Hollensteins Bürgermeisterin "Zusammenwachsen fehlt". Hollensteins Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer (SPÖ) über Corona, große Projekte und die politische Zusammenarbeit.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 18. Juni 2021 (07:59)
Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer
Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer (SPÖ) ist froh, dass sich die Corona-Lage in der Gemeinde wieder entspannt hat. Mit der politischen Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen ist sie weniger zufrieden. Diese würden derzeit reine Oppositionspolitik machen, meint sie.
Kössl

NÖN: Die Corona-Lage hat sich zuletzt auch in Hollenstein entspannt. Wie ist man durch den Lockdown der letzten Monate gekommen und wie ist die Stimmung in der Bevölkerung?

Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer: Wir sind Gott sei Dank seit Mitte Mai Corona-frei. Durch den Lockdown sind wir, dank der zahlreichen fleißigen Helferinnen und Helfer, sehr gut gekommen. Aber wie überall anders gibt es auch bei uns einen gewissen Prozentsatz in der Bevölkerung, der kritisch hinterfragt und nicht gerne Maske trägt. Ich werte aber auch das als positiv, denn so entwickelt man sich weiter. Die Stimmung ist in Summe gut.

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen. Wie geht es da Hollenstein?

 Auch wir hatten, wie alle anderen, Verluste, auch bei uns wurden die Landes- und Bundesmittel dementsprechend gekürzt. Die Kommunalsteuer ist zwar rückläufig, aber nicht so sehr wie in anderen größeren Gemeinden, da kleine Betriebe doch konstant ihre Steuern zahlten. Bei den Investitionen haben wir versucht, wirklich nur die Projekte umzusetzen, die unbedingt notwendig sind.

Welche Projekte wurden nach hinten verschoben?

Etwa das Trinkwasserkraftwerk am Königsberg. Das geht jetzt erst in die Einreichphase. Andere Projekte, wie die Mure Gallenzen und den Hochwasserschutz, muss man aber einfach machen. Das sind natürlich große finanzielle Belastungen. Aber mit Unterstützung von Land und Bund heißt es da: Augen zu und durch!

Kommen wir gleich auf diese beiden Projekte zu sprechen. Was wird da investiert und wie weit ist man?

Bei der Mure Gallenzen werden 2,45 Millionen Euro und beim Hochwasserschutz an der Ybbs 1,3 Millionen Euro investiert. Diese beiden Projekte hängen ja in gewisser Weise zusammen. Der Aushub der Mure wird als Schüttmaterial beim Hochwasserschutz verwendet. Das wurde technisch geprüft und als möglich erachtet. Das Aushubmaterial hat die notwendige Dichte, damit kein Wasser durchkommt. Da gibt es also gewisse Synergieeffekte. Der Hochwasserschutz soll bis zum Frühjahr, Sommer nächsten Jahres fertiggestellt werden. Das Murenprojekt wird aufgrund der Größe des Projekts länger dauern.

Vor gut einem Jahr hat der Hollensteiner Gemeinderat ein neues Entwicklungskonzept abgesegnet. Darin wurde der Bereich Steinhaufen als potenzielles Betriebsgebiet ausgewiesen. Ist da schon etwas Konkretes geplant?

Nein, aber es ist nach vor ein Thema. Derzeit gibt es eine konkrete Anfrage für dieses Gebiet. Aber für einen Betrieb alleine wäre die Aufschließung einfach zu kostenaufwendig. Es braucht ja einen Kanal- und Wasseranschluss. Da hätte ich schon gerne, dass man das nicht nur für einen Betrieb macht. Wir sind da deshalb noch auf der Suche nach potenziellen Betrieben. Was ich dabei aber festhalten möchte: Ein Entwicklungskonzept bedeutet, dass man sich Gedanken über dieZukunft macht, und nicht, dass die Fläche schon gewidmet ist. Durch das Entwicklungskonzept ist man dann aber beim Widmungsverfahren schneller in der Umsetzung. Beim Gebiet Steinhaufen ist es so, dass erst umgewidmet wird, wenn es zwei, drei Betriebe gibt, die sich dort ansiedeln wollen.

Die Petition der Ybbstaler Bürgermeister an den Verkehrslandesrat, in welcher der Ausbau derB 121 im Bereich Kematen gefordert wurde, stieß bei Klimaschützern auf viel Widerstand. Braucht es diesen Ausbau wirklich?

Ich kann die Widerstände verstehen. Ich möchte aber auch festhalten, dass das nur ein Teil der Petition ist. Darin finden sich auch vier andere Punkte, die genauso wichtig sind – zum Beispiel die Sicherheit imOfenloch. Meine Unterschrift der Petition sehe ich auch unter diesem Gesichtspunkt. Der Ausbau der B 121 war schon immer ein Thema. Das Verkehrsaufkommen ist dort einfach groß. Ich glaube, über kurz oder lang wird kaum ein Weg daran vorbeiführen.

