Filmverortung im Kino: Waidhofen/Ybbs im Film. Wilma Calisir und Andreas Leitner geben mit vier Filmschauen Einblicke in die historischen und aktuellen Verbindungen zwischen dem Medium Film und Waidhofen.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 04. Juni 2021 (07:01)

Am 13. Juni findet in der Filmbühne Waidhofen der erste von vier Terminen der Filmverortungen statt, eines Projekts, das Wilma Calisir und Andreas Leitner von der Filmbühne für das Viertelfestival entwickelt haben.

„Es hat natürlich damit zu tun, dass Andreas das Kino übernommen hat und da war eben der Gedanke da, sich das alles mal historisch anzusehen, also auch Waidhofen filmgeschichtlich zu betrachten“, erinnert sich Wilma Calisir an die ursprüngliche Idee zu dem Projekt. „Das Viertelfestival wäre ja schon für letztes Jahr geplant gewesen, wurde dann aber verschoben und dadurch hat sich noch einmal einiges geändert. Man denkt auch über die Pandemie nach und darüber, was dieser Ort Kino bedeutet.“

„Wir wollten das aufbrechen, dass das Kino immer nur anbietet.“ Projektinitiatorin Wilma Calisir

Bezugnehmend auf das Thema des diesjährigen Viertelfestivals „Bodenkontakt“ stellten Calisir und Leitner Nachforschungen zur Geschichte des Mediums Film in Waidhofen an. Als seit mehr als 80 Jahren existierende cineastische Institution bot sich die Filmbühne Waidhofen auch als perfekter Ort an, die Ergebnisse dieser Recherchen zu präsentieren.

Film als regionales Kulturgut stärken

„Wir wollten auch etwas machen, das das Bewusstsein in der Region für Film als Kulturgut stärkt und als etwas, das schon sehr lange da ist, aber vielleicht gar nicht so als regionales Kulturgut gesehen wird. Es wird vielleicht manchmal so gesehen, als ob Film etwas ist, das nur von außen, zum Beispiel aus Hollywood kommt, aber das stimmt in dem Fall so nicht, weil es auch wirklich in der Region verankert ist“, erklärt Wilma Calisir die Beweggründe hinter dem Projekt.

An vier Terminen im Juni, Juli, August und September kann man Einblicke in die historischen und aktuellen Verbindungen zwischen dem Medium Film und der Region gewinnen.

Bei der Matinee am 13. Juni wird ein Remix von Gernot Grassl aus Filmen, die in Waidhofen gedreht wurden, eine historische Kurzdoku von Karl Piaty sowie der wohl älteste erhaltene Film über Waidhofen aus dem Jahr 1926 gezeigt. Dieser wurde von Marco Gstettenhofer vom Filmarchiv Austria neu digitalisiert und wird vom international erfolgreichen Waidhofner Filmkomponisten Walter Mair vertont.

Am 16. Juli werden die in Waidhofen gedrehte Erotik-Komödie „Wenn Mädchen zum Manöver blasen“ aus dem Jahr 1974 und der preisgekrönte Kurzfilm „Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin“ gezeigt.

Der Open-Screen-Abend am 27. August öffnet die Leinwand für Beiträge von Filmemacherinnen und Filmemachern aus der Region. Wer Interesse hat teilzunehmen, findet Infos dazu auf der Website der Filmbühne Waidhofen (siehe Infokasten).

Neue Anforderungen werden berücksichtigt

Es war den Projektverantwortlichen auch ein Anliegen, auf die sich verändernden technischen Gegebenheiten und deren Auswirkung auf DIY-Filmschaffende einzugehen, erklärt Calisir: „Durch Smartphones und Tablets und die ganzen digitalen Möglichkeiten ist es so, dass die Leute viel mehr filmen und so auch mehr kürzere Formate entstehen, gleichzeitig hat aber das Kino als Ort nach wie vor einen Wert.“ Gleichzeitig sollte auch die klassische Rollenverteilung zwischen Kino und Publikum hinterfragt werden, wie Calisir anmerkt: „Wir wollten das aufbrechen, dass das Kino immer nur anbietet.“

Am 19. September wird schließlich die historische Liebeskomödie „Das Jüngste Gericht“ zu sehen sein, die 1939 in Waidhofen gedreht wurde. Dieser Termin wird in Kooperation mit dem Filmarchiv Austria präsentiert und im Vorprogramm wird eine analoge Mehrfachprojektion von Fabian M. Anger gezeigt. Auch der Hauptfilm wird an diesem Tag auf dem historischen 35mm-Projektor der Filmbühne gezeigt.

Filmbühne seit Ende Mai wieder geöffnet

Nachdem die Filmbühne aufgrund der Covid-Pandemie seit November 2020 geschlossen war, konnte sie Ende Mai nun wieder die Pforten öffnen. Die Filmverortungen finden zusätzlich zum regulären Programm statt.

Seit der Wiedereröffnung ist auch eine Schaufensterinstallation zu sehen, die ebenfalls im Rahmen des Viertelfestivals umgesetzt wurde. Das Werk mit dem Titel „Open, closed, open“ bezieht sich auf die Unsicherheit durch die Pandemie und das Leben und wurde von Louis Funke und the Snips umgesetzt.