Zebenholzer: „Ziehen alle an einem Strang“. Hollensteins Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer über Tourismus und Wohnen sowie anstehende Großprojekte.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 31. August 2018 (05:48)
Kössl
Seit gut zwei Jahren ist Hollensteins Ortschefin Manuela Zebenholzer nun im Amt. Aus jetziger Sicht kann sie sich vorstellen, bei der Gemeinderatswahl 2020 an der Spitze der SPÖ Hollenstein ins Rennen zu gehen. 

Frau Bürgermeister, in den letzten Monaten gab es einige Baustellen in Hollenstein. Was wurde da umgesetzt bzw. ist noch am Laufen?

Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer: Ja, wir hatten einen sehr aktiven Sommer im Baustellenbereich. So wird die Bushaltestelle „Ortsmitte“ an die Bundesstraße B 31 verlegt, wodurch wir eine radfreundliche Haltestelle bekommen, die mit dem Radtramper anfahrbar ist. Gleichzeitig wurden hier bereits Elemente des zukünftigen Hochwasserschutzes umgesetzt und das neue Recyclingplatzl hierher verlegt. Noch diese Woche soll asphaltiert werden. Im Zuge dieser Baustelle wurde auch das Saunawegerl asphaltiert und verbreitert, damit es auch für die älteren Personen begehbar bleibt. Hier kommt noch ein Geländer hin. Das soll zum Schulstart fertig sein.

Stichwort Hochwasserschutz: Was ist da wann geplant?

Zebenholzer: Hier sind wir gerade in der Projektierung. Geplant ist, dass der Hochwasserschutz in Hollenstein ab 2020 umgesetzt wird. Wir setzen aber schon Elemente um, wenn wir Arbeiten an der Ybbs durchführen, um hier Synergien zu nutzen. Das haben wir jetzt bei der Bushaltestelle so gemacht.

Wie hat sich die Umstellung auf die Recyclingplatzl in Hollenstein ausgewirkt?

Zebenholzer: Wir haben diese Umstellung für eine Bereinigung genutzt, indem wir uns nun auf drei Standorte konzen- trieren. Manche Siedlungen sind froh, dass die Müllinseln nun weg sind, weil damit auch der Lärm vom Glaseinwerfen verschwunden ist.

Für viel Aufregung im Bezirk Amstetten hat die Umstellung auf den Gelben Sack bei der Plastikmüllsammlung gesorgt. Wie war das in Hollenstein?

Zebenholzer: Es war jetzt nicht der große Aufreger, aber es war schon Thema. Wir hatten mittlerweile schon mehrere Abholtermine. Manches hätte man da vielleicht besser organisieren können, aber in Summe läuft die Umstellung ganz gut.

Durch den Ybbstalradweg boomt der Radtourismus im Ybbstal. Wie wirkt sich das auf Hollenstein aus?

Zebenholzer: Es wirkt sich sehr positiv aus. Das zeigt sich an den Nächtigungen. Aber auch die Wirte am Dorfplatz und auch am Königsberg profitieren davon.

Wo gäbe es noch Potenzial?

Zebenholzer: In der Gastronomie sind wir gut aufgestellt. Wir haben im Dorf vier Wirte und die Konditorei, das passt sehr gut. Bei den Beherbergern gäbe es aber noch Potenzial. Speziell bei den Privatzimmervermietern wäre es schön, wenn da noch etwas passieren würde. Da hoffen wir noch auf die Initiative von Einzelnen.

Wie sieht die touristische Entwicklung am Königsberg aus, der mit dem Bikepark und dem Skilift ja nun ganzjährig bespielt wird?

Zebenholzer: Der Königsberg entwickelt sich sehr gut. Wir haben so um die 40 bis 60 Liftgäste täglich. Positiv wirkt sich auch der Shop aus und die Möglichkeit, dass man sich Räder ausborgen kann – sowohl für den Bikepark als auch zum klassischen Mountainbiken.

Zusätzlich versucht man den Königsberg als Event-Location zu etablieren?

Zebenholzer: Ja, am Samstag findet wieder das Königsberg-Open-Air mit Tagträumer und WIR4 statt. Da werden um die 1.000 Besucher erwartet.

Im Juni gab es bei der Mure Gallenzen kurzzeitig einen Alarm. Wie sieht es hier mit langfristigen Sicherungsmaßnahmen aus?

Zebenholzer: Wir haben die Situation im Juni zum Glück relativ rasch wieder in den Griff bekommen. Was die langfristige Sicherung der Mure Gallenzen betrifft, so wird jetzt nochmals überprüft, ob das Projekt von der Dimensionierung her passt. Dann ist geplant, die ganzen Behördenwege noch heuer zu erledigen und die Finanzierung zu klären, damit wir im Frühjahr 2019 mit dem Bau beginnen können.

Ein weiteres großes Projekt ist die anstehende Rathaussanierung. Wie weit ist man da?

