Pöchhacker/Krifter: „Alle gestalten mit, das hat Charme“

Erstellt am 17. August 2022 | 06:08
Lesezeit: 8 Min
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Zwei, die sich gut verstehen: Seit der Gemeinderatswahl im Jänner 2020 lenken Vizebürgermeisterin Birgit Krifter (TBK) und Bürgermeister Josef Pöchhacker gemeinsam die Geschicke in St. Georgen/Reith. Im NÖN-Gespräch ziehen sie ein erstes Resümee über ihre Zusammenarbeit und berichten über laufende Gemeindeprojekte sowie Vorhaben für die Zukunft.
Foto: Kössl
Bürgermeister Josef Pöchhacker (ÖVP) und Vizebürgermeisterin Birgit Krifter (TBK) ziehen nach zweieinhalb Jahren schwarz-roter Zusammenarbeit in St. Georgen/Reith ein Halbzeitresümee.
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NÖN: Zweieinhalb Jahre sind seit der Gemeinderatswahl 2020 und dem Wechsel an der Ortsspitze von Rot zu Schwarz nun vergangen. Dass die ÖVP der SPÖ-Liste TBK damals den Vizebürgermeister überlassen hat, war etwas ganz Neues. Wie ist es Ihnen in den letzten zweieinhalb Jahren in dieser Konstellation ergangen?

Vizebürgermeisterin Birgit Krifter: Nicht viel anders als davor. Wir haben uns vorher schon gut verstanden und die Zusammenarbeit dann fortgeführt. Ich denke, es geht nur miteinander. In der Kommunalpolitik geht es um die Gemeinde und nicht um Parteipolitik. Das sollte man außen vor lassen, damit das gut funktioniert.

In der Kommunalpolitik geht es um die Gemeinde und nicht um Parteipolitik.“ Birgit Krifter Vizebürgermeisterin

Wie wurde die Entscheidung, dem politischen Mitbewerb den Vizebürgermeistersessel zu überlassen, innerhalb der ÖVP aufgenommen?

Bürgermeister Josef Pöchhacker: In St. Georgen/Reith wurde das gut angenommen und ich glaube, das wird es noch immer. Von außen gab es schon Stimmen, die gefragt haben, warum macht ihr das? Aber ich denke, warum sollen wir das in unserer kleinen Gemeinde nicht anders lösen als anderswo. Birgit Krifter war vorher ja Bürgermeisterin und da sind bereits Sachen vorbereitet worden, die dann erst zur Umsetzung kamen. Auf so einer Basis tut man sich um einiges leichter. Wenn der Vorgänger weg ist, ist es schwieriger. Ich glaube, wenn man sagt, dass alle mitgestalten können, dann holt man auch alle ab. Ich finde, das hat Charme.

Und gab es aufseiten der SPÖ Einwände?

Krifter: Nein. Die ÖVP hat ja schon Wahlwerbung damit gemacht, dass sie uns den Vize überlassen wird, sollte sie die Mehrheit erreichen. Beim Wahlwerben haben mich dann die Leute gefragt, ob ich das überhaupt annehmen würde und ich habe gesagt: ja, warum nicht? Da habe ich aber eigentlich noch gar nicht darüber nachgedacht gehabt. Als es dann tatsächlich so kam, war das bei uns aber für niemanden ein Problem.

Kommen wir zu den aktuellen Projekten in der Gemeinde: Ein großes ist momentan die Sanierung der Ortsdurchfahrt. Wie weit ist man da?

Pöchhacker: Da es sich dabei um eine Landesstraße handelt, ist das eigentlich ein Landesprojekt. Leider hat es sich zuletzt ein wenig nach hinten verschoben. Beim Hineinbaggern hat sich nämlich gezeigt, dass manche Dinge nicht so sind, wie angenommen. Ich gehe aber davon aus, dass Mitte September asphaltiert wird und wir dann wieder staubfrei sind.

Im Zuge dieser Arbeiten wird auch der Dorfplatz neu gestaltet. Welche Veränderungen wird es hier geben?

