Bürgermeisterin Krifter: „Bei ISTmobil nicht dabei“. St. Georgen/Reiths Bürgermeisterin Birgit Krifter (SPÖ) nach einem Jahr im Amt über Abwanderung und Sammeltaxi.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 24. Mai 2019 (04:00)
Kössl
Ein ereignisreiches und herausforderndes Jahr hat St. Georgen/Reiths Ortschefin Birgit Krifter hinter sich. Bei der Gemeinderatswahl im kommenden Jahr wird sie an der Spitze der SPÖ ins Rennen gehen.

Bürgermeisterin Birgit Krifter: Es war ein sehr turbulentes, abwechslungsreiches und herausforderndes erstes Jahr, weil doch viele Dinge für mich neu waren.

War es so, wie Sie es sich erwartet haben?

Krifter: Nein, eigentlich nicht. Dass man eine gewisse Zeit braucht, um in die Position reinzukommen, war mir schon klar. Gleich am Anfang sind dann aber zwei Kolleginnen in der Gemeindeverwaltung ausgefallen und das zu stemmen war schon herausfordernd.

Werden Sie bei der Gemeinderatswahl im kommenden Jahr als Spitzenkandidatin für die SPÖ ins Rennen gehen?

Krifter: Ja, das werde ich.

Sind Sie schon dabei, ein Team für die Wahl zusammenzustellen?

Krifter: Natürlich muss man schon mal die Fühler ausstrecken, ob es jemanden gibt, den die Arbeit in der Kommunalpolitik interessieren könnte. Details gibt es da aber noch nicht.

Dass es Änderungen im Team geben wird, steht aber fest?

Krifter: Ja.

Ihr Vorgänger Helmut Schagerl hat bei seinem Rückzug angekündigt, bei der nächsten Wahl nicht mehr kandidieren zu wollen. Wie schaut es mit seinem Vorgänger, Andreas Rautter, der ja auch noch SPÖ-Gemeinderat ist, aus?

Krifter: Sowohl Helmut Schagerl als auch Andreas Rautter werden nicht mehr dabei sein.

Beim Bürgermeisterwechsel vor einem Jahr hat es geheißen, dass Helmut Schagerl Ihnen bei Bau- und Infrastrukturangelegenheiten noch zur Seite stehen wird. Wie schaut es da in Zukunft aus?

Krifter: Mittlerweile habe ich mich sehr in die Thematik eingearbeitet. Außerdem haben wir in der letzten Gemeinderatssitzung einen Baubeirat installiert. Da bin ich sehr froh darüber.

Bleiben wir beim Baulichen: Welche Arbeiten wurden da in der Gemeinde zuletzt erledigt bzw. sind noch am Laufen?

Krifter: Derzeit läuft die Lichtwellenleiterverlegung, wobei wir bei ein paar Bereichen bereits in der Fertigstellung sind. Die Landesstraße L 6181 wurde saniert und soll noch diese Woche asphaltiert werden. Nun soll die Straßensanierung bis zur Tischlerei Mandl verlängert werden. Bereits asphaltiert wurde im Zuge der Straßensanierung vor dem Radwegstüberl. Außerdem wurde im Herbst der größte Teil des Abschnitts 2 der Wasserversorgung fertiggestellt. Bis hier alles abgeschlossen ist, wird es aber noch bis zum nächsten Jahr dauern.

Wann werden die ersten Haushalte an das Glasfasernetz angeschlossen?

Krifter: Geplant ist, dass schon im August die ersten Leitungen eingeblasen werden.

Handlungsbedarf ist baulich auch beim Schul- und Kindergartengebäude gegeben. Wie weit ist man da?

Krifter: Hier streben wir aus Kostengründen eine Sanierung an. Das betrifft hauptsächlich das Schulgebäude. Hier gehören die Sanitäranlagen ganz dringend saniert und müssen Wasseranschlüsse in den Klassenräumen realisiert werden. Die Fenster müssen im gesamten Gebäude erneuert werden. Die Pläne für dieses Projekt liegen vor und die Abstimmungsarbeiten mit dem Land sind bereits am Laufen.

Die Arbeiten am Amtsgebäude sind abgeschlossen?

Krifter: Nein, noch nicht ganz. Da werden noch die WC-Anlagen neu gemacht. Da soll die Vergabe in der nächsten Gemeinderatssitzung Ende Mai beschlossen werden.

Mit dem ISTmobil soll ein bedarfsorientiertes Sammeltaxisystem in der Region realisiert wer- den. St. Georgen/Reith ist da mit dabei...

