Auch Kulturbereich im Ybbstal in der Warteschleife. Ob Konzert, Kabarett, Theater oder Kino, die Kulturbranche würde gerne wissen, wann es wieder losgeht. Ungewissheit macht Planung schwierig.

Von Andreas Kössl und Leo Lugmayr. Erstellt am 24. Februar 2021 (05:18)
Im Waidhofner Plenkersaal bleiben die Sesselreihen vorerst weiter leer. Die Volksbühne hat ihr Märchenstück, das normalerweise rund um Ostern stattfindet, abgesagt. Auch Konzerte und Kabaretts können derzeit nicht stattfinden.
Kössl

Seit nahezu vier Monaten steht das Kulturleben nun auch im Ybbstal infolge der Covid-Pandemie schon still. Wann Kulturveranstaltungen wieder möglich sein werden, ist derzeit ungewiss. Seitens der Stadt Waidhofen hat man darauf reagiert und das für 4. März angesetzte Kabarett von Viktor Gernot im Plenkersaal ebenso abgesagt wie das ebendort für 18. März geplante Konzert von Alma. Die NÖN hat sich umgehört, wie Kulturvereine und -institutionen für die Zeit nach dem Lockdown planen.

„Fest steht für uns schon, dass wir das Schlosshofkonzert und den Ball nur durchführen werden, wenn wir es so machen können, wie vor der Pandemie. Ein Ball ohne Tanzen macht überhaupt keinen Sinn.“Martin Dowalil

Der Kulturverein Förderband möchte jene Programmpunkte, die vergangenes Jahr Corona-bedingt ausgefallen sind, heuer nachholen. Losgehen soll es im Juni mit dem Vereinsfest. „Danach hätten wir ein recht dichtes Programm bis Ende des Jahres geplant“, sagt Förderband-Obmann Martin Dowalil. So ist etwa das Open-Air-Konzert von Attwenger im Schlosshof für den Sommer und die erste Auflage des Förderbandballs im Kristallsaal für Herbst vorgesehen.

„Die Termine sind fixiert, die Locations im Schloss reserviert. Jetzt heißt es einmal abwarten, unter welchen Bedingungen Veranstaltungen dann möglich sind“, sagt Dowalil. „Fest steht nämlich für uns schon, dass wir das Schlosshofkonzert und den Ball nur durchführen werden, wenn wir es so machen können, wie vor der Pandemie. Wir wollen kein Open Air, bei dem es nur Sitzplätze gibt, und ein Ball ohne Tanzen macht überhaupt keinen Sinn.“

Bei kleineren Konzerten im Rittersaal des Rothschildschlosses kann sich Dowalil hingegen vorstellen, diese als Sitzkonzerte zu konzipieren, wie man das bereits im Herbst gemacht hat. „Mit einem Mindestabstand von zwei Metern, wie derzeit vorgeschrieben, brauche ich das aber nicht zu machen, da kann ich dann zehn Leute reinlassen“, hält der Förderband-Obmann fest. Corona-Eintrittstests hält Dowalil für keine gute Idee. „Als Verein möchte ich nicht Gesundheitspolizei spielen. Außerdem geht das in eine Richtung, wo wir nicht hinwollen, nämlich, dass man gewisse Bevölkerungsgruppen dann ausschließt.“

„Vorerst liegt aber alles einmal auf Eis – von der Stückauswahl über das Bühnenbild und die Kostüme bis zur Bewerbung.“Volksbühne-Obmann Alexander Riess

Bereits abgesagt hat die Waidhofner Volksbühne ihr Märchen, das normalerweise zu Ostern im Plenkersaal zur Aufführung gelangt. Was die Schlosshofspiele im Juli betrifft, die im Vorjahr wegen der Corona-Pandemie ins Wasser fielen, so befindet man sich heuer noch in Abwarteposition.

„Ich glaube zwar, dass es von den Regeln her möglich wäre, im Sommer zu spielen“, sagt Volksbühne-Obmann Alexander Riess. „Das Problem ist aber, dass wir im April mit den Proben beginnen müssten, das aber unter den derzeitigen Vorgaben nicht möglich ist. Mit zwei Metern Abstand, FFP2-Maske und nur zwei Haushalten, die sich treffen dürfen, geht das einfach nicht.“

Man werde jetzt einmal bis Ende März abwarten und dann entscheiden, sagt Riess. „Vorerst liegt aber alles einmal auf Eis – von der Stückauswahl über das Bühnenbild und die Kostüme bis zur Bewerbung. Wir haben vor zu spielen, aber die Prognosen sind düster. Sollte es doch gehen, haben wir im Frühjahr dann einen gewissen Zeitdruck.“

