Puchebener: „Einfach blanker Populismus“. Bei Amstettner Stadtchefin stößt Teststrecke auf der A1 auf Kritik. Auch die Grünen sind skeptisch.

Von Markus Glück und Hermann Knapp. Erstellt am 01. August 2018 (05:01)
Knapp

Rund 88 Kilometer des A1-Autobahnabschnitts Melk-Oed sind laut FP-Verkehrsminister Norbert Hofer ab 1. August als Tempo-140-Teststrecke vorgesehen. Das Pilotprojekt soll ein Jahr dauern und wird von der Asfinag mit Vorher-Nacher-Messungen begleitet. Aktuell werden noch bei Tempo 130 Luftgüte, Lärm, Durchschnittsgeschwindigkeiten und Unfallzahlen ermittelt, die danach ebenso ein Jahr lang überprüft werden.

Im August 2019 fällt, auf Basis der erhobenen Werte, die Entscheidung, ob Tempo 140 allgemein verordnet wird. Laut Hofer-Sprecher Volker Höferl wurde die niederösterreichische Teststrecke aufgrund der Streckenführung, der Sichtweiten, der wenigen Kurven und der geringen Anzahl an Anschlussstellen ausgewählt.

„Pöchlarn ist kein Unfallhäufungspunkt“

Bei der Amstettner Feuerwehr sieht man in der Teststrecke kein Problem. „Vor dem Ausbau war der Abschnitt zwischen Amstetten Ost und West ein Unfallhäufungspunkt. Das ist jetzt nicht mehr so. Man darf nicht vergessen, dass die Autobahnen, als Tempo 130 verordnet wurde, noch alle zweispurig waren“, sagt der stellvertretende Landesbrandrat Armin Blutsch, zugleich Kommandant der Feuerwehr Amstetten. Natürlich werde es aber auch an den Autofahrern liegen, bei schlechtem Wetter das Tempo anzupassen.

Ursula Puchebner (SP), Bürgermeisterin der Feinstaubsanierungsgemeinde Amstetten, ist von der Teststrecke nicht begeistert. „Wenn man weiß, dass laut Analyse der Technischen Uni Graz die Anhebung des Tempolimits um 10 km/h 20 % mehr Schadstoffemissionen bringt, halte ich dieses Vorhaben für bedenklich. Wir sind ja auch Klimabündnisgemeinde und die Umwelt ist uns ein großes Anliegen.“ Die Stadt bemühe sich seit Jahren durch viele Initiativen, die Feinstaubbelastung zu senken.

Mit der Anordnung der Teststrecke werde das konterkariert. „Angesichts der Tatsache, dass wenige Kilometer westwärts auf der Autobahn (ab Enns) immer wieder die Geschwindigkeitsbeschränkung „IG-L 100“ (Luft-Hunderter) aufleuchtet, frage ich mich wirklich, was nun seitens des Verkehrsministers vordergründig betrachtet wird. Sind es Klimaziele, die Gesundheit/Sicherheit der Bevölkerung, die Sicherung der Nachhaltigkeit von Maßnahmen im Umweltbereich oder einfach blanker Populismus.“

Heribert Hudler
Amstettens Bürgermeisterin Ursula Puchebner kann dem Tempo-140-Test nichts Positives abgewinnen.

Skeptisch ist auch die Bürgermeisterin von St. Georgen am Ybbsfelde, Lieselotte Kashofer (VP): „Ich persönlich finde diese Maßnahme entbehrlich. Sie bringt kaum Zeitgewinn, vergrößert aber gefährliche Tempodifferenzen. Der Autobahnabschnitt zwischen Amstetten Ost –West führt direkt durch das Gemeindegebiet St. Georgen/Ybbsfelde und gerade in diesem Bereich ist eine extreme Unfallhäufigkeit gegeben. Die Statistik der wöchentlichen FF- Einsätze weist dies nach“, sagt die Ortschefin.

Auch der Grüne Bezirkssprecher Dominic Hörlezeder ist strikt gegen Tempo 140. „Das ist vollkommen widersinnig, bringt keine Zeitersparnis, schadet aber nachweislich der Umwelt. Aber so ist halt die Politik von Schwarz-Blau.“ Aus Hörlezeders Sicht müsste man genau in die andere Richtung gehen und einen Feinstaub-Hunderter überlegen, auch wenn dieser nicht populär sei.

APA/Bischof, Quelle: APA/Asfinag

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