Hauptsache geliebt: Buch von Allhartsbergerin bewegt. Michaela Prieler erzählt die Geschichte ihres Sohnes, der mit Herzfehler zur Welt kam.

Von Julia Zacher. Erstellt am 28. Juni 2020 (05:14)
Michaela Prieler und ihr Lebensgefährte Bernhard Handsteiner mit Sohn Theo.
ABC Fotodesign Amstetten

„Hauptsache gesund“ – das ist ein Satz, den schwangere Frauen oft hören. Doch was ist, wenn diese Hauptsache fehlt? Michaela Prieler, klinische Psychologin und Maltherapeutin, musste vor drei Jahren in der Mitte ihrer dritten Schwangerschaft genau das erleben: Sie erfuhr, dass ihr Kind einen schweren Herzfehler hatte; die Aussichten waren nicht gut. In ihrem kürzlich im Freya Verlag erschienenen Buch „Hauptsache geliebt“ erzählt sie von der schweren Zeit, die auf diese erste Nachricht folgte.

„Wir haben ein strahlendes, fröhliches und freches Kind. Ich kenne keinen Menschen, wo das Ja zum Leben so eindeutig ist.“Autorin Michaela Prieler

„Von Woche zu Woche wurden die Prognosen düsterer, und schließlich sagte man uns, wir sollten uns darauf vorbereiten, dass das Kind nicht bei uns bleiben wird“, erzählt Prieler. Doch die Familie gab nicht auf, glaubte an das Kind. „Auch wenn wir oft dachten, das war’s – ich habe den Tod nie gespürt“, sagt sie.

Nach der Geburt musste der kleine Theo reanimiert werden, wobei ihm ein Lungenflügel platzte. 56 Tage verbrachte er im künstlichen Tiefschlaf, überstand in dieser Zeit eine Darmentzündung, eine Sepsis und eine achtstündige Herzoperation.

Am Intensivbett ihres Sohnes begann Prieler zu schreiben. „Mit dem Schreiben habe ich mich über Wasser gehalten“, berichtet sie. „Das Schreiben hat mir geholfen, unserer Geschichte einen Rahmen zu geben. Ich habe damals noch keine Sekunde daran gedacht, das einmal zu veröffentlichen.“ Auf die Idee, ein Buch aus ihren Erfahrungen zu machen und damit Eltern in ähnlichen Situationen zu helfen, hat sie eine Krankenschwester in Linz gebracht: „Sie meinte: Genau so etwas fehlt.“

Mit „Hauptsache geliebt“ – Untertitel: Ein Buch für die mutige Familie in schweren Zeiten – will sie Müttern und Vätern Hoffnung geben und Mut machen, an das Leben zu glauben. Es enthält neben ihrer persönlichen Geschichte auch Anregungen, Übungen und Tipps, wie man mit solchen Ausnahmesituationen umgehen kann und dabei auch die Selbstfürsorge nicht aus den Augen verliert.

Auch Pflegepersonen und Angehörige kann das Buch dabei unterstützen, besser zuzuhören, präsent zu sein und das Unaushaltbare gemeinsam mit den betroffenen Eltern auszuhalten. Und sie erinnert an die wichtigste Aufgabe, die Eltern in schweren Zeiten haben: die Liebe und den Glauben an ihr Kind.

Auf die ersten Wochen im Krankenhaus folgten für Theo und seine Familie noch unzählige Krankenhausaufenthalte, Notarzteinsätze und Operationen. Im Sommer wird er drei Jahre alt. Er liebt Musik und tanzt gerne.

„Wir haben ein strahlendes, fröhliches und freches Kind. Ich kenne keinen zweiten Menschen, wo das Ja zum Leben so eindeutig ist. Es geht uns gut“, sagt Prieler. „Unsere Aufgabe als Familie ist es jetzt, wieder eine Balance herzustellen und auch meinen beiden anderen Söhnen, meinem Lebensgefährten und mir wieder mehr Raum zu geben.“

Trotzdem braucht Theo weiterhin regelmäßige Therapien, einen „normalen Alltag“ gibt es nach wie vor nicht. „Aber es geht auch darum, genau damit leben zu können, dass man nicht immer alles weiß.“

Stets im Glauben an das Leben zu bleiben, sei dabei das zentrale Credo der Familie: „Das Leben weiß, was es tut, auch wenn wir es oft nicht verstehen.“