Josef Pöchhacker: „Leute goutieren unsere Politik“. St. Georgen/Reiths Bürgermeister Josef Pöchhacker (ÖVP) über Corona, Projekte in der Gemeinde und den Ausbau der B 121.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 02. April 2021 (05:03)
Vor einem Jahr wurde Josef Pöchhacker als neuer Bürgermeister von St. Georgen/Reith angelobt.
Andreas Kössl

NÖN: Herr Bürgermeister, bei der Gemeinderatswahl im Jänner haben Sie an der Spitze der ÖVP die SPÖ-Liste Ihrer Vorgängerin recht klar hinter sich gelassen und St. Georgen/Reith nach 25 Jahren wieder von rot auf schwarz gedreht. Ihrer Vorgängerin Birgit Krifter haben Sie, wie vor der Wahl angekündigt, das Vizebürgermeisteramt überlassen. War das nachträglich betrachtet die richtige Entscheidung?

Bürgermeister Josef Pöchhacker: Ja, absolut. Die politische Zusammenarbeit bei uns ist sehr harmonisch. Ich glaube, die Leute goutieren, dass wir nun in St. Georgen/Reith eine ganz andere Politik betreiben, als das früher der Fall war. Auch in den Nachbargemeinden werde ich öfters darauf angesprochen. Das macht mich schon stolz.

Ziemlich zeitgleich mit Ihrer Angelobung zum Bürgermeister vor einem Jahr ist die Corona-Krise voll ausgebrochen, was als neuer Ortschef sicher eine große Herausforderung war. Haben Sie Ihre Entscheidung, das Bürgermeisteramt zu übernehmen je bereut?

Nein, in keinster Weise. Ich muss sagen, genau so habe ich mir die Arbeit vorgestellt. Man kann etwas ermöglichen und bewegen. Natürlich gibt es Hochs und Tiefs, aber im Endeffekt bekommt man so viel zurück. Ich verstehe deshalb nicht, dass sich in manchen Gemeinden kein Bürgermeister mehr finden lässt. Bei meiner Arbeit versuche ich immer einen Konsens zu finden und Synergien zu heben, obwohl es natürlich Dinge gibt, wo man sagen muss, das geht so nicht.

Das Coronavirus hat sich zuletzt in St. Georgen/Reith wieder stark ausgebreitet. Wie gehen die Menschen in der Gemeinde mit der aktuellen Situation um? Sind Sie diszipliniert und halten sich an die Vorschriften?

Vor einem Jahr wurde Josef Pöchhacker als neuer Bürgermeister von St. Georgen/Reith angelobt.
Andreas Kössl

Ich habe schon den Eindruck, dass die Leute diszipliniert sind. Das liegt wahrscheinlich auch an der Bewegungsfreiheit, die man in St. Georgen/ Reith hat. Vor der jüngsten Infektionswelle waren die Corona-Zahlen in der Gemeinde sehr niedrig, wir hatten einige Wochen keine Infizierten. Indem das Virus derzeit in unseren Nachbargemeinden stärker grassiert, sind auch wir wieder stärker davon betroffen, weil wir durch die Schule, Arbeitsplätze und das Einkaufen sehr abhängig von unseren Nachbargemeinden sind. Was mich freut, ist, dass die Teststraße, die wir am Gemeindeamt einmal die Woche haben, gut genutzt wird. Ermöglicht hat diesen tollen Service Vizebürgermeisterin Birgit Krifter, die ja diplomierte Krankenschwester ist.

St. Georgen/Reith hat bei den Einwohnerzahlen zuletzt wieder leicht zulegen können. Im Moment ist gerade ein neues Wohnprojekt im Entstehen. Wie weit ist dieses gediehen?

Die Siedlung Amstetten wird in Kogelsbach zwei Wohnbauten mit je sechs Wohneinheiten errichten. Noch heuer soll mit dem Bau begonnen werden. Es gibt auch schon Anmeldungen, aber es sind noch Wohnungen zu haben. Außerdem haben wir in unserem Gemeindewohnhaus gerade eine günstige Wohnung frei.

Handelt es sich bei den Anmeldungen für den neuen Wohnbau um Zuzügler oder um Gemeindebürger?

Dabei handelt es sich derzeit vorwiegend um Gemeindebürger, etwa um junge Leute, die sich ein eigenes Heim schaffen wollen.

Sind in der Gemeinde auch Baugründe verfügbar?

Momentan nicht. Die Gemeinde besitzt aber in Kogelsbach in einer tollen Lage ein zwei Hektar großes Grundstück. Da könnte man rund 20 Häuser hinstellen. Derzeit wird von den zuständigen Raumordnungsstellen geprüft, welche Möglichkeiten wird da hätten.

Wie weit ist der Breitbandausbau in der Gemeinde? Sind hier noch Liegenschaften offen?

Die „Ballungsräume“ St. Georgen/Reith und Kogelsbach sind vollständig angeschlossen. Die beiden Katastralgemeinden Königsbergau, Hochau auf der anderen Ybbsseite und einige peripherere Liegenschaften in Kogelsbach sind aber noch offen. Dabei handelt es sich um etwa 30 Liegenschaften. Die Wiener Netze haben uns als Gemeinde da aber im Vorjahr ermöglicht, im Zuge von Arbeiten, die das Unternehmen durchgeführt hat, eine Glasfaser-Leerverrohrung durch die Ybbs mitzuverlegen. Ziel ist, dass alle Liegenschaften in der Gemeinde mit schnellem Internet versorgt sind. Dafür werden wir alles in Gang setzen.

