gelebt wird. Dann erst sind wir, erst dann ist Schule im 21. Jahrhundert angekommen.