Waidhofnerin hat ein Büro auf vier Rädern. Birgit Wagner aus Waidhofen/Ybbs ist Digitalnomadin. Auf ihren Reisen lebt und arbeitet sie in ihrem VW-Bus.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 21. Oktober 2020 (04:52)

Schon früh zog es Birgit Wagner in die Ferne. Als 17-Jährige ging die Waidhofnerin als Au-pair nach Irland. Wieder zurück, begann sie bei Ogilvy & Mather in Wien zu arbeiten. Weitere Stationen bei Werbern in Deutschland und Österreich folgten, ehe sie sich 2013 im Kommunikationsbereich selbstständig machte. Die Leidenschaft für das Reisen ist ihr geblieben.

„2015 habe ich begonnen, alleine zu reisen“, sagt die 38-Jährige. „Meine Freundinnen haben damals begonnen, Familien zu gründen. Da stand ich dann vor der Entscheidung, entweder mit dem Reisen aufzuhören oder mich alleine auf den Weg zu machen.“ Wagner entschied sich für Zweiteres. Im Juli 2016 absolvierte sie in Portugal einen Surfkurs. Seitdem ist das südeuropäische Land ein Sehnsuchtsort, an den sie immer wieder gerne zurückkehrt. So auch ein Jahr später, da begann Wagner damit, Reisen und Arbeiten miteinander zu verbinden. Als sogenannte Digitalnomadin macht sie sich seitdem alleine mit dem Auto auf den Weg und erledigt ihren Job von unterwegs. Über 20.000 Kilometer hat sie derart mittlerweile zurückgelegt.

Erster Roadtrip mit einem Skoda Roomster

Ihren ersten Roadtrip trat Wagner im April 2017 noch mit einem Skoda Roomster an. Zwei Monate lang fuhr sie durch Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Spanien nach Portugal. „Am Ende dieser Reise stand die Entscheidung, die Wohnung in Wien zu kündigen und zurück nach Waidhofen zu ziehen“, sagt Wagner. „Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereue. Ich fühle mich im Mostviertel sehr gut aufgehoben.“

Ihre zweite Reise als digitale Nomadin trat Wagner im Mai 2018 an. Wieder ging es mit dem Skoda quer durch Europa nach Portugal. „In der Früh aufzuwachen und das Meer zu hören, ist eines der schönsten Dinge, die es gibt“, schwärmt sie. Die Platzverhältnisse im Skoda waren freilich ziemlich beengt. Wagner legte sich einen VW-Bus zu, richtete ihn wohnlich ein und taufte ihr Gefährt auf den Namen Franz. Er ist nun rollendes Zuhause und Büro zugleich.

Der erste Roadtrip mit ihrem Franz im heurigen Sommer fiel coronabedingt etwas kürzer aus. Er führte von Österreich über Italien bis nach Ostfriesland und über Berlin wieder zurück nach Waidhofen. Das Arbeiten von unterwegs funktioniere gut, sagt Wagner. Wichtig sei Organisation und eine gute Internetverbindung. „Auf der ersten Reise habe ich noch sehr viel gearbeitet“, sagt Wagner. „Auf der zweiten hab ich mir dann erlaubt, das Verhältnis 60 Prozent arbeiten und 40 Prozent urlauben einzuführen. Eine ausgewogene Work-Life Beach-Balance ist für mich nämlich das A und O.“

 „Eine ausgewogene Work-Life-Beach-Balance ist für mich das A und O.“ Birgit Wagner, Digitalnomadin

 Auf ihren Reisen schätzt sie das einfache und reduzierte Leben. Das Alleinsein stört sie nicht. „Natürlich wird man dabei immer auch ein bisschen an seine Grenzen gebracht“, hält Wagner fest. „Dadurch lernt man aber auch wieder viel über sich selbst und wächst daran.“ Manchmal tue es freilich auch gut, Gesellschaft zu haben. „Wenn man so reist wie ich, lernt man hauptsächlich Gleichgesinnte kennen, dadurch sind schon einige wunderbare Freundschaften entstanden.“ Wenn sie nach ihren Reisen zurückkehre, habe sie immer ein etwas schweres Herz. „Es dauert dann, bis ich mich an vier betonierte Wände und die Annehmlichkeiten wieder gewöhnt habe“, sagt Wagner. Im nächsten Jahr möchte sie wieder eine längere Tour in Angriff nehmen.

Birgit Wagners Reiseeindrücke kann man auf ihrem Blog www.boavidayoga.com/blog nachlesen.

Umfrage beendet

  • Reisen und Arbeiten: Könntet ihr euch ein Leben als Digitalnomade/als Digitalnomadin vorstellen?