Es gibt ja Pläne eines Handelskonzerns in Hollenstein, einen neuen Lebensmittelmarkt zu errichten. Ist dieses Vorhaben schon spruchreif?

Fakt ist, dass es hier Gespräche gibt. An sich sehe ich ein zusätzliches Lebensmittelgeschäft in der Gemeinde positiv, weil entwicklungstechnisch Hollenstein nichts Besseres passieren kann, wenn die Nahversorgung gesichert ist. Außerdem könnte ein zusätzliches Geschäft den Kaufabfluss in andere Gemeinden verhindern und mehr Wertschöpfung im Ort halten.

Wie schaut es in Hollenstein im Wohnbereich aus? Sind da gerade Projekte am Laufen?

Wir sind da sehr aktiv. Von den zehn Parzellen auf den Steinhausgründen sind bereits neun fix verkauft und fünf verbaut. Im Laufe des Jahres kommen noch zwei dazu. Und auch auf den Lusgründen sind schon etliche Grundstücke verkauft und verbaut. Da sind noch sieben Bauflächen frei. Man könnte sagen, wir haben momentan einen Bauboom in Hollenstein.

Wie schaut es im Wohnungsbereich aus?

Ich glaube, wenn ein neuer Wohnbau entstehen würde, wäre der auch bald voll. Die Siedlung Amstetten hat ja noch einen Wohnbau in Hollenstein offen. Da sind wir dabei, dies in die Umsetzung zu bringen. In ein bis zwei Jahren wird das sicher spruchreif. Wir sind gerade am Tüfteln, ob man dabei eher Richtung junges Wohnen geht oder das so kombiniert, dass man auch seniorengerechtes Wohnen möglich macht.

Ein zentrales Projekt im letzten Jahr war der Rathaus-Umbau. Seit Herbst ist das neu gestaltete Amtsgebäude nun in Betrieb. Wie sind Sie mit den neuen Räumlichkeiten zufrieden?

ich bin sehr zufrieden und auch sehr stolz darauf. Der Mix aus Bewahrung des Alten und Modernität ist uns auf jeden Fall gelungen. Ich bin hier optimistisch und glaube, dass wir hier für die nächsten 100 bis 200 Jahre etwas Großartiges geschaffen haben.

Das Rathaus hat nun einen neuen Veranstaltungssaal bekommen. Ist dort oder anderswo in der Gemeinde in nächster Zeit etwas geplant?

Corona-bedingt sind wir hier noch sehr vorsichtig. Die Jubilar-Feiern, die wir zuletzt nicht durchführen konnten, möchte ich nun in Kleingruppen nachholen. Dafür werden wir unseren neuen Veranstaltungssaal nutzen. Daneben gibt es für einen Bergrettungs-Dämmerschoppen bereits eine Anfrage für den 2. Juli im Vereinsheim. Auch das Strandfest wird es hoffentlich geben. Angedacht ist auch wieder unser Ferienspiel. Da sind wir schon fest in der Planung. Es ist wichtig, dass wir für die Kinder und Jugendlichen eine gewisse Normalität schaffen und sie unsere Vereine kennenlernen.

Hat Corona der Gemeinde touristisch einen Rückschlag beschert oder dazu geführt, dass mehr heimische Touristen kamen?

Sowohl als auch. Natürlich hat es überall Corona-bedingt einen Dämpfer gegeben. Die Nächtigungsgäste sind klarerweise weniger geworden. Die Tagesausflügler sind aber weit mehr geworden. Der Radweg boomt. Durch die Aktivitäten, die wir koordiniert über die Ybbstaler Alpen machen, und das Vernetzen der Gemeinden untereinander merkt man, dass unser Angebot besser wird und die Gäste, die kommen, länger bleiben.

Seit Herbst gibt es im Vereinsheim eine Tagesbetreuungsstätte. Wie wird diese angenommen?

Die wird sehr gut angenommen. Es hat sich gezeigt, dass diese Betreuungseinrichtung ein wichtiger Schritt war. Momentan haben wir acht Kinder, die betreut werden. Platz hätten wir für 15 Kinder. Im Vereinsheim haben wir für zwei Jahre eine Genehmigung. Wir überlegen nun, wie wir die Kinderbetreuung am Kindergarten-Standort inkludieren können.

Die Gemeinderatswahlen Anfang des Vorjahres haben für einige Veränderungen in der politischen Landschaft Hollensteins gesorgt. Wie schaut es aktuell mit der Zusammenarbeit mit dem politischen Mitbewerb aus? Bei den letzten Umlaufbeschlüssen des Gemeinderats fielen wenige Entscheidungen einstimmig aus.

Wir sind hier nach wie vor in einer Findungsphase. Die anderen Fraktionen machen derzeit ganz klar Oppositionspolitik. Das Zusammenwachsen hat noch nicht so stattgefunden, wie ich mir das gewünscht hätte. Ich habe das Gefühl, dass bei den anderen Fraktionen derzeit Personen aktiv sind, die eher das Trennende suchen als auf das gemeinsame Wohl der Gemeinde zu schauen.