Standing Ovations für Geierwally. Eine Neubearbeitung des Themas „Geierwally“ hatte am 4. Juli im Schlosshof bejubelte Premiere.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 09. Juli 2014 (07:01)
NOEN, Leo Lugmayr
Tosender Schlussapplaus für das gesamte Ensemble: Große schauspielerische Leistung, fantasievolle Inszenierung und beachtliche Regieleistung bei einer Welturaufführung.

Der Wettergott war jedenfalls dieser Produktion wohlgesonnen. Die bisher wärmste Sommernacht kam für die Premiere der Schlosshofspiele am vergangenen Freitag gerade recht.

Mit Spannung war die Eröffnung der Schlosshofspiele erwartet worden, stand doch die Uraufführung eines Schauspiels auf dem Programm, das die aus Heimatroman und Schnulzenfilmen bekannte Geschichte der historischen Figur der Geierwally neu zu bearbeiten und in die Waidhofner Gegenwart auszuweiten versprach. Und das gelang auch mit viel Humor.

Schauspielerische Leistung mehr als beachtlich

Autor und Regisseur Andreas Moldaschl hatte die schier unmögliche Aufgabe, der Zillertaler Emanzipationsgeschichte eine zweite zeitliche Dimension in der Waidhofner Gegenwart und darüber hinaus eine überzeitliche Ebene im Jenseits zu verpassen, geschickt geschafft. Die neue Story funktioniert auch in den Köpfen inhaltlich unvorbereiteter Gäste.

Die schauspielerische Leistung des Volksbühne-Ensembles ist mit beachtlich nur unzureichend beschrieben. Die können das – das spürt man bereits etwa beim ersten selbstsicheren Auftritt von Otmar Pils, dem Freund der Neuzeit-Wally Karin Komatz – einem Vollblut-Schauspieler. Gediegenes schauspielerisches Handwerk, erworben in zahlreichen Ausbildungen, das ist es, was dem Erfolg so wohltuend zugrunde liegt.

Komatz selbst ist spielerisch und gesanglich eine Freude. Mit Sicherheit, Frechheit und Charme gewinnt sie die Sympathien des Publikums. Die Jenseits-Ebene ist sprachlich mit Werner Fallys „Piefke-Chinesisch“ als Himmelssekretär Bonifazius und örtlich im Arkadengang des ersten Stocks streng abgehoben. Passt auch, denn seine Engerl – Pia Litzlbauer und Barbara Lueger – schmiegen sich durch karikatureske Rollenverspieltheit der Abgehobenheit gut an ihn an und begeistern.

Ein wirkliches Vergnügen

Beide sind als Mägde in Doppelrollen auf der Bühne. Lueger ist wirklich eine Nummer, unglaublich! Litzlbauer spielt ihr Talent auch als Visagistin aus und verwandelt den in allen Facetten grandiosen Wolfgang Kettner vom historischen Wilderer Sepp per Schminkstift in einen Adler. Kettner ist erneut ein Meister des Faches – sei es als Geierwallys Freund im Jenseits oder im Adlerhorst thronend.

Susanne Leonhartsberger ist in der Rolle der historischen Geierwally eine Wucht, auch gesanglich sehr imposant. Fritz Rechberger, gleich dreimal der Vater ein und derselben Tochter – einmal als Gruber Wirt anno 2014, einmal als Geierwallys Vater Alois Mooslechner (um 1850) und einmal im wirklichen Leben – verkörpert den grantigen Erz-Patriarchen brillant. Regina und Fritz Stummer sind als Bauernpaar ein wirkliches Vergnügen, Heidelinde Wunderer und Christoph Marcik als deren Sohn und Tochter ebenso eine Freude wie Alexander Kettner als Pfarrer.

Schade um die Jäger, hier fehlt das Maß 

Die drei Jäger-Darsteller Günter Königswenger, Daniel Aspalter und Lukas Weidenauer – das sei explizit betont – verkörpern ihre Regievorgaben saftig und kräftig. Allein wie ihre Rollen angelegt sind, darf jedoch hinterfragt werden. Jäger als steirisch bellende, dumpfgeistige, Kühe und Wilderer abknallende Tölpel zu karikieren, ist doch ein wenig plump.

Sie dann auch noch als Bürger der Gemeinde Wildalpen festzulegen, darf angesichts der Anwesenheit von deren Bürgermeisterin Karin Gulas samt großer Delegation zumindest peinlich hinüberkommen sein. Hier hätte man am Ende die Jäger – so wie es bei Bauer Altenberger gut gelungen ist – mit einer versöhnlichen Geste rehabilitieren können, noch dazu, wo sich die recht eindimensionale Dummheit der Jäger gerade über deren auf Wilderer ausgerichtete Blutrünstigkeit definierte.

Ihren großen Auftritt hatten Jonas und Theresa Elsner sowie Victoria Rohrhofer: gut gemacht „Dorfkinder“! Gratulation zur Dressur des Hundes Rocky, der den Waldi spielt, köstlich!

Szenenapplaus lösten die adaptiert eingearbeiteten Schlager von Seer, STS und Gabalier aus. Grandios und sicher waren da besonders Kettner, Leonhartsberger, Komatz und Marcik. Zum Schluss gab es für Ensemble und Regie Standing Ovations.