Rathaus-Bild in Waidhofen/Ybbs als Tourismus-Ziel

Erstellt am 20. März 2021 | 05:57
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Das „schaffende und das feiernde Waidhofen“ hat der Waidhofner Maler Reinhold Klaus im Jahr 1944 gemalt. Die Hakenkreuze und NS-Uniformen wurden nach dem Krieg übermalt. Noch immer dient das Bild dem Waidhofner Gemeinderat im Sitzungssaal als Kulisse.
Foto: NÖN-Archiv, NÖN-Archiv
Übermaltes Bild von Reinhold Klaus hat es in einen Reiseführer geschafft.
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Ein neues Buch über das Mostviertel wird ab 18. März in den Buchhandlungen erhältlich sein. In „111 Orte im Mostviertel, die man gesehen haben muss“ stellt Autor Georg Renöckl touristische Ziele abseits der weithin bekannten Sehenswürdigkeiten vor (mehr dazu auf Seite 36).

In Waidhofen hat der Autor das Schauerkreuz am Schobersberg, das Heimatmuseum der Familie Piaty, das Wetterhäuschen und die Naturkeramik-Werkstätte von Josef Wieser für seinen Reiseführer ausgewählt. Angetan hat es ihm aber auch das Gemälde des Waidhofner Malers Reinhold Klaus, das im großen Sitzungssaal des Rathauses hängt.

Das Bild erinnert Renöckl an ein Wimmelbild aus einem Kinderbuch. Bei der Betrachtung des Bilderbuch-Waidhofens merkt der Autor jedoch: „Irgendetwas stimmt hier nicht. Warum schauen eigentlich alle Menschen so finster drein, und warum sind fast alle blond? Der Gitarrist trägt ein Burschenschafterkostüm, auch hinter einem Hornbläser lugt ein Student mit Fantasieuniform hervor. Was ist das für eine Uniform, die der Offizier rechts vorne anhat?“

Renöckl hat recherchiert und rausgefunden, dass das Bild von Reinhold Klaus (Renöckl schreibt fälschlicherweise Reinhard) aus dem Jahr 1944 stammt und die vielen rot-weiß-roten Fahnen einst Hakenkreuzfahnen und die Fantasieuniformen einst NS-Uniformen waren. Nach dem Krieg ließ der sowjetische Stadtkommandant die NS-Symbole übermalen.

Das Bild sei nicht einfach nur Kitsch, sondern eben Nazi-Kitsch, befindet Renöckl. „Zwei Fragen stellt man sich als Betrachter aber schon: Sind Hakenkreuze, wenn sie übermalt sind, auch wirklich verschwunden? Und warum wurde dieser Schinken nicht längst in die Rumpelkammer geräumt, in die er gehört?“

Waidhofen sei wirklich eine sehr schöne Stadt, sagt Renöckl. „In meinem Reiseführer möchte ich aber Licht und Schatten zeigen. Deshalb habe ich das Bild darin aufgenommen. Auf mich wirkte es verstörend, gleichzeitig aber auch sehr österreichisch. Ginge es nach mir, würde ich es abnehmen. Ich möchte mich da aber auf keine Seite schlagen. Waidhofen hält diese Kritik sicher aus.“

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