St. Georgen/Reith ist nun schwarz. ÖVP legt ein Mandat zu und dreht kleinste Gemeinde im Bezirk. Ortsparteiobmann Pöchhacker soll neuer Ortschef werden.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 29. Januar 2020 (06:12)
St. Georgen/Reith ist nach 25 Jahren SPÖ-Führung wieder in schwarzer Hand. ÖVP-Spitzenkandidat Josef Pöchhacker (Mitte) feierte am Sonntag mit seiner Lebensgefährtin Elisabeth Hager und den Söhnen Kilian und David sowie seinen Parteifreunden bei sich zuhause ausgelassen den Wahlsieg.
Lugmayr

Vor 25 Jahren musste die ÖVP in St. Georgen/Reith den Bürgermeistersessel an die SPÖ abgeben. Am Sonntag gelang es der Volkspartei nun, die einwohnermäßig kleinste Gemeinde im Bezirk Amstetten wieder zurückzuerobern.

„Ich glaube, dass eine ÖVP-Mehrheit nach dem 26. Jänner möglich ist“, sagte ÖVP-Spitzenkandidat Josef Pöchhacker im Vorfeld der Gemeinderatswahl gegenüber der NÖN und er sollte recht behalten. Die ÖVP konnte am Sonntag um sechs Stimmen zulegen und so die Gemeinde drehen. Die Volkspartei kam auf 54,3 Prozent, während die SPÖ unter Bürgermeisterin Birgit Krifter 79 Stimmen abgeben musste und nur noch auf 45,7 Prozent kam. Damit wandert das eine Mandat, das die Sozialdemokraten in den letzten zehn Jahren mehr hatten, zur Volkspartei. Die ÖVP hält somit bei acht Mandaten, während die SPÖ auf sieben Sitze im Gemeinderat kommt.

 „Es war immer unser Ziel, acht Mandate zu bekommen. Dank einer großartigen Teamleistung haben wir das tatsächlich erreicht.“ Josef Pöchhacker, ÖVP

 „Es war immer unser Ziel, dieses achte Mandat zu bekommen, jetzt haben wir das dank einer großartigen Teamleistung tatsächlich erreicht“, freut sich ÖVP-Ortsparteiobmann Josef Pöchhacker, der die 16 Kandidaten seiner Liste „SEPP – Volkspartei St. Georgen“ als Spitzenkandidat in die Gemeinderatswahl geführt hatte. „Dass der Abstand zur SPÖ dann doch so groß ausgefallen ist, damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Pöchhacker weiter. „Das ist ein großer Auftrag, den ich demütig entgegennehme. Jetzt heißt es die Ärmel aufkrempeln und etwas für St. Georgen/Reith weiterbringen. Es geht jetzt darum, zu zeigen, dass wir nicht nur im Wahlkampf große Dinge ankündigen, sondern diese auch tatsächlich umsetzen können.“

Seiner Herausforderin streut der Bürgermeister in spe Rosen: „Birgit Krifter hat ihre Sache auch gut gemacht. Ich hoffe, dass wir jetzt weiter zusammenhalten und das noch steigern können.“

Die SPÖ muss das Bürgermeisteramt in der kleinsten Gemeinde des Bezirks abgeben: Im Radwegstüberl in Kogelsbach besprach die scheidende SPÖ-Ortschefin Birgit Krifter mit ihren Mitstreitern am Sonntag das Wahlergebnis.
NOEN

Vor der Wahl hatte der ÖVP-Spitzenkandidat angekündigt, bei einem Wahlsieg seiner Partei der SPÖ den Vizebürgermeistersessel überlassen zu wollen. „Der Abstand zur SPÖ ist nun doch sehr groß. Wir werden das noch besprechen. Da möchte ich aber noch nicht vorgreifen“, sagt Pöchhacker.

SPÖ-Ortschefin Birgit Krifter ist angesichts der Wahlniederlage ihrer Partei freilich enttäuscht. „Wir haben die letzten eineinhalb Jahre, in denen ich Bürgermeisterin war, in der Gemeinde viele tolle Sachen auf die Beine gestellt und dabei gut zusammengearbeitet“, sagt die diplomierte Krankenschwester, die das Bürgermeisteramt im Mai 2018 von Helmut Schagerl übernommen hat. „Ich hoffe, dass wir diese gute Zusammenarbeit weiter beibehalten werden.“

Große Wertschätzung für SP-Ortschefin

Was für die Wahlniederlage der SPÖ verantwortlich sei, könne sie nicht beurteilen. „Vielleicht waren die eineinhalb Jahre im Amt zu kurz, um mich zu beweisen“, mutmaßt sie. „Was schon ein bisschen schmerzt, ist, dass ich für die Projekte, die ich auf den Weg gebracht habe, nun nicht mehr die Lorbeeren ernten kann.“ Dass ihr nach der Wahl von vielen Menschen große Wertschätzung entgegengebracht worden sei, freue sie sehr.

Ans Aufhören als Mandatarin denkt Krifter nicht. „Ich möchte die angefangenen Sachen schon noch fertig begleiten. Vor allem das Pflegeprojekt im ehemaligen Blindenheim ist mir ein großes Anliegen.“

Angesprochen auf das von der ÖVP im Vorfeld in Aussicht gestellte Vizebürgermeisteramt für die SPÖ meint Krifter: „Ich bin neugierig, wie die ÖVP jetzt noch dazu steht.“ Fest steht, dass auf SPÖ-Seite im St. Georgener Gemeinderat künftig mehr Frauen als Männer vertreten sein werden. Neben Krifter und den bisherigen Gemeinderäten Thomas Aigner, Robert Kern und Stefan Göttlinger werden nämlich auch Bürokauffrau Eva Krifter, Radwegstüberl-Betreiberin Andrea Leichtfried und Anna Dorfmayr ein SPÖ-Mandat bekommen. Vizebürgermeister Helmut Spanring, der am Kampfmandat auf Listenplatz acht ins Rennen ging, ist nicht mehr mit dabei, ebenso wie die bisherigen Gemeinderäte Walter Kern, Siegfried Aigner und Andreas Rautter..

Bei der ÖVP war bis Redaktionsschluss lediglich fix, dass Spitzenkandidat Josef Pöchhacker in den Gemeinderat einziehen und für das Bürgermeisteramt zur Verfügung stehen wird. Er erhielt auch die meisten Vorzugsstimmern. Die Vergabe der weiteren Mandate soll am Mittwoch festgelegt werden. „Wir wollen die Mandate bestmöglich besetzen“, sagt Pöchhacker. „Die Vorzugsstimmen werden dabei natürlich berücksichtigt.“

102 Wahlberechtigte weniger als 2015

Die Wahlbeteiligung war in der 549-Einwohner-Gemeinde mit 92,5 Prozent auch am Sonntag wieder sehr hoch. Interessant dabei: Gegenüber dem Jahr 2015 waren nun um 102 Personen weniger wahlberechtigt. Das hängt mit den Zweitwohnsitzern zusammen, die auch vor dieser Wahl in St. Georgen wieder für Aufregung gesorgt hatten. Die NÖN berichtete.

Bei der letzten Gemeinderatswahl 2015 konnte die SPÖ zulegen. Sie kam auf 50,1 Prozent und acht Mandate, die ÖVP auf 43,4 Prozent und sieben Mandate. Damals war allerdings mit der Bürgerliste MIR noch eine dritte Kraft im Spiel. Sie kam auf 33 Stimmen und verpasste ganz knapp den Einzug in den Gemeinderat. Heuer trat sie nicht mehr an.

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