Pröll stellt Weichen neu. Ybbstalbahn / Landeshauptmann lässt Konzept der Ybbstaler Bahnfreunde prüfen: Lokalbahn soll für touristische Zwecke zusätzlich zum geplanten Radweg weiter geführt werden.

Erstellt am 26. Februar 2013 (00:00)
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Von Andreas Kössl

YBBSTAL / Seit ziemlich genau einem Jahr ist die Ybbstalbahn nun Geschichte. Mitte Februar 2012 flatterte der Feststellungsbescheid der Eisenbahnbehörde über die Einstellung der traditionsreichen Bahnstrecke bei der NÖVOG und den Ybbstalgemeinden ins Haus. Damit wurden die letzten rechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung des auf Teilen der Bahntrasse verlaufenden Radweges erfüllt. Seit damals wird an der Umsetzung des Ybbstalradweges und eines damit verbundenen touristischen Inszenierungskonzepts gefeilt. Obwohl die Gleise bisher noch nicht abmontiert sind, schien der letzte Zug der Ybbstalbahn abgefahren zu sein.

Nun wurden die Weichen für die Regionalbahn von Landeshauptmann Erwin Pröll jedoch neu gestellt.

Vergangene Woche legten Vertreter der beiden Vereine „Club 598 Freunde der Ybbstalbahn“ und „Pro Ybbstalbahn“ dem Landeshauptmann ein Konzept vor, welches ein Weiterbestehen der Bahnstrecke ermöglichen soll. Dieses Konzept sieht vor, zusätzlich zum geplanten Radweg die Bahntrasse zu erhalten und die Strecke zwischen Ybbsitz und Waidhofen sowie Waidhofen und Göstling am Wochenende mit einer Tourismusbahn zu befahren. „Ein derartiges Angebot wäre eine sinnvolle Ergänzung zum geplanten Radweg“, ist der Obmann des Vereins „Club 598“, Siegfried Nykodem, überzeugt. Die Streckenpflege sowie den Fahrbetrieb sollen Mitglieder der beiden Vereine ehrenamtlich übernehmen.

„Da noch keine Schienen abgerissen wurden, wäre eine derartige Lösung immer noch möglich“, ist Nykodem zuversichtlich, das „Kulturgut Ybbstalbahn“ erhalten zu können. Der „Club 598“-Obmann stellt jedoch klar: „Es handelt sich dabei um keinen Regelverkehr, sondern lediglich um eine touristische Nutzung auf Vereinsbasis. Die Ybbstalbahn ist kein öffentliches Verkehrsmittel mehr.“

„Das Gespräch mit dem Herrn Landeshauptmann ist außergewöhnlich positiv verlaufen“, zeigt sich Nykodem erfreut. Pröll habe dem vorgelegten Konzept großes Interesse entgegengebracht und den Obmännern im Gespräch seine Unterstützung angeboten, um eine für das Tal insgesamt sinnvolle und zukunftsweisende Lösung zu finden. Als nächster Schritt wurde ein erstes Gespräch zwischen Vertretern des Landes, darunter Verkehrslandesrat Karl Wilfing, der NÖVOG, den Radwegerbauern und den Bahnfreunden für Anfang März vereinbart.

Im Büro von Landeshauptmann Erwin Pröll bestätigt man das konstruktive Gespräch. Der Landeshauptmann müsse sich das vorgelegte Konzept genauer anschauen, könne sich eine derartige Lösung für das Ybbstal aber durchaus vorstellen. Weiter hinauslehnen möchte man sich aber nicht. Man werde sehen, wie weit dies ein gangbarer Weg sei. In der ORF-Pressestunde vom Sonntag bestätigte Pröll einmal mehr, dass er für eine Kombination aus Bahn und Radweg sehr offen sei.

„Schön, dass Landeshauptmann Pröll auf den Zug aufgesprungen ist und die Position übernommen hat, die Landtagsabgeordneter Franz Gratzer immer vertreten hat“, so St. Georgen am Reiths Bürgermeister Helmut Schagerl (SPÖ). „Das stellt die Situation auf neue Füße.“ Eine rein touristische Nutzung der Bahn hält er jedoch für nicht realistisch. Sinn würde ein Regelverkehr bis Hollenstein und eine touristische Nutzung bis Göstling und weiter nach Lunz am See machen.

Man habe eine Kombinationslösung aus Bahn und Rad in den letzten Jahren intensiv geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass dies im Ofenloch nicht möglich sei, so ÖVP-Landtagsabgeordneter Anton Kasser. Die Entscheidung sei, getragen von den Bürgermeistern der Region, gefallen, so Kasser, und gibt zu bedenken, dass eine Änderung ein neues rechtliches Verfahren notwendig machen würde. Gegen eine neuerliche Prüfung spreche zwar nichts, er gehe jedoch davon aus, dass sich die Situation nicht verändern werde.