Spar-Markt schloss Pforten: „Eine Ära geht zu Ende“. Spar-Markt in Opponitz schloss am vergangenen Mittwoch seine Pforten. Bäckerei Rosenberger baute Betrieb aus, um so Lebensmittelversorgung sicherzustellen.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 07. August 2019 (05:12)
Hagauer
Nach 37 Jahren schloss der kleine Spar-Markt im Ortszentrum von Opponitz am vergangenen Mittwoch seine Pforten. Inhaberin Christine Jagersberger und ihre Schwester Gundi Frank (v.r.) leiteten jahrelang die Geschicke des Nahversorgers.

Es war eine sehr emotionale Woche für die Gemeinde Opponitz. Der Spar-Markt im Ortszentrum, der von Christine Jagersberger 37 Jahre lang mit viel Liebe betrieben wurde, schloss am Mittwoch seine Pforten. „Einerseits bin ich erleichtert, da nun eine große Last wegfällt“, sagt Christine Jagersberger. In den letzten Jahren schupften hauptsächlich sie und ihre Schwester Gundi Frank im wahrsten Sinne des Wortes den Laden. „Das war schon sehr anstrengend“, sagt Jagersberger. „Aber natürlich bin ich auch traurig deswegen. In der letzten Woche haben wir sehr viele emotionale Momente erlebt.“

In den letzten Tagen herrschte noch einmal Hochbetrieb in dem kleinen Geschäft im unteren Dorf. Viele Opponitzer kamen vorbei, um noch ein letztes Mal in „ihrem“ Spar einzukaufen und um Christine Jagersberger und Gundi Frank alles Gute für ihre Zukunft zu wünschen. „Wie es für mich jetzt weitergeht, kann ich noch nicht sagen“, sagt Jagersberger. „In den nächsten Wochen stehen aber einmal Aufräumarbeiten an.“

„Einerseits bin ich erleichtert, andererseits aber auch traurig. In der letzten Woche haben wir viele emotionale Momente erlebt.“Christine Jagersberger

Auch Bürgermeister Johann Lueger sieht es mit Bedauern, dass der Spar-Markt in Opponitz schloss: „Eine Ära geht zu Ende, da tut einem natürlich das Herz weh. Aber das ist eben der Lauf der Zeit und damit muss man umgehen“, sagt er.

Bereits zu Jahresbeginn gab Christine Jagersberger bekannt, das Spar-Geschäft in Opponitz schließen zu wollen. Für einen neuen Pächter wäre es nicht möglich gewesen, das Geschäft einfach so zu übernehmen – hierfür hätte es gewisse Auflagen gegeben, die das alte Gebäude im Ortskern nicht erfüllte. Man hätte einen neuen Standort finden müssen. „Damals war eine große Unsicherheit im Ort zu spüren.

Man wusste nicht, wie es jetzt mit unserer Nahversorgung weitergehen soll“, sagt Lueger. Um den neuen Standort entbrannte dann schließlich eine Debatte zwischen den Gemeinderatsfraktionen. SPÖ und FPÖ brachten das alte Bahnhofsareal als neuen möglichen Standort ins Spiel, Bürgermeister Johann Lueger (Liste WIR) verwies darauf, dass man keinen neuen Lebensmittelhändler in den Ort holen wolle, ohne dabei auf die bestehenden Nahversorger zu achten. Die NÖN berichtete.

Lisa Hofbauer
Bäcker Franz Rosenberger (3.v.r.) und Tochter Carina Resch (4.v.l.) bauten in den vergangenen Monaten den Bäckereibetrieb zu einem Lebensmittelladen aus. Zur Eröffnung gratulierten unter anderem auch Raiffeisenbank-Direktor Georg Berger, Vertriebsleiter Ernst Richtsfeld (Pfeiffer Großhandel), Vizebürgermeister Ernst Steinauer, Bürgermeister Johann Lueger, WKNÖ-Obmann Gottfried Pilz und Baumeister Leopold Reisinger (v.l.).

Doch nun scheint sich eine Lösung gefunden zu haben: Bäckermeister Franz Rosenberger und Tochter Carina Resch nahmen die Schließung des Spar-Marktes zum Anlass, seinen kleinen Bäckereibetrieb zu erweitern und zu einem Lebensmittelgeschäft auszubauen. Der Bau wurde im Frühling vollzogen, die Neueröffnung wurde am vergangenen Samstag groß gefeiert. Die Kosten für den Umbau trug Rosenberger selbst.

„Wir können uns glücklich schätzen, dass sich Franz Rosenberger bereit erklärt hat, sein Geschäft auszubauen – das ist nicht selbstverständlich“, sagt Lueger. „Der Ausbau hat der Gemeinde nichts gekostet, bedeutet für den Ort aber enorm viel – denn eine Gemeinde ohne Nahversorgung ist zum Sterben verdammt.“

Auch SPÖ und FPÖ zeigen sich mit der nun gefundenen Lösung zufrieden. „Hut ab vor Carina Resch, dass sie den Bäckereibetrieb fortführen wird“, sagt Gemeinderat Alexander Schnabel (FPÖ). Auch SPÖ-Obmann Walter Maurer gratuliert Familie Rosenberger zum Ausbau. „Der Umbau ist wirklich gelungen und ich bin froh, dass sich Franz Rosenberger und seine Tochter dazu bereit erklärt haben, den Nahversorger im Ort zu erhalten.“ Für Schnabel ist ein Nahversorger beim alten Bahnhofsareal „unter jetzigen Gesichtspunkten kein Thema mehr“ und auch Walter Maurer meint, dass, solange der Bäckereibetrieb fortgeführt werde, für ein neues Geschäft beim alten Bahnhofsareal kein dringender Bedarf gegeben sei.