29-Jährige fuhr mit Pkw u.a. auf Ex-Freund zu: Prozess

Am Landesgericht St. Pölten ist am Mittwoch eine 29-Jährige wegen versuchten Mordes vor Gericht gestanden, weil sie in Waidhofen an der Ybbs alkoholisiert mit einem Pkw auf ihren Lebensgefährten und eine Bekannte zugefahren sein soll.

Redaktion, APA Aktualisiert am 14. November 2018 | 15:06
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Geschworene begannen Beratung

Die Geschworenen haben sich am Mittwochnachmittag zur Beratung zurückgezogen. Der Staatsanwalt hielt die Anklage wegen versuchten Mordes in seinem Schlussvortrag aufrecht. Verteidiger Thomas Preclik sah keinen Mordvorsatz und ersuchte die Laienrichter um eine Verneinung der entsprechenden Hauptfrage.

Laut dem Staatsanwalt sei eindeutig hervorgekommen, dass der Beschuldigten, die davor eine schwere Zeit durchgemacht hätte, "die Sicherungen durchgebrannt" seien, als sie ihren Noch-Lebensgefährten mit einer Bekannten gesehen habe. "Verlassen werden, gehört zum Leben dazu, fast jeder hat schon einmal jemanden verlassen", sagte der Staatsanwalt. "Das muss man aushalten können." Die Ausnahmesituation sei aber natürlich bei der Strafzumessung zu berücksichtigen. Eine Eventualfrage an die Geschworenen hat versuchten Totschlag zum Inhalt.

Es bestehe kein Zweifel daran, dass die Beschuldigte auf den Gehsteig fuhr und "nicht gebremst hat, bevor sie die beiden passiert hat". Klar sei auch, dass es "extrem knapp war". Für den "alternativen Erklärungsansatz" der Angeklagten - sie sagte, dass sie das Duo nur erschrecken wollte - habe er Verständnis. "Aber es stimmt halt nicht" und sei unvereinbar mit den Angaben der Zeugen, meinte der Staatsanwalt.

In seinem Plädoyer ortete Verteidiger Preclik leichte Widersprüche in den Aussagen der Zeugen. Eine Frau, die den Vorfall von vorne gesehen habe, habe schließlich geschildert, dass zwischen dem herannahenden Auto und den beiden Personen noch "sehr viel Platz" war. "Diese Ergebnisse des Beweisverfahrens darf man nicht unter den Tisch kehren", so Preclik. Er sei davon überzeugt, dass die Angeklagte "zu keinem Zeitpunkt gewollt hat, dass jemand stirbt". Die Beschuldigte selbst sagte unter Tränen, dass ihr sehr leidtue, was passiert sei. "Ich bin sicher kein Mörder", so die Tschechin.

Die Geschworenen zogen sich gegen 14.30 Uhr zur Beratung zurück. Ein Urteil wurde für den Nachmittag erwartet.

 

Wir hatten berichtet:

Am Landesgericht St. Pölten ist am Mittwoch eine 29-Jährige wegen versuchten Mordes vor Gericht gestanden, weil sie in Waidhofen an der Ybbs alkoholisiert mit einem Pkw auf ihren Lebensgefährten und eine Bekannte zugefahren sein soll. Der Tschechin wird vorgeworfen, die Begleiterin ihres Partners zudem umgerissen und verletzt zu haben. Die Beschuldigte bestritt den angelasteten Mordversuch.

Nach Vollbremsung den Mann attackiert?

Die 29-Jährige hatte laut Anklage am 24. Juni ihren Partner gemeinsam mit einer ihr bekannten Frau auf dem Gehsteig gesehen, als sie mit dem Pkw ihres Lebensgefährten unterwegs war. Die Beschuldigte soll daraufhin eine Vollbremsung hingelegt haben und ausgestiegen sein. Sie soll dann den Mann attackiert haben, dieser konnte die Schläge laut Anklage aber abwehren.

Im Anschluss soll die Tschechin die Begleiterin ihres Partners an den Haaren zu Boden gerissen und ihr Fußtritte gegen den Oberkörper versetzt haben. Das Opfer erlitt laut Staatsanwaltschaft durch den Sturz eine Schädelprellung, eine Zerrung der Halswirbelsäule sowie Abschürfungen am rechten Ellbogen.

Nach den Angriffen soll sich die Beschuldigte wieder in das Auto gesetzt und den Wagen in Richtung der beiden Personen gelenkt haben. Dabei war Frau laut Anklage mit mehr als 40 km/h unterwegs. Der Lebensgefährte der 29-Jährigen und seine Begleiterin konnten sich demnach im letzten Moment durch einen Sprung zur Seite retten.

