Karin Harlache erradelte 2.850 Euro für NF-Kinder. Karin Harlacher aus Opponitz fuhr mit Fahrrad bis zum Schwarzen Meer um auf seltene Krankheit aufmerksam zu machen.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 25. August 2019 (04:36)

3.159 Kilometer hat Karin Harlacher heuer mit dem Fahrrad zurückgelegt, um ein Bewusstsein für die Krankheit Neurofibromatose (NF) zu schaffen. Aufgeteilt auf zwei Etappen war die 48-jährige Opponitzerin im April und im Mai sowie im Juni und im Juli jeweils drei Wochen am Donauradweg unterwegs, um dem Lauf der Donau von ihrem Ursprung im Schwarzwald in Deutschland bis zu ihrer Mündung ins Schwarze Meer zu folgen.

Ausgangspunkt für ihre Radreise war der Tod ihres Vaters Martin Harlacher im September des Vorjahres. Dieser wurde im ehemaligen Banat (im heutigen Serbien) geboren, musste seine Heimat jedoch während des Zweiten Weltkriegs im Alter von fünf Jahren verlassen und landete schließlich nach einer langen Odyssee mit einem Teil seiner Familie in Amstetten, wo er eine neue Heimat fand. Die Radtour am Donauradweg sollte zu einer familiären Spurensuche werden.

Gleichzeitig wollte die Opponitzerin aber auch für einen guten Zweck in die Pedale treten. So beschloss sie, mit ihrer Radreise auf die Krankheit Neurofibromatose, an der die Tochter ihre Arbeitskollegin Viktoria Dobner leidet, aufmerksam zu machen. Als Lara eineinhalb Jahre alt war, erhielt die Neuhofner Familie nach einem Gentest die Diagnose, dass ihre Tochter an dieser seltenen und noch viel zu wenig beachteten Krankheit leidet.

Spendenaktion: Ein Euro für jeden Kilometer

Eine langwierige medizinische Behandlung, die mit zahlreichen Entbehrungen für das kleine Mädchen verbunden war, folgte. Zum Glück schlug die Behandlung an: Mittlerweile ist Lara fünf Jahre alt und besucht den Kindergarten.

Karin Harlacher setzte sich zum Ziel, für jeden am Donauradweg geradelten Kilometer einen Euro an Spendengeld zu sammeln. Dieses Geld sollte dann an den in Wien ansässigen Verein NF Kinder, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Bewusstsein für Neurofibromatose zu schaffen und durch Forschung bessere Behandlungsmethoden und Medikamente zu ermöglichen, gehen.

Dazu wurden etwa im Radwegstüberl in Kogelsbach und im Geschäft Sportwerk in Göstling Spendenboxen aufgestellt. Die Spendenaktion fand großen Anklang und so konnte Karin Harlacher am Donnerstag der Vorwoche im Zuge einer kleinen Feier am Ybbstalradweg beim Strandbad Göstling 2.850 Euro an den Verein NF Kinder übergeben.

Gleichzeitig berichtete die Opponitzerin im Rahmen eines Bildervortrags von ihren Erlebnissen am Donauradweg. Nach der Anreise per Zug startete die erste Etappe bei eher durchwachsenem Wetter im deutschen Donaueschingen. Kurz zuvor hatte sich noch die Göstlingerin Monika Paumann bei der Opponitzerin gemeldet. Sie wollte eine Woche lang vom Donauursprung weg mitradeln. Rund 100 Kilometer legten die beiden Ybbstalerinnen in Folge auch bei Regen und Kälte am Tag zurück. In Ybbs verabschiedete sich Paumann und Harlacher setzte ihre Reise alleine fort. „Das war anfangs schon etwas einsam“, sagt Harlacher.

Denn, auch wenn wir uns vorher nicht gekannt haben, sind wir doch 800 Kilometer gemeinsam geradelt.“ Auf ihrer weiteren Fahrt sollte die Opponitzerin aber noch zahlreiche weitere nette Reisebekanntschaften machen.

Über Wien und Bratislava ging es nun weiter nach Budapest und von dort über Kroatien nach Serbien, wo die erste Etappe nach 17 Radtagen in Belgrad endete. Doch so reibungsfrei die Radfahrt verlaufen war, so schwierig gestaltete sich die Heimreise. Mit einheimischer Unterstützung gelang es der 48-Jährigen aber schließlich doch, einen Bus zurück zu finden.

Auf 3.159 Kilometern nie ans Aufhören gedacht

Ende Juli reiste Harlacher dann mit dem Flugzeug nach Belgrad, um die zweite Etappe ihrer Radtour in Angriff zu nehmen. Diese endete nach 15 Radtagen im Donaudelta, wo Harlacher noch ein paar Tage verbrachte, ehe es am 21. Juli wieder zurück ins Ybbstal ging.

Ans Aufhören dachte die Opponitzerin während ihrer Radtour nie, auch wenn sie ein Brechdurchfall einmal kurzzeitig außer Gefecht setzte und eine gerissene Speiche für eine weitere Verzögerung sorgte. „Schwierig war eher das Heimkommen und dann von 100 auf null zurückzuschalten“, sagt Harlacher, der bereits weitere Reiseideen im Kopf herumschwirren. Ob es wieder eine Radtour sein wird, ist derzeit allerdings noch offen.

Von der Radreise angetan zeigte sich auch der Göstlinger Bürgermeister Friedrich Fahrnberger: „Ich bedanke mich für das Engagement und die Energie, die in dieses tolle Projekt geflossen sind“, gratulierte er.