Neues Denkmal in Böhlerwerk

Mit dem Projekt „Ein kleiner Flecken Erde“ errichtete ein Team rund um David Dobetsberger und Alois Graf auf einer Parkplatzfläche ein Mahnmal gegen Bodenfraß.

Christa Hochpöchler Erstellt am 22. September 2021 | 04:21

Täglich werden in Österreich rund 20 Fußballfelder der Landwirtschaft entzogen, überall wird gebaut und Böden werden versiegelt. Trotzdem ist das Thema noch nicht überall angekommen. Ein Team rund um David Dobetsberger und Alois Graf machte sich im Rahmen des NÖ Viertelfestivals am Samstag Gedanken um einen kleinen Flecken Erde im Zentrum von Böhlerwerk, ökologische Gesichtspunkte standen dabei im Mittelpunkt.

Geschaffen wurde eine 2 x 1,5 Meter große Fläche, überdeckt mit einer gelaserten Corten stahlplatte, die Risse imitieren soll. „Die Pflanzen sollen sich den Weg ans Licht suchen und wuchern dürfen, es soll ein Symbol dafür sein, dass Ressourcen endlich sind. Typische Pioniergehölze wie etwa Birke oder Eberesche sollen sich einfinden und Wildstauden und Wildkräuter sollen sich ansiedeln“, erzählte Dobetsberger über die Überlegungen zum Mahnmal.

Nachdem Umweltgemeinderat Josef Rumpl symbolisch eine letzte Pflanze eingesetzt hatte, thematisierte die namhafte Raumplanerin Gerlind Weber die zunehmende Bodenversiegelung samt allen Begleiterscheinungen. Die Erhaltung der Böden für die Landwirtschaft ist für sie vorrangig. „Durch Corona haben wir den Vorgeschmack einer ernsthaften Krise bekommen“, sagte Weber. „Die Ernährungssouveränität sollte für ein Land oberste Priorität haben, in Österreich wird jedoch bereits jede dritte Kalorie aus dem Ausland importiert. Die verbleibenden Ackerflächen müssen intensiv bearbeitet werden, um die Erträge zu sichern, so wird die Landwirtschaft auch Treiberin im Klimawandel.“

Die Wissenschaftlerin kritisierte die zunehmende Zersiedelung: „Der Standort ist entscheidender als die bauliche Beschaffenheit eines Gebäudes. Ein Passivhaus, weit weg vom Ortszen trum, benötigt mehr Energie und Fläche als ein herkömmliches Gebäude im Zentrum.“ Auch die Umstellung auf erneuerbare Energieträger, wie Windparks, Solarfarmen oder Geothermie, würde Flächen benötigen, ebenso wie der Ausstieg aus dem Plastikzeitalter die noch unverbauten Böden bedrohe, da nachwachsende Rohstoffe für den Industrie- und Energieplanzenanbau Ackerland, das eigentlich für die Lebens- und Futtermittelproduktion zur Verfügung stehen sollte, benötigen würden. Weber fordert den Stopp weiterer Landschaftsfragmentierung und ein Vernetzen naturnaher Lebensräume. „Die boden- und geldverschlingende Zersiedelung beraubt die kommenden Generationen ihrer Freiheit“, sagte die Wissenschaftlerin und appellierte zum sorgsameren Umgang.