Seit vier Monaten hat nun auch schon die Filmbühne Waidhofen ihre Pforten durchgehend geschlossen. „Das zehrt natürlich, aber es geht ja allen in der Kulturbranche ähnlich“, sagt Betreiber Andreas Leitner. „Ich hoffe, dass es in den nächsten zwei Wochen eine Entscheidung darüber gibt, wann wieder geöffnet werden darf. Auch wenn das erst Ende April sein wird, so wäre es doch gut, es etwa zwei Wochen vorher zu wissen. Schließlich braucht es auch ein wenig, bis alles wieder in die Gänge kommt.“

Wichtig sei jedenfalls eine nachhaltige Öffnung, meint der Kinobetreiber. Ob das Kinopublikum dann auch wieder komme oder viele doch Angst vor geschlossenen Räumen hätten, sei freilich die große Frage. Eintrittstests kann sich Leitner jedenfalls vorstellen. Dazu brauche es aber genaue Vorgaben zur Umsetzung.

In Warteposition befindet sich derzeit auch die Filmbühne Waidhofen. Wann hier wieder Kinofilme gezeigt werden können, ist ungewiss.
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Ein Ding der Unmöglichkeit ist zurzeit die Programmplanung am Kinosektor. Potenzielle Blockbuster werden von den großen Verleihen weltweit gleichzeitig auf den Markt gebracht. Durch die unterschiedliche Corona-Situation in den einzelnen Ländern werden diese Filmstarts derzeit ständig verschoben. „In Österreich sind wir da von anderen Ländern abhängig. Wir befinden uns hier am Ende der Kette“, führt Leitner aus.

Sorgen bereitet ihm auch, dass immer mehr große Filmverleihe ihre Ware für eine Video-on-Demand-Auswertung hergeben – wie zuletzt das Superheldenmovie „Wonder Woman 1984“. Auch für die Zukunft seien nun vermehrt Hy brid-Starts – also ein gleichzeitiger Kino- und Online-Start von Filmen – im Gespräch, erzählt Leitner. „Hier wird man sich überlegen müssen, wie man das auffangen kann, damit der Kulturort Kino erhalten werden kann.“

Stillstand herrscht derzeit auch bei den Musikkapellen. Auftritte sind ebenso wie Proben nicht gestattet. „Die Perspektiven sind nicht sehr rosig“, sagt Thomas Maderthaner, der Kapellmeister der Trachtenmusikkapelle Windhag . „Obwohl ich sonst ein sehr optimistischer Mensch bin, glaube ich doch, dass die Kultur beim Wiederaufsperren ganz hinten gereiht ist.“

Maderthaner meint, dass es bis Juni dauern könnte, bis das Proben für Musikkappellen wieder möglich ist. Besondere Veranstaltungen hat die Trachtenmusikkappelle Windhag für heuer nicht geplant. „Ich glaube, wir können alle froh sein, wenn wir im Sommer wieder unsere Konviktgartenkonzerte spielen können“, sagt Maderthaner.

Auf heuer verschoben wurde das NÖ Viertelfestival , das schon voriges Jahr von 9. Mai bis 9. August im Mostviertel über die Bühne hätte gehen sollen. „Das Viertelfestival ist auf Umsetzung“, sagt Viertelsmanager Hannes Mayrhofer von der Kulturvernetzung NÖ. Am 14. Mai soll der Auftakt erfolgen. Der Festival-Zeitraum wurde bis Ende Oktober verlängert. „So es die Covid-Situation zulässt, ist es das Ziel, möglichst alle Projekte umzusetzen.“

Der Waidhofner Opernsänger Günther Groissböck spart nicht mit Kritik. „Man weiß nach einem Jahr des totalen und mittlerweile in vielen Bereichen leider auch immer totalitäreren Irrsinns gar nicht mehr, wo man mit dem Aufzeigen von Missständen beginnen soll“, sagt er. „Kultur scheint tatsächlich nur mehr ein kleiner Kollateralschaden zu sein. Besonders erschüttert bin ich über das Schweigen vieler Kollegen und Intendanten in der Öffentlichkeit, denn damit verspielt die Kultur Tag für Tag mehr und mehr ihre Glaubwürdigkeit. Wir müssen auch als mahnende Stimme relevant bleiben, wenn Dinge in eine gefährliche Richtung steuern.“

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