Straße statt Schienen. Ybbstalbahn / In Ybbsitz wurden die ersten Gleise der aufgelassenen Ybbstalbahn entfernt. Der Grund: Zwischen dem Sportplatz und Ederlehen wird ab September die Straße verlegt.

Erstellt am 23. Juli 2013 (00:00)
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Der sanierungsbedürftige Abschnitt der Bundesstraße B22 zwischen dem Sportplatz Ybbsitz und Ederlehen wird verlegt. Künftig soll der Straßenverkehr unterhalb des Bauernhauses Lehen geführt werden. Hopö
Von Andreas Kössl

YBBSTAL I / Mitte Februar 2012 trudelte der Feststellungsbescheid der Eisenbahnbehörde über die Auflassung der Ybbstalbahn bei der NÖVOG und den Ybbstalgemeinden ein. Damit ist die traditionsträchtige Schmalspurbahn seit bereits über einem Jahr de facto Geschichte.

Während die Vorarbeiten zur Realisierung des geplanten Ybbstalradwegs von Waidhofen nach Lunz am See voranschritten und zuletzt eine mögliche Kombination aus Bahn und Radweg neuerlich diskutiert und wieder verworfen wurde, blieben die Schienen der Ybbstalbahn die ganze Zeit über unangetastet.

Dies änderte sich am Dienstag der Vorwoche, dem 16. Juli. Da rollten nämlich die Bagger im Kleinen Ybbstal an und begannen zwischen dem Sportplatz Ybbsitz und Ederlehen mit der Demontage des Gleiskörpers. Dieser befindet sich im Besitz des „Gemeindeverbands Ybbstalradweg“, welcher die Trasse samt dem Gleiskörper vor einem Jahr von der NÖVOG um einen Euro übernommen hat. Die Abtragung der ersten Schienen und Schwellen in diesem Bereich sei von der Gemeinde Ybbsitz in Vertretung des „Gemeindeverbands Ybbstalradweg“ beauftragt worden, erklärt der Ybbsitzer Bürgermeister Josef Hofmarcher. „Als Ybbsitzer Bürgermeister bin ich ja im Vorstand des Vereins vertreten.“

Grund für die Abtragung des Gleiskörpers ist die Verlegung der Bundesstraße B22 zwischen dem Sportplatz Ybbsitz und Ederlehen. Die Straße sei baufällig, so Hofmarcher. Da die jetzige Straße das dort gelegene Bauernhaus Lehen der Familie Gspörer vom Großteil des dazugehörigen Wirtschaftsgrunds trenne, werde die Straße, anstatt sie zu sanieren, nun gleich verlegt und künftig auf der Südseite des Bauernhauses vorbeiführen.

„Wir haben die Finanzierung gesichert und die nötigen Genehmigungen, die Straße wird jetzt umgesetzt“, so Hofmarcher. Die Arbeiten sollen Ende August starten und bis Mitte 2014 abgeschlossen sein. In einem zweiten Teilstück soll der Riessberg entschärft werden. Hier gibt es aber noch keinen Zeitplan. „Die Achse Gstadt Ybbsitz ist für uns lebensnotwendig“, so Hofmarcher.

Schienen sollen aufbewahrt werden

Der Ybbsitzer Ortschef hält fest, dass die Abtragung des Gleiskörpers nur zwischen dem Sportplatz und Ederlehen auf einer Strecke von rund einem Kilometer erfolgen werde. „Die restlichen Schienen bleiben liegen.“ Der abgetragene Gleiskörper werde beim Altstoffsammelzentrum Ybbsitz zwischengelagert. „Sollte es in den nächsten Jahren ein realistisches Projekt zur Reaktivierung der Bahn zwischen Ybbsitz und Gstadt geben, so wären die Schienen verfügbar“, sagt Hofmarcher. „Ich meine damit aber keine Studien, sondern ein Projekt.“

Ein solches habe es bis jetzt nämlich nicht gegeben, so der Bürgermeister und stellt klar: „Die Strecke zwischen Gstadt und Ybbsitz ist bei den zuletzt geführten Gesprächen nicht diskutiert worden“. Weiters gibt er zu bedenken, dass eine Reaktivierung der Bahn ein neues Rechtsverfahren mit sich bringen würde, da es die Bahn de facto nicht mehr gebe.

Kein Verständnis für die Verlegung der Bundesstraße hat der Ybbsitzer Grün-Gemeinderat Gottfried Lettner, ein vehementer Befürworter der Bahn. Dass man wegen einem Landwirt die Straße verlegt, versteht er nicht.

Es habe dafür auch nie einen Gemeinderatsbeschluss gegeben. Man sei lediglich vom Ausschussvorsitzenden, Vizebürgermeister Anton Pechhacker, informiert worden, dass man ab September die Schienen abbauen werde. Der Beginn der Schienen-Abbauarbeiten letzte Woche sei für ihn überraschend gekommen, so Lettner, der sich gerade auf Urlaub befindet.

Zudem seien die Schienen einfach rausgerissen und damit unbrauchbar gemacht worden. „Das ist eine Sauerei“, so der Grün-Gemeinderat zutiefst enttäuscht.

Er gibt zu bedenken, dass der Radweg, der Gstadt mit Ybbsitz verbindet, zwischen dem Sportplatz und Ederlehen nach der Straßenverlegung nicht mehr durch die grüne Wiese, sondern neben der Bundesstraße verlaufen werde.