Ybbsitzer Erich Helm schuf 10.000 Zangerl. Zangerl-Schmied Erich Helm legt den Hammer weg. Die Schulter des 82-Jährigen spielt nicht mehr mit.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 24. Juli 2021 (03:11)
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Bürgermeister Gerhard Lueger (links) und Altbürgermeister Josef Hofmarcher (rechts) besuchten Zangerl-Schmied Erich Helm (Mitte), der mit 82 Jahren den Schmiedehammer weglegt.
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Als Zangerl-Schmied ist Erich Helm weit über Ybbsitz hinaus bekannt und berühmt geworden. Seine geschmiedeten Miniaturzangen sind nicht nur auf den Revers der Trachtenschneider zu finden, sie schafften es als kleinste geschmiedete Zangen auch in das Guinness-Buch der Rekorde.

„Ich war gerade pensionsreif und wurde 1998 vom damaligen Bürgermeister Josef Hofmarcher gefragt, ob ich nicht kleine Schmiedezangen als Schmuck und Geschenke anfertigen könnte“, erinnert sich Helm. In der Folge wurden daraus regelmäßige Lieferungen und die Trachtenschneider der Region wie Loden Landl oder Pressl wurden auf die attraktiven Kleinodien aufmerksam.

„Am Anfang habe ich zwei Schilling, dreißig Groschen pro Stück verrechnet“, lacht Helm, ein Betrag, der heute weniger als 20 Cent bedeuten würde. Dabei verlangt die Herstellung nicht weniger als elf Arbeitsschritte: Schmieden, Kanten brechen, Schleifen, Körnen, Nieten, Biegen, Richten, Schleifen, Bürsten, Löten und Reinigen. Das Fertigen von fünf Zangen nimmt etwa zwei Stunden in Anspruch. In der Folge wuchs der Absatz auf etwa 500 Zangen pro Jahr. Rund 10.000 hat er insgesamt gefertigt.

Ein Leben als angelernter Schmied

Sein Berufsleben lang war Helm ein sogenannter angelernter Schmied beim Traditionsschmiedebetrieb Sonneck. Als er dort mit 14 Jahren anheuerte, war in seiner Familie für eine Lehre weder Zeit noch Geld da.

„Ich habe schon während der Schulzeit gearbeitet und damit zum Familieneinkommen beigetragen“, lacht er im Rückblick. Nun legt der 82-Jährige den Schmiedehammer zur Seite. Seine Augen werden nass: „Die Schulter tut nicht mehr mit. Es geht nicht mehr.“ Eine Schachtel mit Zangerln hat er noch in Reserve. „Zum Verschenken und als Erinnerung“, sagt er.