Waidhofen/Ybbs: Rettung von Rehkitz mit High-Tech. Schutz vor dem Mähwerk: Jäger setzen Drohnen bei Suche nach Rehkitzen ein.

Von Christa Hochpöchler. Erstellt am 10. Juni 2021 (08:07)

Rehgeiße legen ihre neu geborenen Kitze gerne im schützenden hohen Gras ab. Es ist eigentlich ein perfektes Versteck. Bei Gefahr ducken sich die Kitze noch tiefer ins Gras, auch wenn das laute Mähwerk eines Traktors anrollt. Im 70 bis 80 cm hohen Gras hat der Bauer keine Chance, vom Traktor aus das Kitz zu bemerken. Um die Kitze rechtzeitig zu retten, kommt im Ybbstal mittlerweile vielfach eine Drohne mit High-Tech-Ausrüstung zum Einsatz.

Es ist vier Uhr morgens auf der rund 3,5 Hektar großen Wiese beim Bauernhaus „Hof“ in Waidhofen. Die 6.000-Euro teure Drohne wird vorbereitet. Noch ist es dunkel. Die drei Grad Celsius sind ideal, dann ist der Temperaturunterschied der kalten Wiese zum 36 Grad warmen Kitz am größten.

Tierrettung mit Drohne

Die Drohne startet. Anhand einer bereits programmierten Satellitenkarte berechnet sie ihre Flugroute eigenständig. Die Flughöhe beträgt 60 Meter, die Bahnen, die abgeflogen werden, sind 25 bis 30 Meter voneinander entfernt. So kann ausgeschlossen werden, dass eine Fläche übersehen wird.

Jäger Martin Schnabler von der Genossenschaftsjagd Waidhofen 1 verfolgt die Flugroute am Tablet. Seine Kollegen Hermann Schörghuber und Stefan Fuchs beobachten den Monitor der Wärmebildkamera. Fabian Schörghofer und Roland Großberger sind indes mit Kisten bereits mitten auf der Wiese. Das Team ist mit Funkgeräten verbunden.

Das erste Objekt, das gefunden wird, ist ein Stein, der die Temperatur vom Vortag gespeichert hat. Schon bald wird eine weitere Wärmequelle am Monitor entdeckt. Schörghofer und Großberger werden zu der Position geleitet. Das erste Kitz wird gefunden und vorsichtig mit einer Kiste abgedeckt.

Zur Sicherheit wird die Kiste im Boden verankert und eine Fahne angebracht, damit sie vom Traktor aus leicht entdeckt wird. Durch die große Kiste und das viele Gras kommt kein menschlicher Geruch an das Kitz.

Drohnenflug in der vierten Saison

„Wir fliegen nun bereits die vierte Saison. Unser Drohnen-Team war das erste im Bezirk“, sagt Schnabler. „Eine High-Tech-Ausrüstung war notwendig. Je besser die Bedingungen, desto schneller kann man fliegen, die Trefferquote liegt bei 95 Prozent.“ Die Wärmebildkamera ist äußerst sensibel. Zwei kleine Hasen werden gefunden, sie sind gerade einmal 10 cm groß. Auch die Hasen kommen in die rettende Kiste.

„Mittlerweile rufen ausnahmslos alle Bauern im Jagdgebiet die Drohnen-Teams an, bevor sie mähen. Am Anfang war Überzeugungsarbeit notwendig. Doch diese Methode ist wesentlich erfolgreicher und schneller als die Suche mit den Balken oder die Begehung mit Hunden“, erzählt Stadtrat Anton Schörghofer, selbst Jäger.

Nach einer Stunde ist bereits ein Gebiet von zwölf Hektar abgeflogen. Fünf Kitze und zwei Hasen sind die erfreuliche Bilanz. Nun kann gemäht werden, rund um die Kisten bleibt das Gras weiter hoch. Nach der Mahd werden die Kisten vorsichtig entfernt.

„Heuer werden wir nur einmal die Hunderte Hektar abfliegen, doch wenn die Vegetation früher beginnt, kommen wir zweimal zum Einsatz“, beschreibt Schnabler die anstrengenden Wochen im Frühling. Für alle Beteiligten ist es jedoch ein befriedigendes Gefühl, wenn die Kitze gerettet werden.