Wie geht es der Gemeinde finanziell? Corona hat ja auch für Einbußen bei den Ertragsanteilen gesorgt.

Wir sind grundsätzlich sehr sparsam unterwegs. Aber natürlich sind wir als Abgangsgemeinde auf Unterstützung angewiesen. Wir sind sehr dankbar, dass wir da vom Land NÖ unterstützt werden.

St. Georgen/Reith liegt am Ybbstalradweg, der touristisch ein großer Erfolg ist. Rentiert sich das auch für die Gemeinde?

Das Radwegstüberl in Kogelsbach ist sehr gut ausgelastet. Wenn wir noch mehr Einkehrmöglichkeiten hätten, ginge da sicher noch mehr. Sehr gut angenommen wird auch der Rastplatz, den die Landjugend im letzten Jahr beim Dücker errichtet hat. Auch von Richtung Hollenstein herauf haben wir ein paar schöne Plätze. Da gibt es ja diese Holzbrücke, die wir gerne heuer saniert hätten, weil sie schon in die Jahre gekommen ist. Diese Brücke haben Pioniere des Österreichischen Bundesheers 1991 aufgestellt. Es gab da auch schon eine Zusage des Bundesheeres, dass es die Brücke wieder erneuert. Aber die Wirtschaftskammer hat dem eine Absage erteilt, weil das aufgrund der aktuellen konjunkturellen Lage eine Konkurrenz für die regionalen Betriebe sei und das Bundesheer eine Brücke laut Gesetz nur im Katastrophenfall errichten dürfe. Das ist schade, denn für uns wäre das eine günstige Möglichkeit gewesen, diese Brücke zu erneuern. Wir hätten dafür auch schon Bedarfsmittel vom Land zugesichert bekommen. Jetzt müssen wir aber abwarten, ob das überhaupt möglich ist. Wenn nicht, müssen wir dieses Projekt in anderer Form umsetzen.

Im letzten Jahr hatte man mit der Sanierung der Volksschule ein großes Projekt am Laufen. Sind die Arbeiten abgeschlossen?

Ja. Ein großer Wunsch wäre jetzt noch, neben der Schule einen Platz zu finden, wo wir einen Spielplatz für den Kindergarten auf Eigengrund errichten können. Gespräche mit dem Grundeigentümer habe ich schon aufgenommen und ich gehe von einer Einigung in nächster Zeit aus.

Ein großes Projekt ist auch die Wasserversorgung in Kogelsbach. Wann soll dieses Projekt abgeschlossen sein?

Da hat uns der Schnee zuletzt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Vor drei Wochen wäre der Umschluss geplant gewesen, durch den Schnee war das aber dann nicht möglich. Ich schätze, dass wir mit der Anlage in drei Wochen in Betrieb gehen können.

Zuletzt wurde bei der Kläranlage eine Photovoltaikanlage installiert. Ist diese bereits in Betrieb?

Ja, dieses Projekt war mir sehr wichtig. Derzeit bekommen wir aber noch kein Geld für den Strom, den wir da produzieren. Ich möchte nämlich den Stromkasten, den wir vor fünf Jahren bei der Wasserversorgungsanlage aufgestellt haben und der nun frei wird, dafür nutzen. Sobald wir den haben, kriegen wir für das Einspeisen des Stroms auch Geld.

Für das ehemalige Blindenheim war zuletzt ein Green-Care-Projekt im Gespräch. Ist dieses Projekt schon weiter?

Ein solches Projekt wäre natürlich eine große Bereicherung für unsere Gemeinde. Vizebürgermeisterin Birgit Krifter begleitet dieses Projekt seit Anfang an. Es wird aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Welche Projekte stehen 2021 in der Gemeinde noch an?

Wir werden 200.000 Euro in Straßensanierungen investieren. Zum einen wird die Straße von der Kirche runter Richtung Kripp saniert, zum anderen eine Straße in Kogelsbach, die auch sehr sanierungswürdig ist. Gemeinsam mit der Dorferneuerung wollen wir außerdem den Schul- und Kindergartenvorplatz neu gestalten.

Gemeinsam mit den anderen Bürgermeistern der Kleinregion Ybbstal sprachen Sie sich zuletzt für den Ausbau der B 121 zwischen Wirtschaftspark Kematen und dem Kreisverkehr Richtung Allhartsberg aus. Bei Klima-Aktivisten hat diese Forderung für einigen Wirbel gesorgt. Warum macht dieser Ausbau Ihrer Meinung nach Sinn?

Es ist schon klar, dass man auf die Umwelt Rücksicht nehmen muss. Aber ich bin selbst über zwei Jahre zu meinem Arbeitsplatz beim gda in Öhling gependelt. Das ist schon mühsam. Wenn dieser Abschnitt vierspurig wird, geht es einfach schneller. Ich denke, der Großteil der Bevölkerung ist schon der Meinung, dass dieser Ausbau etwas bringt. Auch für die Wirtschaft ist er wichtig und wirtschaftliches Wachstum bringt schließlich Arbeitsplätze und Wohlstand. Was den öffentlichen Verkehr als Alternative betrifft, so ist es doch leider in der heutigen Zeit so, dass man immer verfügbar sein soll. Und der Zug fährt einfach nicht für jeden passend.