Waidhofnerin ist mit dem Berg auf du und du. Sabine Roseneder aus Waidhofen an der Ybbs liebt das Bergsteigen. Außergewöhnliche Touren und hohe Gipfel sind ihre Leidenschaft.

Von Christa Hochpöchler. Erstellt am 24. Januar 2021 (05:47)
2020 war Sabine Roseneder hauptsächlich im Hochgebirge unterwegs und unternahm zahlreiche alpine Touren, so auch eine Gesäuseüberschreitung. Dabei erklomm sie auch den Gipfel des Festkogels.
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Trekking in Nepal, der Königspfad in Schweden, der Cotopaxi in Ecuador oder die Gesäuseüberschreitung sind herausfordernde Touren, die jedes Bergsteigerherz höherschlagen lassen. Sabine Roseneder hat sie großteils alleine bewältigt.

Schwiegereltern bewirkten Sinneswandel

„Ich bin im Grunde nicht sportlich, das Wandern wurde mir nicht in die Wiege gelegt“, erzählt die Waidhofnerin. „In der Schule habe ich am Wandertag immer gestreikt, ich dachte, Wandern sei langweilig.“ Ihre Schwiegereltern ließen sie dieses Vorurteil neu überdenken. „Sie wollten unbedingt, dass ich sie auf einer Wanderung begleite und haben mich überredet, den Wasserfallweg auf die Hesshütte mitzugehen.“

Die gar nicht langweilige Tour bewirkte ein Umdenken bei Sabine Roseneder und das Wandern wurde ein wichtiger Teil ihres Lebens. Ob in der Gruppe mit den Naturfreunden oder alleine, Wandern stand von nun an am Programm. Mit rund sechs Bergtouren im Jahr, die zunehmend Klettersteige beinhalteten, hielt sich Roseneders Begeisterung für die Berge anfangs noch im Rahmen.

Ausbildung zur Wanderinstruktorin

Da Sabine Roseneder aber immer die passende Ausbildung zu ihren Aktivitäten haben möchte, reifte in ihr der Entschluss, die Ausbildung zur Wanderinstruktorin zu machen. Grundvoraussetzungen dafür waren 400 Höhenmeter pro Stunde bergauf zurücklegen zu können, im unwegsamen Gelände bergab mit spontanen Stopps zu laufen sowie Grundkenntnisse der Orientierung. „Vor allem die sportliche Komponente der Ausbildung habe ich unterschätzt“, erzählt Roseneder.

So ging es ans Trainieren: Liegestütz, Sit-ups und Sportlehre waren angesagt. Die Prüfung schaffte die Waidhofnerin 2013 ohne Probleme. Seitdem führt sie ein- oder mehrtägige Wandertouren für die Naturfreunde Waidhofen. „Ich liebe es, die Menschen für die Berge zu begeistern“, sagt Roseneder. „Wichtig ist das Gespür für die Teilnehmer und die Einschätzung, was ich ihnen zutrauen kann.“

„Ich liebe es, die Menschen für die Berge zu begeistern. Wichtig ist das Gespür für die Teilnehmer und die Einschätzung, was ich ihnen zutrauen kann.“ Sabine Roseneder

Selbst meldete sich Sabine Roseneder zu einer Trekkingreise in Nepal an. „Es war das Abenteuer meines Lebens. Zehn Tage war ich alleine mit einem Träger unterwegs“, erzählt sie. „Wenn man alleine unterwegs ist und die Reise selbst organisiert, passieren oft unerwartete Dinge. So wurde ich in Katmandu als Ehrengast zu einer Hochzeit eingeladen. Ein anderes Mal erwischte ich nur mehr einen öffentlichen Bus, der randvoll war. Meine Ausrüstung musste aufs Dach und ich wurde in den Bus gequetscht. Nach einer Stunde betrat eine Sängerin den Bus. Von da an ging es musikalisch weiter. Jede Nation musste ein Lied aus der Heimat singen und obwohl ich in der Richtung nicht begabt bin, jodelte bald der ganze Bus mit.“

Die Nepalreise bewirkte bei Sabine Roseneder eine Reflexion über ihre Ziele im Leben. „Es war nie mein Plan, hohe Berge zu besteigen, aber manche Dinge passieren einfach. Die Triebfeder in meinem Leben ist der Ehrgeiz, etwas zu machen, was andere nicht gemacht haben. Aber eine neue Herausforderung muss perfekt vorbereitet sein.“

2013 musste sie eine Tour auf den Großglockner abbrechen, weil das Wetter umgeschlagen hatte und die Gruppe nicht rasch genug unterwegs war.

Nun hatten die hohen Berge vorerst Pause. 2017 entschied sich Roseneder, den Kungsleden, den Königspfad, in Schweden zu gehen. „Sechs Tage war ich alleine in der Einsamkeit Lapplands unterwegs – eine unglaubliche Landschaft.“

2018 wollte Roseneder mit einer Gruppe Österreicher nach Ecuador reisen, um dort Gletschertouren und Höhenbesteigungen zu machen. Sie trainierte hart und bereitete sich gut vor. Doch eine Woche vorher zwang sie eine Grippe zu einer Pause. Einige Monate später trat sie die Reise dann alleine an.

„In Ecuador sind Vorbereitungstouren notwendig, um sich an die Höhe zu gewöhnen. Ich habe die dünne Luft aber zum Glück gut vertragen.“ Den höchsten Gipfel, den sie erklomm, war der 5.897 Meter hohe Cotopaxi, einer der höchsten aktiven Vulkane der Erde. „Das Glücksgefühl am Gipfel war groß“, erzählt sie.

Das Thema „Höhe“ ließ Sabine Roseneder fortan nicht mehr los, Hochtouren im Schnee und Eis waren das nächste Ziel.

Im Sommer 2019 bestieg sie 16 heimische Dreitausender und absolvierte im Folgenden die Ausbildung zur Übungsleiterin für Hochtouren. Im Vorjahr war sie hauptsächlich im Hochgebirge unterwegs und unternahm zahlreiche alpine Touren, wie etwa eine Gesäuseüberschreitung.

Als nächstes großes Ziel ist nun die sogenannte „Spaghettirunde“ im Schweizer Zermatt in Planung. Dabei handelt es sich um elf Viertausender in fünf Tagen.

Als Extrembergsteigerin möchte Sabine Roseneder nicht bezeichnet werden: „Solche Touren kann jeder absolvieren. Es gibt so wenige Frauen, die sich die Zeit nehmen und sich das zutrauen, hier bin ich wirklich privilegiert.“