Angeklagte soll 1,56 Promille im Blut gehabt haben

Die beiden Fußgänger flüchteten daraufhin in den Einfahrtsbereich einer Waschstraße. Die Beschuldigte soll dann mit dem Pkw gewendet haben und habe erneut auf die beiden zufahren wollen. Dies gelang der Frau laut Staatsanwaltschaft aber nicht, weil ihr der Weg von Polizisten versperrt wurde, die zuvor von einem Zeugen alarmiert worden waren.

Die Angeklagte soll während der Aktionen 1,56 Promille Alkohol im Blut gehabt haben. "Da darf man schon lange nicht mehr Auto fahren, man weiß aber noch, was man tut", hielt der Staatsanwalt fest.

Geständig zu Attacken, aber nicht zum Mordversuchs-Vorwurf

Der Verteidiger sprach von einer Beziehung der 29-Jährigen zu ihrem Partner, die oft "grenzwertig" und von Gewalt geprägt gewesen sei. Als sie den Lebensgefährten mit der anderen Frau gesehen habe, seien "die Emotionen hochgekocht".

Zu den körperlichen Attacken auf die beiden war die Angeklagte geständig, nicht aber zum Vorwurf des versuchten Mordes. Sie sei mit aufheulendem Motor und quietschenden Reifen hinter dem Paar hergefahren und habe gehofft, dass beide glauben, dass sie sie anfahren möchte, hielt der Verteidiger fest. Schlussendlich sei die 29-Jährige aber an den zwei Personen vorbeigefahren. "Sie hat absichtlich auf sich aufmerksam gemacht, das war ihr Anliegen".

Aktionen mit Auto waren Thema bei Verhandlung

Im Prozess wurden am Mittwochvormittag die Beschuldigte und die beiden Hauptbelastungszeugen einvernommen. Eingehend thematisiert wurde dabei, welche Aktionen die Tschechin mit dem Fahrzeug vornahm.

Die Angeklagte sagte, sie habe die zwei Personen auf ihrem Heimweg gesehen, habe die Handbremse des Pkw gezogen und sei ausgestiegen. Ihren Partner habe sie daraufhin mit der offenen Hand geschlagen. Die Begleiterin habe sich eingemischt. "Ich habe ihr ein paar Watschen gegeben", räumte die Tschechin ein. Während sie mit ihrer Bekannten stritt, habe der Lebensgefährte den Schlüssel zur gemeinsamen Wohnung aus dem Pkw geholt und an sich genommen, was sie sehr aufgebracht habe.

Als sich der Mann und seine Begleiterin später wieder auf den Weg machten, habe sie gedacht, dass die beiden in die Wohnung gehen. Daraufhin startete sie den Pkw und wollte "die Straße sperren, damit sie stehen bleiben müssen", so die Angeklagte. Dazu sei sie auch auf den Gehsteig gefahren, wobei die beiden Personen dort noch Platz gehabt hätten, weil sie rechtzeitig gebremst habe. Ein Polizist, der als Zeuge befragt wurde, gab in der Geschworenenverhandlung hingegen an, dass keine Bremsspuren gefunden worden sind.

Es sei ihr aber bewusst gewesen, dass sie die beiden verletzen könnte, bejahte die Tschechin eine entsprechende Frage der vorsitzenden Richterin. "Ich wollte den beiden aber nichts antun." Später sei die Polizei eingeschritten, als sie das Auto bereits wieder verlassen hatte.

Der nunmehrige Ex-Lebensgefährte der 29-Jährigen, ein niederländischer Staatsbürger, gab während seiner Befragung an, dass die Beschuldigte seine Bekannte an den Haaren zu Boden gezogen und anschließend getreten habe. Zum Pkw sei er danach nicht gegangen, auch nicht, um einen Schlüssel zu holen. Als die Angeklagte danach mit dem Fahrzeug auf ihn und die Frau zufuhr, habe er seine Begleiterin "zur Seite gestoßen" und sei selbst weggesprungen. "Sonst wären wir unter dem Auto gelegen", so der Mann.

Davon, dass ihr Begleiter sie gerade noch rechtzeitig wegbefördert habe, sprach auch die Bekannte des Niederländers im Rahmen der Befragung. Dass die Tschechin sie nur erschrecken habe wollen, "kann ich mir nicht vorstellen", sagte die Frau.

Ein Gutachten ergab, dass bei der Beschuldigten keine schwere psychische Störung vorliegt. "Sie funktioniert grundsätzlich wie gesunde Menschen", sagte der Sachverständige, der aber darauf hinwies, dass die 29-Jährige "vielleicht leichter entflammbar" als andere Personen sei.