Pöchhacker: Ich spreche hier lieber von einer Sanierung, weil nur Unwesentliches verändert wird. Dieser Platz wird von vielen Vereinen für Veranstaltungen genutzt, für diesen Zweck wird er nun adaptiert. So soll man etwa die Infrastruktur für Strom und Wasser künftig unterirdisch verlegen können. Außerdem wurden einige weitere Möglichkeiten vorgesehen, damit ein Sonnensegel oder eine Beschattung möglich sind.

Eine Bepflanzung ist aber nicht angedacht?

Pöchhacker: Nein. Im städtischen Bereich ist das natürlich etwas anderes, aber bei uns sehe ich rundherum eh nur grün.

Ein anderes großes Projekt ist der Glasfaserausbau. Wie weit ist man da?

Pöchhacker: Über 95 Prozent unserer Haushalte haben schon die Möglichkeit, sich an das Breitband anzuschließen. Dass wir schon so weit sein dürfen, hat mit den Bundesförderzeitvorgaben zu tun. Die restlichen rund zehn Liegenschaften werden bis 2024 die Möglichkeit erhalten.

Ein großes Thema im Oberen Ybbstal ist derzeit die Zukunft der Altstoffsammelzentren. Langfristig wird es hier Änderungen geben. Bangt man in St. Georgen/Reith um sein ASZ?

Pöchhacker: Natürlich. Wir haben das im Gemeinderat auch schon diskutiert, denn ich möchte dann nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Schließlich zahlen wir genauso Müllgebühr. Es kann nicht sein, dass man die weiteste Strecke im Bezirk mit 16 Kilometern nach Hollenstein fahren muss. Stattdessen sollte man Synergien mit Göstling nutzen, aber da ist dann halt die Bezirksgrenze dazwischen. Für Kogelsbach wäre das aber eine enorme Entlastung. Letztlich muss eine Lösung gefunden werden, die auch für uns passt. Zumindest die Entsorgung von Bauschutt, Eisen und Altholz muss weiter möglich sein. Sperrmüll wird man wohl abgeben müssen.

Krifter: Doch gerade an Sperrmüll fällt ja in jedem Haushalt einiges an. Es wäre schade, wenn diese Fraktion nicht mehr am ASZ stationiert wäre.

Pöchhacker: Ich bin jetzt mal gespannt auf den Bau der ersten Wertstoffzentren und ob sich das alles dann finanziell ausgeht. Am besten ist natürlich, wir produzieren weniger Müll.

Der geplante Wohnbau in Kogelsbach verzögert sich. Was sind die Gründe dafür?

Pöchhacker: Aufgrund der Preisentwicklung reicht die Wohnbaugesellschaft das Projekt jetzt nochmals neu zur Förderung ein, um mehr Mittel zu bekommen. Schließlich brauchen wir Wohnraum, der leistbar ist, und keinen zu teuren Leerstand. Viele Junge warten schon sehnsüchtig auf diese Wohnungen.

Krifter: Wäre alles nach Plan gegangen, hätte dieser Wohnbau schon heuer gebaut werden sollen. Die Fertigstellung war für Herbst geplant. Ich bin aber zuversichtlich, dass dieses Projekt etwas wird.

Wie sieht es mit der Aufschließung neuer Baugründe aus? Hier hat man seitens der Gemeinde ja eine Fläche in Kogelsbach im Blick. Wird das etwas?

Pöchhacker: Der stete Tropfen höhlt den Stein. Am 22. August habe ich wieder einen Termin bei der Clearing-Stelle, weil ich einfach verstehen möchte, warum diese Aufschließung sehr schwierig umzusetzen ist. Wir sprechen hier von einer Fläche von zwei Hektar und 15 bis 20 Parzellen. Dort ist bereits Glasfaser, Wasser und eine öffentliche Zufahrt. Lediglich den Kanal muss man noch auf 80 Meter Länge machen. Es gibt auch schon Interessenten. Sicher wäre es gut, wenn man im Ortsteil St. Georgen/Reith etwas finden würde, aber das ist halt nicht der Fall.