Zebenholzer: Der Umbau soll im Frühjahr 2019 starten. Das Gemeindeamt wird währenddessen ins Vereinsheim siedeln. Dafür werden ab Oktober dort noch Umbaumaßnahmen durchgeführt werden.

Wie stemmt man diese Großprojekte budgetär?

Zebenholzer: Was die Mure betrifft, so haben wir vom Land NÖ eine Finanzierungszusage über zehn Prozent der Bausumme bekommen. Das ist durchaus machbar. Das Rathaus haben wir an die Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Amstetten (GWSG) verkauft. Diese saniert das Gebäude, danach mieten wir es zurück, bis wir die Summe wieder zurückgezahlt haben. Wir haben hier also schon Finanzierungsmodelle, die für die Gemeinde umsetzbar sind. Beim Rathaus möchten wir außerdem Fördermöglichkeiten nutzen.

Im Ortszentrum werden nun Baugründe aufgeschlossen. Wie ist der Andrang?

Zebenholzer: Das Interesse ist sehr groß. Die zehn Gründe sind de facto schon vergeben. Es haben sich lauter Hollensteiner Jungfamilien dafür gefunden, das ist sehr positiv für den Ort. Wir könnten noch mehr Baugründe brauchen.

Gibt es derzeit noch ein weiteres Angebot an Baugründen?

Zebenholzer: Ja, im Bereich der Unterleiten werden sechs Gründe der Bundesforste aufgeschlossen. Wir haben eben ein Raumordnungsentwicklungsprojekt gestartet, weil die Baulandmobilisierung ein großes Thema bei uns ist.

Wie sieht es mit dem Wohnungsangebot in Hollenstein aus?

Zebenholzer: Hier haben wir an der Ortseinfahrt sechs Häuser der GWSG, wo bis auf eine derzeit alle Wohnungen vergeben sind. Ein Wohnungskomplex kommt da noch dazu.

Wie äußerst sich die Nachfrage nach Wohnraum in den Bevölkerungszahlen? Hat man Zuzug?

Zebenholzer: In den letzten zwei Jahren haben wir wieder steigende Geburtenzahlen und es ziehen vermehrt wieder junge Leute zurück nach Hollenstein, um den eigenen Kindern ein Aufwachsen zu ermöglichen, wie sie es selbst erlebt haben.

Ist man in Sachen Kinderbetreuung in Hollenstein gut versorgt?

Zebenholzer: Wir starten jetzt mit September wieder mit einer Nachmittagsbetreuung für die Volksschule und die Neue Mittelschule. Die Mindestanzahl von zehn Kindern, die dafür nötig ist, haben wir erreicht.

Die Infrastruktur für dieses Angebot hat man?

Zebenholzer: Ja, wir haben dafür über den Sommer den Turnsaal saniert, um den Schülern und Lehrern einen gewissen Standard bieten zu können. Auch im Außenbereich gab es Adaptierungsmaßnahmen, damit die Kinder das nutzen und mitgestalten können. In der ersten Schulwoche werden noch Sträucher gepflanzt und eine Sitz-Arena gebaut.

Mit dem „Zeitreisewaggon“ hält Hollenstein die Geschichte der Ybbstalbahn lebendig. Was ist hier geplant und wie weit ist man?

Zebenholzer: Hier sind wir gerade bei der Außengestaltung. Im Laufe der nächsten Wochen sollen Tafeln mit Infos zur Ybbstalbahn aufgestellt werden. Im Waggon, den uns der Club 598 zur Verfügung gestellt hat, wird ein Minimuseum eingerichtet. Auch da sind wir gerade dabei. Mir ist wichtig, dass wir die Geschichte der Ybbstalbahn bewahren, da sie doch wesentlich zum wirtschaftlichen und touristischen Aufschwung des Ybbstals beigetragen hat.

Welche Projekte hat man in der Gemeinde noch gerade am Laufen?

Zebenholzer: Was Bauprojekte betrifft, so führen wir in der Kalchauersiedlung gerade Wasserleitungs- und Kabelverlegungsarbeiten durch. Dieses Bauprojekt soll bis Ende September abgeschlossen werden. Im Frühjahr soll dann asphaltiert werden. Außerdem sind wir gerade auf dem Weg, um „Natur im Garten“-Gemeinde zu werden.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem politischen Mitbewerb?

Zebenholzer: Sehr gut, wir ziehen alle an einem Strang.

Sie sind nun seit gut zwei Jahren im Amt. 2020 finden wieder Gemeinderatswahlen statt. Werden Sie wieder für das Bürgermeisteramt zur Verfügung stehen?

Zebenholzer: Wie es zurzeit ausschaut schon, aber ich kann das natürlich nicht alleine entscheiden. Das Bürgermeisteramt ist auf jeden Fall eine Herausforderung, aber auch eine sehr schöne Aufgabe.