Profis am (Hilfs-)Werk. Hauskrankenpflegerin Jennifer Zamarin ist im Hilfswerk NÖ für Waidhofen zuständig.

Von Julia Zacher. Erstellt am 02. August 2019 (04:46)
Julia Zacher
Jennifer Zamarin arbeitet in der Hauskrankenpflege in Waidhofen.

Bedenken hatte Jennifer Zamarin schon, als sie sich mit 39 Jahren entschied, die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin zu beginnen. „Ich fragte mich natürlich: Kann ich das? Geht das in meinem Alter überhaupt noch?“, erzählt Zamarin. Heute ist sie seit zirka einem Jahr als Primary Nurse beim Hilfswerk NÖ für die Hauskrankenpflege in Waidhofen zuständig und kann voller Überzeugung sagen: „Es war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe.“

Gewachsen ist die Begeisterung für den neuen Beruf bereits während des Bachelorstudiums Gesundheits- und Krankenpflege in St. Pölten. Beim Schnuppern im Altersheim Waidhofen war es dann besonders die Arbeitsweise einer anderen Pflegerin, die sie beeindruckte: „Das hat mir gezeigt, was in dem Beruf alles möglich ist. Genau so wollte ich es machen.“ Das Hineinschnuppern in unterschiedliche Bereiche der Pflege hat dann ergeben: Die Hauskrankenpflege, lacht Zamarin, „ist genau meins“.

Professionelle und interdisziplinäre Arbeit

„Mir gefällt der Aspekt der Professionalität und welchen Unterschied es machen kann, wenn man professionell mit Menschen umgeht und kommuniziert“, sagt Zamarin.

Sie betreut durchschnittlich drei bis sechs Personen in Waidhofen und manchmal auch im Bezirk Scheibbs. Zu ihren Aufgaben gehören dabei unter anderem die fachlich-methodische Pflege, Pflegevisiten und Kundenaufnahmen – alles in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit verschiedensten anderen Berufsgruppen, von Ärzten und Physiotherapeuten über Fußpfleger bis hin zum Palliativteam der Johanniter.

„Die Pflege ist nicht das, was man sich oft darunter vorstellt.“Jennifer Zamarin

Das häufig falsche Bild ihres Berufs zurechtzurücken ist ihr ein besonderes Anliegen. „In den Medien wird die Pflege oft sehr negativ dargestellt – stressig, körperlich anstrengend, schlecht bezahlt.“

Aber: „Die Pflege ist nicht das, was man sich oft darunter vorstellt“, sagt Zamarin. Wie viel Zeit sie für einen Patienten hat, könne sie großteils selbst bestimmen. Die Bezahlung sei, verglichen mit ihren früheren Verdiensten, gut. In der Hauskrankenpflege werden Patienten langfristiger und familienzen-
triert betreut, was ein ganz anderes Arbeiten als etwa in einem Spital ermögliche, sagt Zamarin: „Ich bin sehr flexibel in der Art, wie ich arbeiten will. Mir gefällt es, dass ich hier das ganze Spek-
trum dessen umsetzen kann, was ich in der Ausbildung gelernt habe – fachlich, methodisch, sozial-kommunikativ.“

Immer am neuesten Stand der Forschung

Besonders die wissenschaftliche Komponente interessiert sie: „Ich informiere mich immer, was Stand der Forschung ist. Nach dem Motto ,Das haben wir immer schon so gemacht‘ zu arbeiten – das ist nichts für mich.“

Probleme, nach Arbeitsende nicht „abschalten“ zu können, hat sie keine. In der Ausbildung lerne man, mit Stress umzugehen, sich von Stresssituationen zu distanzieren, erklärt Zamarin: „Ich bin Professionistin. Ich sehe die Themen der Kunden, aber ich kann persönlich dazu Abstand halten. Man muss die gelernten Skills nur richtig anwenden. Wenn ich daheim bin, denke ich nicht über die Arbeit nach, da habe ich Freizeit.“

Auch die gute, wertschätzende Zusammenarbeit im Team ist für sie essenziell: „Bei uns kann jeder sagen, was er denkt. Anders könnte ich nicht arbeiten.“

Am Pflegeberuf Interessierten empfiehlt Zamarin, in die Arbeit hineinzuschnuppern und sich selbst ein Bild zu machen. „Man kann einfach einmal bei der Hauskrankenpflege mitfahren – bei mir zum Beispiel.“ Dabei könne man sich den Berufsalltag ansehen – und eventuelle negative Vorstellungen hinter sich lassen.

„Es gibt in jedem Beruf schwierige Aspekte. Man muss lernen, den Fokus auf das Schöne, das Positive zu legen. Wenn man den Raum betritt und die Kundin lacht einen an, statt traurig zu Boden zu schauen, wenn chronische Wunden besser werden, wenn man älteren Menschen helfen kann, wieder soziale Kontakte zu knüpfen – das sind die schönen Momente.“ Und diese Erinnerungen nimmt man dann vielleicht doch gerne nach Dienstschluss mit nach Hause.

 

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