Nach Corona: Mit richtiger Therapie zurück ins Leben. Im Rehabilitationszentrum der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) in Weyer erhalten ehemalige -Patienten Hilfe nach ihrer schweren Erkrankung.

Von Christa Hochpöchler. Erstellt am 25. Februar 2021 (05:07)

Mehr als 400.000 Menschen in Österreich wurden mittlerweile positiv auf das SARS-CoV-2-Virus getestet. Ein großer Anteil der Patienten, die nach einer überstandenen Erkrankung aus dem Krankenhaus entlassen werden, kann den Alltag nur bedingt gestalten.

Das Rehabilitationszentrum der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) in Weyer begleitet und unterstützt diese Menschen auf ihrem Weg zurück ins Leben.

„In schweren Fällen können die Patienten oft nicht einmal mehr sprechen.“Primaria Gabriele Reiger

„Ich war vorher völlig gesund, war durchtrainiert und sportlich. Meine Covid-Erkrankung verlief eigentlich nur wie eine schwere Erkältung“, erzählt die 21-jährige Einzelhandelskauffrau Laura Stromer, die im Rehabilitationszentrum Weyer behandelt wird. „Seither geht es mir jedoch schlecht, ich hatte Kreislaufprobleme, Atemnot und konnte weder arbeiten noch Sport betreiben. Jetzt wurde mir erklärt, was ich dagegen machen kann, langsam geht es mir wieder besser.“

So wie Laura Stromer geht es vielen Menschen. „Die Symptome sind völlig unterschiedlich. In schweren Fällen können die Patienten oft nicht einmal mehr sprechen, nach einem künstlichen Tiefschlaf haben sie Lücken in der Erinnerung und die meisten Patienten leiden unter ständiger Müdigkeit“, erzählt Primaria Gabriele Reiger.

„Ich war vorher völlig gesund, war durchtrainiert und sportlich. Meine Covid-Erkrankung verlief eigentlich nur wie eine schwere Erkältung.“Laura Stromer, 21 Jahre alt

Diese Symptome bewirken, dass zu den eingeschränkten Körperfunktionen auch Depression, Angst und posttraumatische Belastungsstörungen kommen. Die längere Verweildauer auf der Intensivstation und die oft wochenlange Beatmungsdauer bringen einen hohen Rehabilitationsbedarf der Patienten nach der Akutbehandlung in einem Krankenhaus mit sich.

Unter Existenzängsten litt auch der Augenarzt Wolfgang Veith aus Tulln. Nach einem Aufenthalt auf der Intensivstation und insgesamt drei Wochen Beatmung war er körperlich am Ende. „Ich konnte keine Stufen mehr steigen, war nur mehr müde, meine zittrigen Hände konnten keine Star-Operationen mehr durchführen. Das war eine Katastrophe für mich!“, erzählt er.

„Beim Sechs-Minuten-Gehtest schaffen manche Patienten nur 20 Meter.“Physiotherapeut Hannes Selle

„Das Problem ist, dass bei langen stationären Aufenthalten die Skelettmuskelmasse relativ schnell schwindet – leider auch die Atemmuskulatur, wenn länger beatmet werden muss“, erklärt Physiotherapeut Hannes Selle. Bevor eine Therapie begonnen wird, steht eine genaue Überprüfung der Leistungsfähigkeit mittels Fahrradergometrie, eines Lungenfunktionstests sowie eines Gehtests an.

„Beim Sechs-Minuten-Gehtest schaffen manche Patienten nur 20 Meter“, berichtet Selle von seinen Erfahrungen. „Im Rahmen der Therapien spielen diätologische Komponenten ebenso eine Rolle wie das Atemmuskeltraining, das Kraft- und Ausdauertraining sowie das Bewegen an der frischen Luft“, erklärt Primaria Reiger. Das Training wird langsam gesteigert, das Ziel ist die Entlassung der Patienten mit einer deutlich besseren Leistungsfähigkeit.

Augenarzt Wolfgang Veith ist nun schon das zweite Mal im Rehabilitationszentrum Weyer. „Ich bin voll des Lobes, ich habe die Angst, den Alltag nicht zu schaffen, endlich überwunden und bin froh, dass ich überlebt habe“, freut sich der ehemalige Corona-Patient. „Je länger die Patienten nach einem Klinikaufenthalt mit schweren Spätfolgen zu Hause sind, umso schneller geht die Kurve nach unten“, weiß Physiotherapeut Hannes Selle.

Die ärztliche Leiterin des Rehabilitationszentrums Weyer, Primaria Gabriele Reiger.
Hochpöchler

Umso wichtiger ist eine rasche Zuweisung in ein Rehazentrum. „Früher hat das oft sehr lange gedauert, nun dauert die Bewilligung oft nur wenige Tage“, erzählt Primaria Reiger.

Die guten Erfolge motivieren Patienten und Betreuer. „Wir hatten Patienten, die kommen im Rollstuhl und mit Sauerstoffgerät zu Therapien und nach drei Wochen können sie wieder selbstständig den Alltag meistern.“ Am Ende des Aufenthalts bekommen die Patienten ein individuell auf ihren Trainingszustand abgestimmtes Sportprogramm für zuhause mit.

Die Arbeit im Rehabilitationszentrum Weyer ist eine ständige Herausforderung: „Regelmäßige Testungen, akribische Reinigungspläne, in drei Tranchen essen, wöchentliche Neuerungen, aber auch Bewusstsein schaffen und Vorbild sein“, erzählt Reiger. Allen Schwierigkeiten zum Trotz sollte man das Gesundheitssystem in Österreich schätzen. Und den Corona-Zweiflern rät sie: „Wenn man selbst betroffen ist, sieht man alles durch eine andere Brille.“