Ybbstal: Lieber auf dem Teller als im Müll. Mehr als 1.000 Kilo Lebensmittel sammelt das Rote Kreuz jede Woche und gibt sie an Bedürftige weiter.

Von Anna Faltner. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:21)
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Verwenden statt verschwenden. Das ist klar das Motto, das Christine Brandl (Bild rechts oben), Duygu Yilmaz-Binici, Güven Yilmaz und Melisa Yilmaz (Bild links) bei der Team Österreich Tafel in Kematen vertreten.
RKNÖ/Bohlheim, RKNÖ/Bohlheim

Zu viele Lebensmittel landen in Österreich im Müll. Deshalb hat die Regierung am Mittwoch einige Beschlüsse gefasst, um der Lebensmittelverschwendung den Kampf anzusagen. Neu ist das Thema allerdings nicht. So gibt es auch im Ybbstal schon einige Initiativen, die sich intensiv gegen das Verschwenden von Lebensmitteln einsetzen.

Lebensmittel aus Supermärkten und Bäckereien

Schon seit elf Jahren organisiert das Rote Kreuz in Kematen jeden Samstag die Team Österreich Tafel. „Zuerst holen wir die Lebensmittel ab, und kurze Zeit später geben wir sie auch schon wieder aus“, klärt Christine Brandl, Leiterin der Team Österreich Tafel in Kematen, auf. Dabei werden sämtliche Supermärkte und Bäckereien aus dem Einzugsgebiet abgefahren. „Da kommt schon sehr viel zusammen. Vor allem Brot und Gebäck. Bis zum Ladenschluss muss ja noch warmes Gebäck im Regal sein. Daher bleibt da dann auch einiges über“, erzählt Brandl. In Fülle vorhanden sind auch Obst und Gemüse, abgelaufene und saisonale Produkte wie Schokoosterhasen.

Über 1000 Kilo Lebensmittel

Jede Woche kommen zwischen 1.000 bis 1.200 Kilo an Lebensmitteln zusammen, die von den 87 freiwilligen Mitarbeitern vom Roten Kreuz Waidhofen und Amstetten eingesammelt und an Bedürftige ausgegeben werden. Einer dieser Freiwilligen ist Güven Yilmaz aus Kematen. Der 32-Jährige ist seit Beginn der Initiative mit an Bord, bis 2014 war er als Rettungssanitäter beim Roten Kreuz engagiert. Und seit 2019 unterstützt er Christine Brandl auch als Leiter der Team Österreich Tafel in Kematen. Warum er das macht?

„Weil ich es sinnvoll finde. Damit man Lebensmittel nicht einfach wegschmeißt, sondern sie an bedürftige Menschen verteilt. Es ist schon erschreckend, was wir jede Woche in den Supermärkten einsammeln. Das würde sonst weggeschmissen werden“, sagt Yilmaz, der seine beiden Schwestern mittlerweile auch schon für die ehrenamtliche Aufgabe motiviert hat. Im üblichen Dienstrad sind die Freiwilligen alle sechs Wochen dran.

Seit Corona mehr Kunden

Durch die Pandemie hat sich auch einiges verändert. „Wir haben jetzt mehr Kunden, die diesen Bedarf haben. Manche Kunden kommen schon seit elf Jahren, manche erst jetzt, seit der Kurzarbeit“, erzählt Christine Brandl. Gleichzeitig damit gab es in letzter Zeit aber auch vermehrt Großspenden, etwa von Gasthäusern und Cafés. Immerhin wurden Erdäpfel, Ketchup, Kaffeekekse und Kaffeepads lange nicht gebraucht.

Das Wichtigste ist jetzt, dass dieses Angebot auch genutzt wird. „Viele Leute haben Scheu, zur Tafel zu kommen. Das heißt nicht gleich, dass sie Hilfe benötigen. Sondern sie tragen dazu bei, dass Lebensmittel nicht verschwendet werden. Und zusätzlich spart man natürlich Geld“, betont Brandl. Momentan nutzen etwa 70 bis 75 Familien das Angebot in Kematen.

Umweltverbände setzen regelmäßig Initiativen

Die „NÖ Umweltverbände“, deren Präsident der Allhartsberger Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Anton Kasser (ÖVP) ist, arbeiten aktuell daran, dass in Privathaushalten die durchschnittlichen 300 Euro, die ein niederösterreichischer Haushalt im Jahr an Lebensmitteln wegwirft, verringert werden. Die „NÖ Umweltverbände“ haben dazu zahlreiche Initiativen gestartet. Sie geben Tipps, wie man mit Lebensmitteln umgeht und unterstützen etwa United Against Waste (UAW). Das ist eine 2014 in Österreich ins Leben gerufene Plattform zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen in der Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung.

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