Digital statt Papier: Sparbuch droht das Aus. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer und Julia Zacher. Erstellt am 05. Februar 2020 (04:57)
Symbolbild
Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist das Sparbuch schon länger ein Dorn im Auge. Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es so weit: Bei der Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt. Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein. „Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – dem Sparkonto – abgebildet.“ Das bringe Vorteile für die Kunden: Die Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg, und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

Auch Ältere verzichten auf das Sparbuch

Keine Zukunft für das Sparbuch sieht Gottfried Baumgartner, Obmann des Sparvereins Windhag. Der Sparverein, so Baumgartner, habe schon seit Längerem eher eine gemeinschaftliche Funktion: „Einmal im Jahr gibt es die Auszahlung, man trifft sich zum Essen oder Schnapsen.“ Er selbst habe zwar noch ein Sparbuch, allerdings eher aus Gewohnheit. „Gerade bei den jungen Leuten hat fast keiner mehr ein Sparbuch. Sie lassen das Geld lieber am Konto, dort bekommt man genauso wenig Zinsen.“

Aber auch bei älteren Menschen verliert das Sparbuch an Bedeutung. „Solange es praktisch keine Zinsen gibt, ist es für ältere Leute nicht mehr interessant“, sagt die Waidhofner Seniorenbundobfrau Editha Hafner. Stattdessen würden viele Senioren erspartes Geld lieber in Reisen und Ausflüge steckn. Auch vonseiten des Waidhofner Pensionistenverbandes beklagt man die niedrigen Zinsen. Andere Sparformen seien bei älteren Menschen allerdings ebenfalls wenig beliebt. Auch aufgrund anderer Faktoren wie in kleinen Orten oft nicht (mehr) vorhandener Bankfilialen und dadurch mangelnder persönlicher Beratung würden viele auf das Sparen oft ganz verzichten.

Eine Gruppe zumindest dürfte dabei durchaus Grund zur Freude haben: Bevor das Geld unter dem Kopfpolster verstaut wird, geben es viele Großeltern lieber gleich weiter – an die Enkerl.

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