Turbulenz im Käfig der Narren. Mit der Boulevardkomödie „Ein Käfig voller Narren“ begab sich die Volksbühne auf neues Terrain.

Erstellt am 12. Juli 2017 (03:00)

Mehr Männer in Frauenkleidern bekommt man in diesem Theatersommer wohl nirgendwo auf Niederösterreichs Bühnen zu Gesicht.

Dass Volksbühne-Obmann Alexander Riess bei der Premiere am Freitag ein beachtenswertes Statement zum Thema Toleranz abgegeben hat, setzte ein zeitgemäßes Vorzeichen vor eine 1973 von Jean Poiret geschaffene Boulevardkomödie.

„Ein Käfig voller Narren“ gilt, zumindest in der Version der Filmkomödie aus 1978, als der erste weltweit erfolgreiche Film aus dem Drag-Queen-Milieu. Und wie sich die Schauspieler der Waidhofner Volksbühne für das Genre ins Zeug schmeißen, ist wirklich beachtlich.

Als Nachtclubinhaber George hat Paul Konecny das ganze Stück über ein rechtes Gwirkst mit seinen Mitarbeitern, Liebhabern und Sohn Laurent (Lukas Lengauer). Noch dazu, wo sich dieser vorgenommen hat, sich die Tochter (Jana Recinsky) des konservativen Regionalpolitikers Dieulafoi (Othmar Pils) und dessen Gattin (Susanne Leonhartsberger) zu angeln.

Dass die Vorstellungsrunde in dem verruchten Milieu eskalieren muss, ist eine vorhersehbare Handlung. Wie dies den Waidhofner Schauspielern gelingt, ist jedenfalls amüsant und köstlich zugleich. Wenn dann Manuela Eichleter als leibliche Mutter hereinstöckelt und Drag-Queen Zaza (Gottried Prinz) in die Quere kommt, dann ist ein Konflikt unausweichlich.

Premiere bestens geglückt

Schauspielerisch die größten Überraschungen sind Gottfried Prinz und Christoph Hagen in ihren extravaganten Kleiderollen. Paul Konecny pariert eine schwierige Rolle mit durchgehender Bühnenpräsenz mit der schauspielerischen Erfahrung eines alten Hasen. Herrlich martialisch legt Daniel Aspalter den Fleischer an.

Thomas Krall mimt einen zugeknöpften Buchalter, der schließlich auch auf Abwege findet, Max Bernreitner den von allen Seiten drangsalierten Paparazzo. Wer sich Günter Königswenger nicht als Bardame Mercedes vorstellen kann, der muss sich wohl selber überzeugen, wie köstlich ihm diese Rolle gelingt. In sängerischem Mut schwingen sich Lukas Lengauer und Gottfried Prinz zu Solos auf, was der Aufführung zusammen mit der Livemusik eine zusätzliche Note verleiht. Allen Mimen und Regisseur Klaus Haberl kann man zu ihrer Anstrengung nur gratulieren, die Premiere in warmer Sommernacht glückte bestens.

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