Oper-rund-um-Regisseurin im Interview. Oper-rund-um-Regisseurin Anna Katharina Bernreitner erzählt von Orpheus, Rollschuhen und persönlicher Coronazeit.

Von Anna Faltner. Erstellt am 15. Juli 2020 (04:27)
Für Intendantin Anna Katharina Bernreiter war während des Lockdowns immer klar: „Wenn wir irgendwie spielen können, dann werden wir auch spielen.“
Helmut Lackinger

Das Ziel der „Oper rund um“ ist es, kulturfremde Orte in eine Opernbühne zu verwandeln. Regisseurin Anna Katharina Bernreitner bringt ab Donnerstag, 16. Juli, Jacques Offenbachs Operette „Orpheus in der Unterwelt“ in einer wilden, bunten Inszenierung in der Eishalle Waidhofen zur Aufführung. Mit der NÖN sprach die gebürtige Waidhofnerin über die vergangenen Wochen.

NÖN: Wie laufen die Vorbereitungen für die Premiere am 16. Juli?

Anna Katharina Bernreitner: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Wir nähern uns mit Riesenschritten der Premiere und arbeiten mit Feuereifer daran, alles zu unserer Zufriedenheit fertigzustellen. Die letzten Kostümdetails werden noch fertig genäht, das Orchester ist bereits angereist, um mit uns zu proben, und die Zielgerade liegt vor uns.

Wie hat sich das Coronavirus auf die Vorbereitungen ausgewirkt?

Bernreitner: Der Lockdown und die Corona-Maßnahmen haben uns in eine große Unsicherheit gestürzt. Da wir nicht sicher waren, ob wir überhaupt spielen werden können, haben wir mit vielen Vorbereitungen abgewartet. Als dann endlich klar war, dass wir spielen, haben wir versucht, die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Die Besucherzahl mussten wir durch Corona nicht verändern, da wir auch im letzten Jahr für eine ähnlich große Zuschauermenge gespielt haben. Die Eishalle bietet uns zum Glück den Platz, den Abstand zwischen den einzelnen Stühlen wahren zu können. Eine Corona-Beauftragte werden wir haben, genauso liegt ein Sicherheitskonzept vor, das von der Behörde abgesegnet wurde.

Die „Oper rund um“ bringt ab 16. Juli die Operette „Orpheus in der Unterwelt“ auf die Bühne der Eishalle Waidhofen.
Öllinger/Rainer

Wie war die Krise für Sie als Kunstschaffende?

Bernreitner: Leider konnten drei Stücke nicht stattfinden, die ich zwischen März und Juni inszeniert hätte, und auch für den Herbst 2020 wurden bereits Änderungen vorgenommen. Immerhin wurden diese Arbeiten verschoben (auf 2022!), anstatt gänzlich abgesagt. Trotzdem schmerzt es und stellt große finanzielle Verluste dar. Gerade auf ein Stück mit der Neuen Oper Wien und eine Inszenierung an der Opéra national de Lorraine in Nancy hatte ich mich schon sehr gefreut und auch intensiv vorbereitet.

Stand die Operette mal an der Kippe?

Bernreitner: Wir haben einfach abgewartet. Mehr konnte man nicht tun. Die Sänger haben fast täglich angerufen und gefragt, ob es abgesagt wird. Ich konnte immer nur wiederholen, dass wir abwarten und wenn wir irgendwie spielen können, dann werden wir auch spielen.

Warum haben Sie die Eishalle als Veranstaltungsort gewählt?

Bernreitner: Wir haben die Eishalle im vergangenen Herbst ausgewählt, weil wir einen Ort wollten, an dem wir uns austoben können. Eine Location, wo wir Platz haben, um was Großes aufzubauen. Als Nächstes kam dann die Idee, dass wir ein Äquivalent zum Eislaufen einbauen wollen und somit haben wir uns für das Rollschuhfahren als Motto der Unterwelt entschieden. Göttin Pluto verteilt in der Unterwelt Rollschuhe an die anderen Göttinnen und Götter und lädt alle zur Rollschuhdisco ein.

Wie oft haben Sie schon in Waidhofen gespielt?

Bernreitner: Oper rund um spielt seit 2011 im Mostviertel Oper an außergewöhnlichen Orten und seit 2017 spielen wir in Waidhofen. Da haben wir bereits „Don Giovanni“, „Die Entführung aus dem Serail“ und „Die Hochzeit des Figaro“ präsentiert. Letztes Jahr wurden wir dafür mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis ausgezeichnet.

Wie lange wird schon geprobt?

Bernreitner: Wir proben seit 15. Juni in Wien und seit Juli in der Eishalle.

Nach welchen Kriterien wurde die Operette „Orpheus in der Unterwelt“ ausgewählt?

Bernreitner: Es ist ein spritziges, verrücktes Stück, das mich schon lange gereizt hat. Nach den vielen Mozartopern, die ich in den letzten Jahren inszeniert habe, hatte ich Lust, wieder einmal eine Operette zu machen. Das Genre bereitet mir großen Spaß, so wie auch damals 2015 als wir mit Oper rund um „Die Fledermaus“ im Aschbacher Freibad gezeigt haben.

Worauf dürfen sich die Besucher besonders freuen?

Bernreitner: Die Besucher dürfen sich auf einen unterhaltsamen, verrückten Abend freuen, an dem sie für einige Stunden in einen vollkommen anderen Kosmos eintauchen können. Wir begleiten Orpheus auf der Suche nach seiner Frau und reisen von Theben, auf den Olymp, hinab in die Unterwelt. Dort treffen wir auf die extravagante Götterfamilie, angeführt von Göttervater Jupiter, der sich andauernd mit seiner Schwester Göttin Pluto streitet. Dieses Mal streiten sie sich um die wunderschöne Erdenbewohnerin Eurydike. Ein hochkarätiges Sängerensemble spielt und singt voller Leidenschaft für die Besucher. Außerdem wird die Rolle des Hans Styx bei jeder Vorstellung von einem anderen Special Guest gesungen, am Abend der Premiere von Staatsopernsänger Adrian Eröd.