Noch kein Zurück zur Musistund’ im Ybbstal. Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Anna Faltner. Erstellt am 14. April 2021 (05:31)
Links: Klarinettenschülerin Theresa Scheimer beim Unterricht mit Musiklehrer und Direktor Hubert Kerschbaumer. Rechts: Trotz Distance Learning lernt Antonia Michels (11) viel Neues am Klavier. Fotos: privat
privat

Vom normalen Unterricht ins Distance Learning, dann wieder zurück in die Musikschule – zumindest für den Einzelunterricht. Und jetzt? Jetzt wird wieder hauptsächlich in den eigenen vier Wänden musiziert. Sowohl Musiklehrer als auch Schüler wissen mittlerweile, wie der Unterricht online funktioniert. Die NÖN hat gefragt, wie sich die Situation auf den Lernerfolg und die Motivation auswirkt.

Nicht nur zum Üben, sondern auch für die Musikstunde nimmt Antonia Michels am Klavierstuhl bei sich zuhause Platz. Mit ihrer Klavierlehrerin Tata Asatiani-Aigner kommuniziert sie via Skype. „Die Umstellung ist schon jedes Mal ein bisschen komisch. Erst waren wir wieder in der Musikschule, dann wieder daheim. Aber das funktioniert eigentlich ganz gut“, erzählt die 11-jährige Waidhofnerin, die die zweite Klasse des Gymnasiums besucht. Ein wesentlicher Punkt bei der Online-Musikstunde ist die Kameraeinstellung.

„Wir haben das so eingerichtet, dass Tata meine Hände sehen kann und sieht, wie ich spiele“, erklärt Antonia Michels. Trotz der besonderen Situation ist sie mit ihrem Lernfortschritt zufrieden. „Wir haben viel weitergebracht und einige neue Stücke gelernt. Wenn ich ein Stück geschafft habe, nimmt meine Lehrerin das auf und veröffentlicht es auf YouTube. Das ist quasi der Ersatz für die Vorspielabende“, schildert die junge Pianistin, die seit vier Jahren Musikunterricht nimmt. Nichtsdestotrotz freut sie sich schon sehr auf die Rückkehr in den normalen Unterricht. „Für diese ungewöhnliche Zeit ist das sehr gut gelöst. Aber der Unterricht in der Musikschule wäre mir viel lieber. Das ist klar“, sagt sie. Einen kleinen Vorteil gibt es: Zuhause ist das Tragen einer Maske nicht notwendig.

„Man muss sich Ziele stecken. Jeder Lehrer braucht eine Strategie, wie er seine Schüler motiviert.“ Christian Blahous, Leiter vom Musikschulverband Waidhofen

Im Musikschulverband Waidhofen-Ybbstal ist Distance Learning angesagt. Eine Ausnahme gibt es seit dieser Woche für Schüler, die an einem Wettbewerb teilnehmen oder für ihre Übertrittsprüfung – Bronze, Silber oder Gold – Ende Mai proben. „Diese Schüler dürfen sich jetzt vorbereiten. Voraussetzung dafür ist ein tagesaktueller negativer Coronatest bei Schülern und Lehrern“, informiert Musikschulverbandsleiter Christian Blahous. Diese Regelung gilt, solange der Lockdown andauert.

Für die weiteren Musikschüler geht der Online-Unterricht, zumeist via Zoom-Meetings, weiter. „Die Müdigkeit für dieses Medium wird immer größer. Es ist nicht mit dem Präsenzunterricht zu vergleichen. Trotzdem sind alle recht fleißig und wir sind dankbar, dass das so gut funktioniert“, betont Blahous. Hinzu kommt, dass auch die Konzerttätigkeit komplett fehlt. „Da tritt eine Perspektivlosigkeit in den Alltag ein, weil man sich andere Ziele stecken muss. Jeder Lehrer muss sich eine Strategie überlegen, wie er seine Schüler motiviert.“ Der Verbandsleiter selbst unterrichtet Violine und Viola. Seine Strategie? „Möglichst viele lustige und kurze Stücke wählen. Mit der Technik gibt’s oft Probleme. Jetzt kann man die Kinder nur mit lustigen Stücken bei Laune halten.“

Ob da manch Schüler den Antrieb verliert? Eine leichte Tendenz zu Abmeldungen sei schon spürbar. Für den Februar hat der Verband die Unterrichtskosten um 30 Prozent ermäßigt. Immerhin sei die Situation auch für die Eltern keine einfache. „Wir sind sehr froh über die Geduld und Zusammenarbeit von allen Seiten“, betont Blahous.

Zoom und Skype werden auch im Musikschulverband Region Sonntagberg für den Unterricht am Laptop genutzt. „Das funktioniert natürlich nur mit Vor- und Nachspielen. Gemeinsam zu musizieren ist eher schwierig“, berichtet Verbandsleiter Hubert Kerschbaumer. Zusätzlich produzieren einige Lehrer Videos, in denen sie ihren Schülern Tipps geben und Stücke vorspielen. „Das machen wir schon seit einem Jahr. Am Anfang war das noch inte ressant. Aber jetzt ist die Situation eine andere. Vor allem nach Weihnachten war es sehr mühsam, die Kinder bei Laune zu halten“, verrät Kerschbaumer.

Zwischen den Lockdowns, wenn Präsenzunterricht möglich war, wurde umso motivierter gespielt. „Und auch jetzt im Distance Learning sind Kinder und Eltern unglaublich diszipliniert. Aber ich denke, dass die Belastbarkeitsgrenze der Zivilgesellschaft bald erreicht ist. Man spürt einen gewissen Widerwillen“, meint er. Kerschbaumer ist selbst Vater von zwei Musikschülern. „Wir haben den Vorteil, dass wir alle viel Musik zuhause machen. Wenn die Eltern selbst nicht musikalisch sind, ist das sicher schwieriger.“

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