Luchs „Cleo“ geht auf Menschen zu. Zwei von vier Luchsen entkamen aus Gehege und halten sich am Buchenberg auf. Scheu vor Menschen haben sie nicht. Wanderer äußern Ängste. Probleme gab es mit Hunden.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 22. August 2018 (05:01)
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Mehrere solche Bilder wurden von Wanderern und Joggern in den vergangenen Tagen aufgenommen, zum Teil aus zwei Meter Entfernung. Im Bild das Luchsweibchen „Cleo“ in typischen Pose als Lauerjäger.

Vor zwei Wochen hat der Naturpark Buchenberg das Entkommen von zwei seiner vier Luchse gemeldet. Die NÖN berichtete. Nachdem man annahm, dass die Tiere in ein passables Revier abwandern würden, gab man die Suche auf.

In den vergangenen Tagen häuften sich aber Sichtungen der beiden Tiere am Buchenberg in der Nähe der Oberen Kapelle unweit des Tierparks. „Das Luchsweibchen kam aus dem Wald schnurstracks auf mich zu und blieb zwei Meter vor mir stehen; Aug in Aug. Mir blieb das Herz stehen!“, beschreibt die Waidhofnerin Alice Kromoser, die täglich am Buchenberg wandert. „Ich glaube, sie hatte Hunger. Ich habe die Tiere schon Tage zuvor an der Stelle jammern gehört“, sagt sie.

„Von einem Luchs geht für einen Menschen keine Gefahr aus.“Luchsbeauftragter Felix Knauer

Ähnlich sind die Schilderungen anderer Wanderer, die ihre Sorge zum Ausdruck bringen, dass die Luchse deswegen Menschen angreifen könnten. Das befürchtet Tierparkbetreiber Andreas Plachy nicht. „Das Luchsweibchen ,Cleo‘ und ihr Junges verhalten sich artgerecht. Sie haben nachweislich zwei Rehe gerissen, wahrscheinlich sogar drei“, sagt Plachy. Entsprechende Kadaverfunde beweisen das.

Stadt führte mit Plachy „ernstes Gespräch“

Für Bürgermeister Werner Krammer ist die Situation alles andere als zufriedenstellend. „Wir haben am Freitag mit Plachy ein ernstes Gespräch geführt und ihn aufgefordert, die Tiere einzufangen“, so Krammer. Als zielführende Methode erachtet man die Betäubung der Tiere mit Betäubungsmunition – was Plachy bereits versucht hat.

„Ich habe das Muttertier getroffen, aber die Spritze löste nicht aus, sodass die Luchse flüchteten.“ Nun stellt man auch eine Falle auf. Brenzlige Situationen gab es indes mit Hunden. Das Sprichwort „wie Hund und Katz“ beschreibt, dass sich die Tiere naturgemäß nicht gut verstehen. „Ich hatte Angst, dass der Luchs auf meinen kleinen Hund losgeht, und dieser zog wie wild an der Leine“, so eine Wanderin, die nun den Buchenberg meidet.

Felix Knauer: "Keine Gefahr für Menschen"

Für den Luchsbeauftragten des Landes NÖ Felix Knauer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien geht für Menschen vom Luchs keine Gefahr aus. „Wenn jemand Angst bei der Ansicht des Luchses empfindet, ist das verständlich, aber ein subjektives Empfinden, das mit objektiver Gefahr nichts zu tun hat“, so Knauer. Der Luchs hat ganz bestimmte Beutevorstellungen. „Ein Luchs ist natürlicher Teil unseres Ökosystems und braucht pro Woche ein Reh“, weiß auch Plachy. Das sind rund 50 Rehe im Jahr.

Auf eine rechtliche Problematik verweist Luchsbeauftragter Knauer: „Nach dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch gilt ein entlaufenes Wildtier in den ersten 42 Tagen nach dem Entlaufen als Eigentum des Besitzers. Der Tierpark ist also nach wie vor für den Luchs und sein Tun verantwortlich. Danach gilt dieser als herrenloses Wildtier und unterliegt dem NÖ Jagdgesetz.“ Nach dem Jagdgesetz gilt der Luchs in NÖ zwar als Wildtier aber nicht als jagdbar. „Es kann danach aber das Land eine Ausnahmegenehmigung geben und das Tier zum Abschuss freigeben“, so Knauer.

„Ich hoffe, dass wir die Tiere erwischen und dass sie nicht beim Präparator landen“Tierparkbetreiber Andreas Plachy

Plachy hofft, dass er dieser Entscheidung zuvorkommt und die Luchse fängt. „Ich hoffe, dass wir die Tiere erwischen und dass sie nicht beim Präparator landen“, so Plachy. Dafür hat er noch drei Wochen Zeit. Das wünscht sich auch Joggerin Alice Kromoser: „Fangt die Luchse, aber schießt sie nicht ab!“

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