Neo-Ortschef Pöchhacker: „Wollen gemeinsam verändern“. Der neue Bürgermeister von St. Georgen/Reith Josef Pöchhacker über sein Amt, den politischen Mitbewerb und Vorhaben.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 13. März 2020 (06:06)
Das Bürgermeisteramt war sein großes Ziel. Nun hat es Josef Pöchhacker erreicht. Gemeinsam mit dem politischen Mitbewerb möchte er mit seinem Team der Gemeinde nun einen moderneren Touch verleihen. Foto: Kössl
Kössl

NÖN: Sie haben nach Ihrem Wahlsieg gesagt, dass es immer Ihr Wunsch war, Bürgermeister von St. Georgen/Reith zu werden. Nun sind Sie es. Wie fühlt sich das an?

Bürgermeister Josef Pöchhacker: Es fühlt sich nicht schlecht an. Ich wäre es aber auch Klaus Hobiger, der mich 2010 dazu gebracht hat, für die ÖVP zu kandidieren, vergönnt gewesen. Als sich Klaus dann 2015 zurückgezogen hat und ich übernommen habe, war für mich klar, dass das Bürgermeisteramt mein Ziel ist. Ich sehe es als Geschenk, diese Arbeit mit diesen Gemeinderäten machen zu dürfen. Wir kennen uns ja alle, weil wir eine sehr kleine Gemeinde sind.

Sie haben Ihrer Vorgängerin Birgit Krifter von der SPÖ das Vizebürgermeisteramt überlassen, obwohl die ÖVP Anspruch darauf gehabt hätte. Warum?

Wir haben vor der Wahl angekündigt, falls wir Erster werden, den Vizebürgermeister der SPÖ zu überlassen. Daran halte ich mich. Der Grund, warum wir das gemacht haben, ist, dass die Wahlergebnisse bei uns zuletzt immer sehr knapp waren. 2010 haben ÖVP und SPÖ nur zwei Stimmen getrennt, 2015 ein bisschen mehr. Das Vizebürgermeisteramt der SPÖ zu überlassen, soll ein Zeichen sein, dass es uns wichtig ist, gemeinsam was in Reith zu verändern. Dabei wollen wir uns als Vorreiter positionieren. Es freut mich sehr, dass Birgit Krifter das Angebot angenommen hat. Sie hat in ihrer Amtszeit wertvolles Wissen aufbauen können. Wir sind zwar die kleinste Gemeinde im Bezirk, aber gemeinsam wollen wir sie nach vorne bringen.

Dieses Mal ist die Wahl mit 54,3 Prozent doch recht deutlich für die ÖVP ausgegangen. Was glauben Sie, war der Grund?

Ich glaube, dass wir in alle Bereiche der Wahlwerbung sehr viel Herzblut reingesteckt haben. Sicherlich liegt es auch ein wenig daran, dass ich als Spitzenkandidat sehr viele Hausbesuche selbst gemacht habe. Ich glaube, es ist in der Dorfgemeinschaft schon aufgefallen, dass es mir ein großes Anliegen ist, sich dafür einzusetzen.

Hat auch der bundesweite Schwung, den die ÖVP gerade erlebt, hier mitgeholfen?

Ja, ich denke schon, dass uns das auch geholfen hat. Bundeskanzler Sebastian Kurz macht seine Sache sehr gut, obwohl er noch sehr jung ist. Ich bin zwar nicht so jung wie Sebastian Kurz, aber mit 38 Jahren der zweitjüngste Bürgermeister unserer Gemeinde. Sebastian Kurz hat aber auch erfahrene Leute im Team und das ist auch bei uns so.

Wie entscheidend waren die Zweitwohnsitzer für das Wahlergebnis? Bei der Wahl im Jänner gab es ja 102 Personen weniger Wahlberechtigte als vor fünf Jahren.

Die Tatsache, dass diesmal weniger Zweitwohnsitzer wahlberechtigt waren, hat uns sicher geholfen. Wenn Personen aus Nachbargemeinden mit einem Naheverhältnis zu einer bestimmten Partei bei uns wählen dürfen, dann ist das nicht richtig – auch wenn sie einem Verein hier angehören. Ich lehne das Zweitwohnsitzerwahlrecht grundsätzlich ab. Wenn dann, wie bei uns, so wenige Stimmen über den Wahlsieg entscheiden, ist es für die Opposition ganz schwierig, weil ja letztlich der Bürgermeister entscheidet, welche Zweitwohnsitzer wählen dürfen und welche nicht.

Nun sind Sie aber nicht mehr die Opposition. Somit könnte das Zweitwohnsitzerwahlrecht beim nächsten Urnengang Ihnen zugute kommen. Sind Sie trotzdem immer noch dagegen?

Ja, natürlich. Nur Personen mit einem Hauptwohnsitz oder einer Immobilie in der Gemeinde sollten hier wählen dürfen. Ich werde dieses Gesetz sicher nicht für uns nutzen, weil wir selbst daran einige Male gescheitert sind. Wenn die Leistung der Bürgermeisterpartei passt, sollte sich alles andere von selbst ergeben.

In der Vergangenheit war St. Georgen/Reith bekannt für seine streitbaren Politiker.