Wie sieht es mit den Plänen für das ehemalige Blindenheim aus? Da gab es die Idee, im Rahmen eines Green-Care-Projekts eine Senioren-WG zu realisieren. Wird dieses Projekt schon konkret?

Pöchhacker: Birgit Krifter hat da schon viel Energie reingesteckt. Das Objekt steht in Privatbesitz und dies muss halt auch zur Kenntnis genommen werden.

Krifter: Das Konzept wäre mega gewesen. Ich habe das schon beim Land NÖ vorgestellt. Dort war man begeistert und man hat uns volle Unterstützung zugesichert. Das Projekt wäre gefördert worden. Leider hat dann der Besitzer gesagt, dass er dies so nicht umsetzen möchte. Jetzt wollen wir das Projekt, wenn möglich, im alten Gemeindehaus oben umsetzen. Dazu hätten wir auch schon eine Wohnbaugenossenschaft an der Hand.

Wie sieht dieses Konzept konkret aus?

Krifter: Es handelt sich um eine WG für alte und ältere Leute, wo es Betreuungspersonal gibt, aber ganz ohne Pflegeheimcharakter. Wie in einer WG hat jeder seinen Bereich, aber es gibt eine Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsräume. Die Betreuung übernehmen Alltagsbegleiter, aber auch untereinander helfen sich die Menschen. Der Grundgedanke ist, dass man die Mobilität der Menschen relativ lange erhält, indem sie nicht alleine sind. Wenn man alleine ist, geht der körperliche und geistige Abbau oft viel schneller. Wenn man sich aber gegenseitig unterstützt, ist das sehr wertvoll und entlastet wiederum den Pflegebereich. Beim Thema Pflege wird generell noch viel auf uns zukommen. Da wurde in der Vergangenheit viel verabsäumt.

Pöchhacker: Wir müssen dieses Projekt unbedingt weiter verfolgen. Es gibt so viele, die alleine daheim sind oder eine mobile Pflege haben. So hätte man alles kompakt zusammen. Ich denke mir, was gibt es Schöneres, als wenn man mit Gleichaltrigen zusammen den Tag verbringen kann. Und wenn ich meine Ruhe haben will, ziehe ich mich in meinen Bereich zurück.

Wie ist es Ihnen in den letzten zweieinhalb Jahren während der Corona-Pandemie in der Gemeinde ergangen?

Pöchhacker: Dank des Engagements von Birgit Krifter haben wir eine Teststation im Gemeindeamt betreiben können. Die wurde sehr gut angenommen.

Krifter: In manchen Phasen haben wir täglich getestet. Das brachte für alle einen großen Mehrwert, es war aber auch anstrengend. Ich denke jedoch, wir haben das echt gut gemeistert. Die Leute sind auch von den umliegenden Gemeinden zu uns gekommen, vor allem, als dann die 3G-Regelung für die Arbeit gekommen ist. Zum Schluss haben wir uns mit Hollenstein abgesprochen, damit wir alles gut abdecken können. Die Teststraße war in dieser Zeit auch eine Art Treffpunkt in der Gemeinde. Man hat viele Gespräche führen, dabei auch viele Ängste nehmen oder Unklarheiten beseitigen können. Das war eine Psychohygiene für alle, die nebenbei mitlief.

Die 3G-Regel und die Impfpflicht haben zu einer großen Polarisierung in der Gesellschaft geführt. Wie war das in St. Georgen/Reith und hat sich das mittlerweile wieder gelegt?

Pöchhacker: Gott sei Dank war das bei uns nicht so. Natürlich gab es auch hier extreme Meinungen. Vizebürgermeisterin Birgit Krifter und ich waren beim Thema Impfpflicht aber immer moderater eingestellt. Das haben wir ähnlich gesehen und ich denke mir, man soll nie die Nerven weghauen.

Krifter: Ich glaube, da waren auch die Gespräche in der Teststraße wichtig, sodass das gar nicht so entstanden ist bei uns.

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