Krifter: Nein, wir werden da nicht dabei sein. Das ISTmobil war ein großes Thema bei uns im Gemeinderat und wir haben viel drüber diskutiert. Grundsätzlich handelt es sich um ein gutes Projekt, für uns ist es aber einfach nicht leistbar. Das wären doch erhebliche Kosten, die da auf uns zukämen. Mit dem Ausstieg von Mariazell mussten die Kosten ja wieder angepasst werden. Ich bin mir auch nicht sicher, ob dieses System so genutzt werden würde. Bei uns ist es doch so, dass die Jungen alle mit dem Auto fahren. Bleibt also die ältere Generation. Da bei uns der Familienverband aber noch gut funktioniert, werden auch die öffentlichen Verkehrsmittel eher nicht genutzt.

Seit November ist St. Georgen/Reith eine Konsolidierungsgemeinde. In der nächsten Gemeinderatssitzung steht der Nachtragsvoranschlag zur Beschlussfassung an. Wo muss nachgebessert werden?

Krifter: Nachbesserungen gibt es bei der Schneeräumung und aufgrund der beiden Ausfälle bei den Personalkosten. Da hatten wir jetzt laufend Vertretungen, um den Gemeindebetrieb aufrechtzuerhalten, und das fällt budgetär dann schon ins Gewicht.

Steht schon fest, wie das ehemalige Blindenheim künftig genutzt werden soll?

Krifter: Es gibt eine Projektidee, die weiterverfolgt wird.

Handelt es sich dabei um die schon einmal in Aussicht gestellte Pflegeeinrichtung?

Krifter: Es geht in Richtung Pflege, Genaueres möchte ich dazu derzeit aber noch nicht sagen.

Betrachtet man die Bevölkerungsentwicklung, so sieht man, dass es in St. Georgen/Reith in den letzten Jahren eine Abwanderung gab. Wie möchte man dem entgegenwirken?

Krifter: Wir haben Baugründe in Kogelsbach, die wir jetzt noch mehr bewerben wollen. Die Wohngegend ist bei uns ja total schön und auch die Gründe sind relativ günstig, aber natürlich muss man für den Beruf wieder auspendeln. Es laufen derzeit auch Gespräche mit einer Wohnbaugenossenschaft. Es gibt junge Leute, die aus dem Elternhaus ausziehen wollen und gerne da bleiben würden, aber nicht gleich ein Haus bauen möchten. Da braucht es ein Wohnungsangebot. Das ist mir ein persönliches Anliegen.

Hat man für einen Wohnbau schon ein Grundstück im Visier?

Krifter: Es gibt die Überlegung, bei den Baugründen in Kogelsbach eine Möglichkeit zu schaffen, aber das müssen wir uns erst im Detail anschauen. Es wäre aber eine wichtige Maßnahme, um junge Leute dazubehalten.

Der Ybbstalradweg hat der Region touristischen Aufschwung beschert. Wie wirkt sich der auf St. Georgen/Reith aus?

Krifter: Unser Radwegstüberl ist natürlich gut besucht. Schön wäre es aber auch, die eine oder andere Nächtigungsmöglichkeit mehr anbieten zu können. Wir haben schon ein paar Nächtigungsbetriebe, aber das wäre sicher ausbaubar. Gerade von Radfahrern gibt es oft Anfragen nur für eine Nacht. Natürlich ist das ein Aufwand, weil man auch für eine Nacht alles reinigen und sauber machen muss, aber Bedarf gäbe es.

Wie sieht es mit einer Kleinkinderbetreuung bzw. einer Nachmittagsbetreuung für Kindergarten- und Schulkinder im Ort aus? Gibt es da Bedarf?

Krifter: Beides können wir in der Gemeinde nicht anbieten. In Hollenstein gibt es eine Nachmittagsbetreuung, da hätte man eine Möglichkeit. Grundsätzlich haben wir in der Gemeinde nur vereinzelt Anfragen wegen einer Nachmittagsbetreuung, bezüglich einer Kleinkinderbetreuung eigentlich gar nicht.

Sie haben bei ihrem Amtsantritt gesagt, dass Sie den Dorfverschönerungsverein wieder aktivieren möchten. Hat sich da schon etwas getan?

Krifter: Nein, das schläft leider derzeit noch. Da hatte ich einfach noch keine Ressourcen dafür. Wir haben aber unsere Landjugend beim Projektmarathon unterstützt. Da wurde der Turngarten vor der Volksschule wirklich toll umgestaltet. Wegen diesem Projekt sind wir nun auch Jugend-Partnergemeinde.

Wie ist die Beziehung zum politischen Mitbewerb? Unter Ihrem Vorgänger gab es ja immer wieder Reibereien mit der ÖVP.

Krifter: Die Zusammenarbeit funktioniert wirklich super. Wir arbeiten viel in Arbeitskreisen. Aufgrund der derzeitigen Ausnahmesituation am Gemeindeamt ist das auch sehr wichtig. Wir arbeiten gemeinsam für die Gemeinde. Ein jeder kann seinen Teil einbringen und gemeinsam versuchen wir, das Beste herauszuholen. Genau so sollte Gemeindearbeit funktionieren. Sicher sind wir uns nicht immer einig, aber auch das wird ausdiskutiert.