Wir sind eben für unsere Anliegen eingetreten.

Dennoch wurde es nach dem Wechsel von Helmut Schagerl zu Birgit Krifter an der Ortsspitze harmonischer in der Gemeinde. Woran liegt das?

Birgit Krifter hat uns eingebunden. Wir waren für sie ein wichtiger Ansprechpartner. Für uns war es immer wichtig, dass man Dinge diskutiert und überlegt und nicht einfach nur drüberfährt. Wenn ihr Vorgänger bei entscheidenden Projektplanungen einmal auf uns zugegangen wäre und gefragt hätte, wie wir die Sache sehen, hätten wir uns viele Auseinandersetzungen erspart.

Kommen wir zu den anstehenden Projekten in der Gemeinde. Welche großen Aufgaben kommen nun auf Sie zu?

Von den großen Dingen, die jetzt anstehen, reden wir schon lange. Da wäre einmal der dritte Bauabschnitt der Wasserversorgung in Kogelsbach, wo es um eine Investitionssumme von rund einer halben Million Euro geht. Da wäre es schön, wenn wir das noch runterbringen, damit man auch die Gebühren niedrig halten kann. Daneben steht die Asphaltierung eines Güterweges rauf auf den Königsberg an. Da befinden sich vier Gehöfte, die jetzt dem Staub ausgesetzt sind. Und dann ist da natürlich der Breitbandausbau. Die entlegeneren Gebiete sind bei uns noch nicht erschlossen. Die Fördermöglichkeit läuft im Frühjahr 2021 für das Gebiet Königsberg aus und da sollten wir jetzt für die 14 Haushaltsanschlüsse in Vorleistung treten. Schön wäre es, wenn wir dabei auch gleich Synergien nutzen und Freileitungen in die Erde verlegen könnten.

Wie viele Anschlüsse im Gemeindegebiet sind noch offen?

Ich vermute, dass es rund 50 Haushalte sind.

Im Wahlprogramm der ÖVP stand, dass Sie Betriebsansiedelungen forcieren möchten. Hat man da ein konkretes Projekt in Aussicht?

Nein. Das wird auch nicht ganz leicht, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Wenn sich etwas auftut, werde ich da sein und schauen, dass wir das umsetzen können. 20 Arbeitsplätze wären schon super.

Die Abwanderung ist in St. Georgen/Reith ein großes Thema. Wie möchten Sie hier gegensteuern?

Wir haben in Kogelsbach ein Wohnbauprojekt auf Schiene bringen können. Dort sollen zwei Wohnbauten mit jeweils sechs Wohneinheiten entstehen. Da werde ich alles daran setzen, dass beim ersten schon vor der Fertigstellung alle Wohnungen vermietet sind, damit dann gleich der zweite gebaut wird.

Die Nachfrage ist gegeben?

Absolut. Wenn ich mir anschaue, wie viele Reitherer in Nachbargemeinden wohnen, glaube ich, dass das Angebot von 15 bis 20 Wohnungen sicherlich genutzt würde.

Werden Sie die geplante Pflegeeinrichtung im Blindenheim, die Ihre Vorgängerin angestrebt hat, weiter forcieren?

Ja, dieses Green-Care-Projekt kann ich nur unterstützen. Das bringt ja auch Arbeitsplätze. Hier wird jetzt einmal eine Machbarkeitsstudie erstellt und dann wird man sehen, was zu investieren wäre. Grundsätzlich liegt dieses Projekt ja beim Besitzer des Blindenheims. Birgit Krifter wird dieses Projekt auf jeden Fall weiter begleiten.

Auch die Sanierung der Volksschule steht heuer an. Was ist da geplant?

Das Gebäude soll über den Sommer saniert werden. Die Schule ist das einzige öffentliche Gemeindegebäude, das wirklich tagtäglich von rund 40 Reitherer Schul- und Kindergartenkindern genutzt wird.

St. Georgen/Reith befindet sich in einer schwierigen finanziellen Situation. Man ist Abgangsgemeinde. Was wollen Sie da tun?

Wir werden Mitte April einmal einen Kassasturz machen, bei dem mit Unterstützung des Landes NÖ Einsparungspotenziale im Haushalt offengelegt werden sollen.

Welche Chance sehen Sie für die Gemeinde im Tourismus? Mit dem Ybbstalradweg hat man hier ja nun einen Besuchermagneten.

Der Radweg bringt natürlich Chancen. Man muss diese aber auch aufgreifen. Das möchten wir den Gemeindebürgern bewusst machen. Auch Chancen im Bereich der Selbstvermarktung könnte man nutzen. Wir haben bei uns unter anderem einen Landwirt der Bio-Wagyu-Rinder züchtet. Als Gemeinde überlegen wir auch, eine Möglichkeit zur Verfügung zu stellen, wo regionale Produkte unkompliziert erworben werden können.

Wenn Sie nun fünf Jahre vorausblicken. Was wollen Sie als Bürgermeister bis dahin umgesetzt haben?

Schön wäre es, wenn wir mehr Einwohner hätten und Reith einen moderneren Touch bekommt. Man sollte merken, obwohl wir klein sind, da tut sich was.